Vor 200 Jahren wurde die Rigi eine begehrte Tourismusdestination

Das heute noch existierende Hotel Rigi Kulm, ein Nachfolgebau des ersten Berghotels, mit dem vor 200 Jahren der Fremdenverkehr auf dem Aussichtsberg seinen Anfang genommen hat, in einer Aufnahme von 1991 anlässlich der 175-Jahre-Feierlichkeiten.
Das heute noch existierende Hotel Rigi Kulm, ein Nachfolgebau des ersten Berghotels, mit dem vor 200 Jahren der Fremdenverkehr auf dem Aussichtsberg seinen Anfang genommen hat, in einer Aufnahme von 1991 anlässlich der 175-Jahre-Feierlichkeiten. © KEYSTONE/STR
Mit dem Bau eines Berghotels vor 200 Jahren ist die Rigi ein Top-Reiseziel geworden. Wohlhabende liessen sich in der Sänfte auf das 1800 Meter hohe Massiv zwischen Vierwaldstätter- und Zugersee tragen, bis Bahnen den Berg für die Massen leicht bezwingbar machten.

Gäste zieht die zur Alpwirtschaft genutzte Rigi seit über 400 Jahren an, denn der Quelle auf Rigi Kaltbad wurden heilende Kräfte nachgesagt, wie die Organisatoren 200 Jahre Rigi Kulm mitteilten. Den Pilgertourismus auf Touren brachte die Wallfahrtskapelle “Maria zum Schnee” auf Rigi Klösterli – um 1730 sollen bis zu 25’000 Pilger jährlich die Kapelle aufgesucht haben.

Johann Wolfgang von Goethe liess es sich 1775 nicht nehmen, die Rigi zu erklimmen, die noch bar touristischer Einrichtungen war. Dies änderte sich 40 Jahre später, als am 6. August 1816 auf Rigi Kulm das erste Gasthaus eröffnet wurde, ein Jubiläum, das in den nächsten Wochen mit einer Lichtinszenierung, einer Ausstellung, einem Theater und mit Dampfbahnfahrten gefeiert wird.

Der Bau, der vor 200 Jahren den Grundstein für den modernen Tourismus auf der Rigi legte, war ein bescheidenes Holzhaus mit wenigen Betten. Doch der Appetit derjenigen, die sich das Reisen leisten konnten und sich an der Natur ergötzen wollten, war geweckt: 1819 besuchten bereits 1000 Gäste den Berg, bis Mitte des 19. Jahrhunderts stieg die Zahl auf jährlich 50’000.

Auf der Rigi setzte ein Boom ein. Allein auf Kulm gab es drei Hotels: 1848 wurde der hölzerne Pionierbau durch ein Gebäude aus Stein ersetzt. 1857 folgte das “Regina Montium”, 1875 das Hotel “Schreiber” – beides mondäne Hotels mit 200 respektive 300 Betten. Weitere Hotels gab es etwa auf Rigi Scheidegg oder Kaltbad.

Viele Rigi-Touristen liessen sich in Sänften auf den Berg tragen. Viele kleine Bauern hätten als Träger einen lohnenden Nebenverdienst gehabt, berichtet das Heimatmuseum von Küssnacht am Rigi SZ.

Zu den prominentesten Rigi-Besucherinnen gehörte 1868 die englische Königin Victoria. Sie notierte nach ihrer Visite: “We are amused!”. Ebenfalls auf der Rigi waren der bayerische König Ludwig II oder Mark Twain.

Schon früh wurde die Rigi zum leicht erreichbaren Ziel des Massentourismus. 1871 wurde an der Rigi die erste Bergbahn Europas eröffnet, eine zweite Zahnradbahn folgte vier Jahre später. 1880 transportierten die beiden Bahnen nach Angaben des historischen Lexikons der Schweiz zusammen 140’000 Passagiere.

Der Erste Weltkrieg beendete 1914 den Fremdenverkehr der Belle Epoque und schwächte die Rigi-Hotellerie mit ihren 2000 Gästebetten nachhaltig. Diese habe sich bis heute nicht mehr im vollen Ausmass erholen können, erklärt Heinz Horat, ehemaliger Leiter des historischen Museums Luzern, gegenüber der “Neuen Luzerner Zeitung”.

Die Zeit der mondänen Hotels war vorbei. Nach dem Zweiten Weltkrieg stellte die Rigi auf Ausflügler um. Die Hotelpaläste wurden abgerissen oder brannten nieder. Auf Rigi Kulm wurde Anfang der 50er-Jahre ein neues Hotel gebaut. Heute erschliessen neben den beiden Zahnradbahnen auch Luftseilbahnen den Aussichts- und Wanderberg.

2012 wurde auf Rigi Kaltbad ein warmes Mineralbad eröffnet. Weitere Investitionen in Bahn und Gastronomie sind geplant, zudem wollen die an der Rigi tätigen Touristiker den Berg gemeinsam und damit besser als Destination vermarkten. Sie haben letzte Woche einen entsprechenden Masterplan vorgelegt.

2015 transportierten die Bahnen 850’000 Besucher. Auch die Touristen aus Asien entdecken zunehmend den Berg. Ausländische Gäste sind wichtig, weil sie nicht nur bei gutem Wetter auf die Berge fahren.

(SDA)


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