Wechsel an Spitze der Sinn-Fein-Partei in Irland

Der abtretende Präsident der katholischen Sinn-Fein-Partei in Irland, Gerry Adams (links), und seine Nachfolgerin Mary Lou McDonald.
Der abtretende Präsident der katholischen Sinn-Fein-Partei in Irland, Gerry Adams (links), und seine Nachfolgerin Mary Lou McDonald. © Keystone/EPA PA/Paul Faith
Der Chef der katholischen Sinn-Fein-Partei in Irland, Gerry Adams, wird nach knapp 35 Jahren von seiner Stellvertreterin Mary Lou McDonald abgelöst. Sie wurde am Samstag als einzige Kandidatin für seine Nachfolge bestätigt. Ihre Wahl im Februar gilt als sicher.

Die 48-jährige McDonald rief ihre zahlreichen Unterstützer in der Partei dazu auf, ein «neues Irland» zu schaffen. Der Wechsel kommt zwar in politisch unruhigen Zeiten, doch deuten viele Beobachter ihn auch als Chance für die Partei.

Adams tritt auf eigenen Wunsch vom Parteivorsitz zurück. Schon bei einem Parteitag im November hatte er erklärt, nicht mehr für eine weitere Amtszeit kandidieren zu wollen. «Führung bedeutet, den Zeitpunkt für einen Wechsel zu erkennen», sagte der 69-Jährige damals. Sinn Fein tritt in beiden Teilen der Insel an: sowohl im britischen Nordirland als auch in der Republik Irland.

Die Lage auf der Insel ist angespannt. Das Zerbrechen der überkonfessionellen Koalitionsregierung in Nordirland vor einem Jahr und der EU-Austritt Grossbritanniens stellen den Friedensprozess in Frage. Viele Menschen in der Ex-Bürgerkriegsregion fürchten nach dem Brexit Grenzkontrollen an der neuen EU-Aussengrenze zwischen Nordirland und der Republik Irland sowie wirtschaftliche Einbussen.

Adams ist einer der Architekten des Karfreitagsabkommens von 1998, das den Nordirlandkonflikt weitgehend beendete. Er ist das markante Gesicht der nordirischen Katholiken, die eine Loslösung von Grossbritannien und eine Vereinigung mit Irland anstreben.

Ihm wird aber auch eine Führungsrolle in der Untergrundorganisation IRA nachgesagt, die für etwa 1700 Opfer im Nordirland-Konflikt verantwortlich gemacht wird. Er bestreitet das. Jüngere Politiker hoffen, mit dem Abgang der alten Garde die blutige Vergangenheit hinter sich lassen zu können und setzen auf einen Neuanfang.

(SDA)


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