Warnlampen leuchten nach Länderturnier in Finnland

Nationalcoach Patrick Fscher hat bis zum Olympiaturnier noch viel Arbeit
Nationalcoach Patrick Fscher hat bis zum Olympiaturnier noch viel Arbeit © KEYSTONE/PETER SCHNEIDER
Die Schweizer träumen von einer Olympia- oder WM-Medaille. Aber nach der ersten Testwoche leuchten die Warnlampen.

Captain Andres Ambühl bringt es auf den Punkt: «Wir haben in Helsinki nicht erfüllt!»

Die Schweizer flogen mit drei Niederlagen und einem Torverhältnis von 6:12 in die Schweiz zurück. Das Team von Patrick Fischer belegte in Helsinki den letzten Platz und erwies sich fürs Turnier nicht als Bereicherung. Dennoch hoffen die Schweizer, auch im nächsten Jahr wieder mitspielen zu dürfen. Der Verband bemüht sich um eine neuerliche Einladung. Der Entscheid fällt im Frühling während der WM in Dänemark.

Warum für das Schweizer Nationalteam vermehrt Tests auf diesem Niveau wichtig wären, erklärte der Nationalcoach. Patrick Fischer: «Nach einer WM wissen jeweils alle Spieler, was es braucht, um auf internationalem Niveau mit den Besten mitzuhalten. Ein halbes Jahr später ist diese Erinnerung bereits wieder verblasst. In Helsinki wurden wir wachgerüttelt. Jetzt liegt es an uns, bis im Februar die richtigen Schlüsse zu ziehen.»

Schon vor einem Jahr startete die Schweiz miserabel in eine Saison. Am Deutschland Cup in Augsburg resultierten im November 2016 Niederlagen gegen Kanada, Deutschland und die Slowakei mit 3:10 Toren. Anschliessend gewann die Schweiz bis zur WM in Paris 10 von 13 Länderspielen.

Diesmal beunruhigt der Fehlstart mehr. In Biel und Helsinki spielte die Schweiz mehrheitlich mit jenen Leuten, die im Februar in Pyeongchang bei Olympia glänzen sollen. Mit Goalie Leonardo Genoni, den Verteidigern Eric Blum und Patrick Geering sowie Stürmer Damien Brunner fehlten nur vier Titulare. Die Schweizer verloren diese Woche die Partien gegen Kanada und Russland nach Führungen. Einst galt es als grosse Stärke von Schweizer Equipen, Führungen über die Zeit zu bringen. Gegen Russland verlor die Schweiz am Samstag (nach einer 2:1-Führung bis zur 47. Minute) erstmals seit fast elf Jahren ein Drittel mit 0:5. Höher hat noch nie eine Schweizer Nationalmannschaft einen Spielabschnitt verloren!

«Wir sind riesig enttäuscht», bilanzierte Fischer. «Wenn wir grosse Nationen schlagen wollen, muss die Leistung über 60 Minuten stimmen. Gegen Kanada spielten wir nur 30 Minuten lang gut, gegen Tschechien 25 Minuten lang und gegen Russland 40 Minuten lang.»

Fischer ist auf jeden Fall nicht zu beneiden. Noch nie stand einem Schweizer Nationalcoach eine derart mickrige Olympia-Vorbereitung zur Verfügung. Der Dezembertermin wurde von der Liga gestrichen. Die vielen Sportchefs von National-League-Klubs, die diese Woche in Helsinki weilten, interessierten sich nicht primär für die Nationalmannschaft, sondern lobbyierten vor Ort, um im Dezember, wenn bei uns durchgespielt wird, möglichst wenige Ausländer an Nationalmannschaften abstellen zu müssen.

Als letztes Planschbecken dient Fischer nach Weihnachten der Spengler Cup. Klubteams aus Riga, Hämeenlinna und Hradec Kralove sind vor den Winterspielen gewiss nicht der ideale Gradmesser für die Schweizer Nationalmannschaft. Ausserdem muss Fischer auch in Davos auf die Bedürfnisse der Klubs Rücksicht nehmen. Andres Ambühl, diese Woche der Schweizer Captain und zweifellos eine der zentralen Figuren in der Schweizer Mannschaft, spielt am Spengler Cup für den HC Davos.

Fischer macht gute Miene zum bösen Spiel. «Ich mag die Vorbereitung so, wie sie ist», sagt er. Er habe sein Olympia-Team im Kopf, sagt er. Fischer orientiert sich primär an der Mannschaft, die im Frühling an der WM in Paris gut spielte und die Viertelfinals erreichte. Dass Verteidiger Joel Genazzi, an der letzten WM der Schweizer Plus-/Minus-Leader (mit +7), diesmal am Karjala Cup durchgefallen ist (-5 Bilanz), dürfte ihn noch nicht das Olympia-Ticket gekostet haben.

Nach dem Spengler Cup wird Fischer die Olympia-Tickets verteilen. Mitte Januar muss er ein erweitertes Kader sowohl Swiss Olympic wie den Organisatoren in Südkorea melden. Die unmittelbare Vorbereitung beginnt für die Schweizer im Februar erst vier Tage vor der Eröffnungsfeier und neun Tage vor dem ersten Olympiaspiel in Pyeongchang – zwei Wochen später als bei den Russen und Kanadiern. Nach Südkorea wird Fischer 25 Akteure mitnehmen – so viele, wie er fürs Olympiaturnier auch melden darf. Fischer: «Wenn wir Spieler wegen Verletzungen auswechseln müssen, dann fliegen wir neue Leute ein. Es ist für den Teamgeist nicht gut, wenn Leute weiter um ihren Platz bangen oder getrennt von der Olympia-Mannschaft wohnen müssen.»

(SDA)


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