«We want sex» und Prinzessin Kate

Von René Rödiger
Prinz William und Prinzessin Kate bei den Baftas.
Prinz William und Prinzessin Kate bei den Baftas. © Chris Jackson - WPA Pool/Chris Jackson/Getty Images
Bei den Baftas, dem wichtigsten Filmpreis nebst dem Oscar, kamen die Frauen in Schwarz. Kate Middleton entschied sich dagegen. Einen kleinen Protest zeigte sie trotzdem.

Am Sonntag wurden in London die Bafta-Awards (British Academy of Film and Television Arts) verliehen. Sie gelten als die wichtigsten Filmpreise ausserhalb der USA. Wie bereits bei den Golden Globes und den SAG Awards kamen die Frauen in schwarzen Kleidern und die Männer trugen «Time’s Up»-Anstecker.

Herzogin Kate verzichtete auf diesen Dresscode. Sie trug ein jägergrünes Kleid der britischen Designerin Jenny Packham. Wieso Kate trotzdem ein politisches Statement abgab und was uns der Award-Abend in Hinblick auf die Oscars verrät, haben wir dir in 11 Punkten zusammengefasst.

1. Das grüne Kleid der Herzogin

Schwarz ist die Farbe dieser Awards-Saison. Die Frauen unterstützen so die «Time’s Up»-Bewegung, die auf sexuelle Belästigung und Ausbeutung aufmerksam macht. Mit den Baftas kam die Bewegung jetzt auch definitiv in Europa an. Alle Gäste wurden im Namen «einer Gruppe britischer weiblicher Film- und Fernsehen-Leaderinnen» in einem Brief aufgefordert, ganz in Schwarz zu kommen.

Kate Middleton kam in einem dunkelgrünen Kleid. Wusste sie nichts vom Protest? Eher unwahrscheinlich. Aber als Mitglied der königlichen Familie ist jedes Statement von ihr auch ein Positionsbezug des Kensington Palasts. Die Royals wollen solche politische Statements möglichst vermeiden. Für Kate also eine «lose-lose»-Situation, sie wird kritisiert, ob sie sich der «Time’s Up»-Bewegung anschliesst oder nicht.

Kate Middleton hat eine gute Kleiderwahl getroffen. (Chris Jackson – WPA Pool/Chris Jackson/Getty Images)

Nur: Die hochschwangere Kate trägt zum Kleid ein schwarzes Band um den Bauch. Wenn die künftige Königin von England etwas trägt, ist das kein Zufall, da ist alles völlig durchdacht. Vanity Fair lobt die Kleiderwahl: «Die hat sich gegenüber den Frauen in den schwarzen Kleidern nicht in den Vordergrund gedrängt, beachtete das royale Protokoll und konnte trotzdem ein Statement abgeben.»

2. «Three Billboards» in der Pole-Position

«Three Billboards Outside Ebbing, Missouri» gewann in den Kategorien «Bester Film», «Beste Schauspielerin» (Frances McDormand), «Bester Nebendarsteller» (Sam Rockwell) und «Bestes Drehbuch» (Martin McDonagh). Bester Regisseur wurde Guillermo del Toro («The Shape of Water»), bester Schauspieler ist Gary Oldman («Darkest Hour») und beste Nebendarstellerin Allison Janney («I, Tonya»).

Was heisst das nun für die Oscar-Verleihung, die in zwei Wochen stattfindet? Bei den Baftas und den Oscars wählen je rund 7000 Personen ihre Favoriten. Ungefähr 500 Leute sind bei beiden Preisverleihungen wahlberechtigt. Das lässt zumindest Raum für Spekulationen. Immerhin dürfen die Academy-Mitglieder noch bis am 27. Februar ihre Stimme abgeben, vielleicht lassen sie sich von den Baftas beeinflussen.

3. Für die Oscars ist noch alles offen

Ja, wir haben gerade erst in Punkt 2 geschrieben, dass «Three Billboards» Favorit bei den Oscars ist. Erst seit 2001 finden die Baftas vor den Oscars statt. Nur sieben Mal gewann der beste Film bei den Baftas auch den Oscar. Zuletzt war das «12 Years a Slave» vor vier Jahren.

4. Schlechte Karten für «Darkest Hour» und «Dunkirk»

Wenn «Darkest Hour» und «Dunkirk», immerhin britische Produktionen, schon bei den Baftas gegen den sehr us-amerikanischen Film «Three Billboards» verlieren, haben sie wohl auch bei den Oscars keine Chance.

5. Alles klar bei den Schauspielerinnen und Schauspieler

Frances McDormand («Three Billboards»), Gary Oldman («Darkest Hour», Allison Janney («I, Tonya») und Sam Rockwell («Three Billboards») dürfen schon mal ihre Oscar-Rede üben. In dieser Award-Saison haben sie schon alles abgeräumt: Critics’ Choice, Golden Globe und SAG. Auf diese Schauspieler auch bei den Oscars zu wetten, ist also nicht wirklich mutig.

Sam Rockwell und Frances McDormand (Jeff Spicer/Getty Images)

6. Holt sich Roger Deakins endlich einen Oscar?

Roger Deakins («Blade Runner 2049») hat sich gegen Hoyte van Hoytema («Dunkirk»), Dan Laustsen («The Shape of Water») oder auch Ben Davis («Three Billboards») als bester Kameramann durchgesetzt. Bereits vorher wurde er für seine Arbeit von der American Society of Cinematographers (ASC) ausgezeichnet. Hat Deakins jetzt einen Lauf und holt sich auch noch den Oscar?

giphy

Zu wünschen wäre es ihm. Schon 14 Mal war er für ein Goldmännchen nominiert, unter anderem für «Skyfall», «True Grit», «No Country for Old Men», «O Brother, Where Art Thou?» und «The Shawshank Redemption». Gewonnen hat er den Oscar noch nie. Vor 16 Jahren holte sich Deakins schon einmal den Bafta- und den ASC-Award für «The Man Who Wasn’t There», bei den Oscars ging er damals trotzdem leer aus.

7. Der Moderatoren-Wechsel ist gelungen

Nach zwölf Mal Stephen Fry kam 2018 erstmals Joanna Lumley als Moderatorin zum Zug. Lumley, ein ehemaliges Bondgirl («On Her Majesty’s Secret Service») und bekannt aus der BBC-Serie «Absolutely Fabulous», machte dies souverän. Sie verzichtete grösstenteils auf Witze – es funktionierte trotzdem. Dass irgendwelche komischen Cirque-Du-Soleil-Elemente eingebaut wurden, kann man ihr nicht vorwerfen, auch wenn sie sich dabei sichtlich unwohl fühlte.

8. Zeitversetzt funktioniert heute nicht mehr

Die BBC hat irgendwie noch nicht gemerkt, dass es auch das Internet gibt. Anders lässt es sich nicht erklären, dass man eine Award-Show zeitversetzt im Fernsehen zeigt. Jegliche Überraschung verfliegt, wenn man schon dank Twitter und Co. weiss, wer gewinnen wird. Allerdings hat es die BBC auch nicht einfach. Die Einschaltquoten sind eher überschaubar, da opfert man nicht die beste Sendezeit am Sonntag. Verschiebt man hingegen die Show auf den Ausstrahlungstermin von 21 Uhr, werden die Zeitungen am nächsten Tag nicht gross darüber berichten können.

9. «We want sex»

Dieses Jahr gehört es zum guten Ton, wenn man als Begleitung Aktivistinnen und Aktivisten mitbringt. Gemma Arterton hatte die speziellsten Gäste: Gwen Davis und Eileen Pullen. Die beiden Frauen gehörten zu den Demonstrantinnen, die 1968 in einer Ford-Fabrik für gerechten Lohn protestierten.

Gemma Arterton mit Eileen Pullen und Gwen Davis (Jeff Spicer/Jeff Spicer/Getty Images)

Der sogenannte Dagenham-Protest führte in Grossbritannien 1970 zum «Equal Pay Act». Weltweit Berühmtheit erlangten die «Dagenham-Girls» durch eine Panne: Als sie beim Protest ein Transparent mit der Forderung «We want sex equality!» («Wir wollen Geschlechtergleichheit!») nicht ganz ausrollten, war nur «We want sex» zu sehen.

10. «Britische» Filme

Bei den Baftas hat man manchmal ein bisschen eine komische Sichtweise auf die Welt. So galt zum Beispiel «Three Billboards» als britischer Film – er gewann sogar in dieser Kategorie. Ok, der Regisseur und Drehbuchautor Martin McDonagh kommt ursprünglich aus London. Trotzdem: Einen viel amerikanischeren Film als «Three Billboards» gab es dieses Jahr kaum. Das wäre, als wenn man Roland-Emmerich-Filme («Independence Day», «Godzilla» oder «The Day After Tomorrow») plötzlich als deutsche Filme bezeichnete, nur weil er Deutscher ist.

Diese Macke, Filme «einzubriten» hat man bei den Baftas übrigens schon länger. Bereits «Gravity» galt als britischer Film.

11. Von Daniel Kaluuya wird man noch hören

«Get Out» hätte einen Preis verdient. Immerhin ging der «Rising Star»-Award, der vom Publikum vergeben wird, an Daniel Kaluuya, der in «Get Out» den Fotografen Chris spielt. Wir wagen jetzt schon mal eine kleine Prognose: Es war nicht der letzte Preis für Daniel Kaluuya.

Daniel Kaluuya (Jeff Spicer/Getty Images)


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