Warum die Schweiz am Eurosong teilnimmt

Von Gerry Reinhardt
Gunvor - die Nullnummer für die Schweiz 1998
Gunvor - die Nullnummer für die Schweiz 1998 © (KEYSTONE/AP Photo/ David Jones)
Jedes Jahr die gleiche Leier: Die Schweiz kann am Eurovision Song Contest nicht punkten. Entweder fallen die Künstler schon im Halbfinale raus oder es gibt im Finale null Punkte. Warum aber machen wir da überhaupt noch mit? Es gibt gute Gründe. 

Wenn man einmal einen elektrischen Kuhdraht anfasst, dann zwickt es und man tut es nicht mehr. Das Schweizer Fernsehen macht dies aber jedes Jahr regelmässig. Ihr Kuhdraht heisst Eurovision Song Contest. Trotz Misserfolgen schickt das SRF jedes Jahr einen chancenlosen Kandidaten in die weite Welt hinaus und tut so, als würde man alles tun, um hier zu gewinnen. Dabei geht es um etwas ganz anderes.

Der Songcontest als sicherer Quotenbringer

Die einzige Währung die man im Fernsehen kennt, sind die Quoten. Und die stimmen beim Eurovision Song Contest. Mit einem relativ bescheidenen Beitrag von 184’000 Franken bekommt das SRF drei hochwertige Live-Shows geliefert, darunter eine Samstagabendshow die sie nur 61’000 Franken kostet. Im Vergleich: Eine reguläre, selbstproduzierte Samstagabendshow wie etwa “Happy Day” würde über 500’000 Franken verschlingen. Und die Rechnung geht auf. Für diesen bescheidenden Beitrag schauen im Schnitt gut 450’000 Zuschauer zu. Der Marktanteil liegt regelmässig bei über 30 Prozent.

Kommt dazu, dass diese Koproduktion dem SRF viel Inhalt rund um die Veranstaltung liefert. So können die Kandidaten durch Radio SRF und verschiedene Unterhaltungssendungen durchgeschleust werden. Während einem halben Jahr gibt es gratis Content auf allen Kanälen. Danach werden die Künstler fallen gelassen wie eine heisse Kartoffel. Das muss den Musikern, die dieses Risiko eingehen, bewusst sein.

SRF scheint kein Interesse zu haben, den ESC zu gewinnen

Die Vorauswahl der Künstler für den jeweiligen Eurovision Song Contest gleicht regelmässig einem Horrorkabinett. Meist talentlose Künstler bewerben sich. Die, die einigermassen ein Instrument, respektive einen Ansatz von Stimme haben, dürfen in die Entscheidungsshow. Denen wird ein seltsames Outfit verpasst und eine abstruse Choreographie beigebracht. Es scheint so, dass das SRF zwar die Sendungen auf ihrem Kanal zeigen will, aber gewinnen auf keinen Fall. Weil: Würde die Schweiz den Eurovision Song Contest gewinnen, kämen horrende Kosten auf das Schweizer Fernsehen zu. Als Beispiel: Letztes Jahr musste der ORF für die Austragung in Wien 25 Millionen Euro aufbringen. Eine Summe, die sich das SRF niemals leisten könnte oder wollte.

Mitmachen muss man dort aber trotzdem, weil man sonst die Übertragung nicht ausstrahlen dürfte. Das SRF fasst also regelmässig den Kuhdraht an, weiss aber, dass der niemals unter Strom steht. Nur wissen das die anderen nicht.

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