Jetzt kommen die Wein- und Schnaps-Glacés

Die zwei Mitgründer Mathieu Rittiner (links) und Gaëtan Brigante posieren mit ihren Glacés "mit Schuss".
Die zwei Mitgründer Mathieu Rittiner (links) und Gaëtan Brigante posieren mit ihren Glacés "mit Schuss". © KEYSTONE/JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Ein Glacé mit Geschmacksrichtungen wie Fendant, Syrah oder Schnaps aus Williamsbirnen oder Aprikosen – damit versuchen Walliser, eine Marktnische zu besetzen. Diesen Sommer wollen sie 100’000 davon in Umlauf bringen.

Am Ursprung der Glacés steht ein Marketing-Event, bei dem Pierre Carroz während zwei Wochen in einem Iglu mitten in einem Skigebiet verbrachte. Dort kam er auf die Idee, ein Glacé aus dem typischen Walliser Weisswein Fendant zu kreieren.

“Zuerst haben wir versucht, die Glacés selber herzustellen, zwischen Weinstube und Küche”, erinnert sich Mitgründer Mathieu Rittiner. Zum ersten Mal in den Umlauf gebracht wurden rund tausend Fendant-Glacés während eines Festivals in Siders 2013 und stiessen auf viel Anklang.

Zudem wurden zahlreiche Bilder der alkoholischen Süssigkeiten im Internet verbreitet. Das Produkt war aber noch nicht ausgereift. Die Kopie der Form eines Wasser-Glacés des Typs “Rakete” eignete sich schlecht, weil es rasch schmolz und auf die Finger der Konsumenten tropfte.

Professionelle Hilfe

Ein Jahr nach den ersten Versuchen beschlossen die beiden Walliser deshalb, eine Pause zu machen und holten sich Rat von Fachleuten. Sie begannen eine Zusammenarbeit mit zwei Bachelor-Studenten der Fachhochschule für Agrar, Forst und Lebensmittel im bernischen Zollikofen.

Statt der “Rakete” wurde darauf zum Typ “Calippo”, einem Wasserglacé im Kartonkelch, gewechselt und das Sortiment mit Syrah sowie den Obstbränden Williamine und Abricotine ergänzt. Zudem gibt es zwei Fruchtglacés ohne Alkohol.

Der Karton wurde schwarz konzipiert, darauf sind ein Bergrelief sowie das Walliser Wappen mit den dreizehn Sternen abgebildet. Wo Wallis draufsteht, ist auch Wallis drin: In die einzigartigen Glacés gelangen einzig Produkte aus dem Kanton.

Im Januar 2015 wurde die Aktiengesellschaft “Iscream” gegründet und im selben Jahr 15’000 Glacés verkauft. “In diesem Jahr wollen wir 100’000 in Umlauf bringen”, sagt Mathieu Rittiner. Bis jetzt wurden ungefähr 40’000 Glacés abgesetzt.

Coop bringt jetzt die Glacé

Mit dem Vertrieb machten das Walliser Trio allerdings gemischte Erfahrungen. Zuerst nahm 2015 Manor die Glacés mit Fendant und Syrah in die Regale der Läden im Wallis. Weil nicht viele verkauft wurden, werden sie nicht mehr angeboten, wie Manor-Mediensprecherin Ellen Steinbrecher der Nachrichtenagentur sda sagte.

Dieses Jahr startet der Detailhändler Coop mit den Glacés mit Williamine und Abricotine einen neuen Versuch: “Ab Mitte August bieten wir sie für kurze Zeit in gewissen Filialen im Wallis an”, sagte Coop-Mediensprecherin Nadja Ruch.

Neben den Ladenketten fand Iscream zudem über 40 Verkaufsstellen wie Kioske, Campingplätze, Feinkostläden und Festivals. Vier davon befinden sich in den Kantonen Genf und Waadt, alle anderen im Wallis.

Klare Vorschriften

Für die Alkohol-Glacés gelten strenge gesetzliche Vorschriften. Ihr Alkoholgehalt darf nicht mehr als 6,5 Volumenprozent betragen, was einem Deziliter Wein oder einem halben Bier entspricht. Sie dürfen nur an Konsumenten über 16 Jahre verkauft werden, jene mit Schnaps sind erst ab 18 Jahren erhältlich.

Bei der Suchtprävention sieht man die alkoholische Erfrischung gelassen, auch weil sie nur einen kleinen Kreis von Konsumenten erreicht. Es brauche nicht nur Alkohol um zum Alkoholiker zu werden, das sei viel komplexer, sagte Philippe Vouillamoz von der Präventionsorganisation Sucht Wallis.

Bei der Prävention stehe vor allem die Aufklärung über Risiken im Vordergrund. In diesem Sinne wolle man nicht, dass solche Spassprodukte, die Alkohol beinhalten, banalisiert und wie alle anderen Produkte behandelt würden, sagte Vouillamoz.

Kein Ersatz für Wein

Die Glacés mit Fendant- oder Syrah-Geschmack kommen auch bei Paul Vetter, Journalist und Autor des Blogs “Valais du vin”, gut an. Er schätzt vor allem die Originalität des Produktes.

Für die Weinliebhaber seien sie aber kein Ersatz: “Wer Wein verkosten will, muss davon trinken”, so Vetter. Auch dafür wird es im Wallis für den Rest des Sommers nicht an Gelegenheiten mangeln.

(SDA)


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