WarnApp der SBB soll Sicherheit erhöhen

"HALT" und Warnton: Wenn ein SBB-Lokführer trotz Rotlichts in einem Bahnhof anfährt, so erhält er auf seinen iPad eine Warnung. Mit dem WarnApp will die SBB die Sicherheit erhöhen.
"HALT" und Warnton: Wenn ein SBB-Lokführer trotz Rotlichts in einem Bahnhof anfährt, so erhält er auf seinen iPad eine Warnung. Mit dem WarnApp will die SBB die Sicherheit erhöhen. © KEYSTONE/ANTHONY ANEX
Wenn ein SBB-Lokomotivführer in einem Bahnhof trotz Rotlicht anfahren will, so erscheint auf seinem iPad im Führerstand neu eine akustische und visuelle Warnung. Die SBB will mit der selbst entwickelten WarnApp die Sicherheit bei der Bahnhofausfahrt erhöhen.

Der Lokomotivführer erhalte zusätzliche Unterstützung und die Risiken könnten reduziert werden, sagte Manfred Haller, Leiter Zugführung SBB Personenverkehr, am Mittwoch vor den Medien im Bahnhof Olten. Die WarnApp ist seit August in Betrieb.

Bereits seit zwei Jahren hat ein SBB-Lokführer auf dem iPad im Führerstand sämtliche Fahrdaten des Zuges geladen. Dazu gehören Angaben zu den Geschwindigkeiten, Fahrplanzeiten und Infrastrukturdaten.

Der Zug ist mit einer Nummer in der Betriebszentrale angemeldet. Diese weiss, auf welchem Gleis der Zug im Bahnhof steht – und sie weiss auch, wie das Abfahrtsignal gestellt ist.

Die von den SBB-Informatikern selbst entwickelte WarnApp vergleicht nun diese beiden vorhandenen Angaben. Der Bewegungssensor im iPad erkennt, ob sich dieses bewegt. Die App überprüft beim Anfahren des Zuges im Bahnhof, ob die Fahrt im Zugnummersystem tatsächlich freigegeben ist.

Wenn das nicht der Fall ist, macht die App den Lokführer mit einem Warnton und mit einer grossen “HALT”-Meldung auf die Situation aufmerksam. Der Lokführer soll gemäss SBB im Zweifelsfall nochmals genau hinzuschauen – und handeln.

Das Missachten eines Rotlichts bei der Bahnhofausfahrt führte wiederholt zu Zugunfällen. Im Februar dieses Jahr kam es im Bahnhof Rafz ZH zu einer Streifkollision, weil einer der beiden Lokführer ein Rotlicht überfahren hatte.

Auch die Zugkollision in Granges-Marnand VD im Juli 2013 mit einem toten Lokführer und 26 Verletzten war auf das Missachten eines Haltesignals im Bahnhof zurückzuführen. Die gleiche Ursache war der Grund für das Zugunglück im Januar 2013 in Neuhausen am Rheinfall SH.

Die WarnApp ist gemäss SBB kein Zugssicherungssystem. Sie greift nicht ins Geschehen ein und leitet keine Bremsung der Lokomotive aus. Die WarnApp-System funktioniert einzig im Bahnhof und nicht auf offener Strecke.

Die Entwicklung der App dauerte zwei Jahre und kostete 1,5 Millionen Franken. Andere Bahnen wie die BLS können die App nicht nutzen, weil sie im Lokführerstand keinen iPad verwenden.

Gemäss Haller erfolgt eine Warnmeldung auf die App innerhalb von einer bis zu drei Sekunden. Mit der App wolle die SBB die Sicherheitskultur weiter stärken. Es gehe jedoch nicht darum, die Lokführer zu kontrollieren. Das sei mit dem Sozialpartnern so abgemacht.

(SDA)


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