Wegen «Krankheitswelle»: TUIFly liegt lahm

Von Laurien Gschwend
Eine Boeing 737-800 der Airline TUIFly. Diese bleibt am Freitag am Boden.
Eine Boeing 737-800 der Airline TUIFly. Diese bleibt am Freitag am Boden. © EPA/Hapag-Lloyd Express
Mitten in den Herbstferien streicht TUIFly heute Freitag insgesamt 108 Flüge – angeblich wegen einer Krankheitswelle bei der Besatzung. Auch Schweizer Gäste sind betroffen. Wir haben nachgefragt, was die Streichung für sie bedeutet. 

Weil fast die gesamte Belegschaft «krank» ist, liegt TUIFly heute Freitag lahm. 9700 Personen, die aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in die Herbstferien fliegen wollten, werden enttäuscht. «Wir können noch nicht abschätzen, wie es weitergeht», sagt Bianca Schmidt, Mediensprecherin bei TUI Schweiz, gegenüber FM1Today. Die Kabinenbesatzung habe sich sehr kurzfristig krank gemeldet – wenige Minuten vor dem Flug. «Der Krisenstab in Deutschland sitzt momentan zusammen und arbeitet daran, dass morgen Samstag wieder alles reibungslos läuft.»

Drei Flieger aus der Schweiz betroffen

Auch 100 bis 200 Schweizer Touristen trifft die angebliche Krankheitswelle bei der TUIFly-Besatzung. «Es sind drei Flieger aus der Schweiz betroffen», sagt Bianca Schmidt. TUIFly operiere in der Schweiz ab Basel. Wer heute Freitag mit der Airline nach Kreta, Mallorca oder Gran Canaria fliegen wollte, hat Pech. Auch Flüge der Gesellschaft Air Berlin sind in Deutschland gestrichen. «In der Schweiz ist dies nicht der Fall», beruhigt Schmidt.

TUI sucht Alternativangebote für Kunden

Am Donnerstagabend habe man alle Gäste aktiv darüber informiert, dass ihre Flüge ausfallen. «Wir bieten allen Kunden ein Alternativangebot an, dass sie doch noch in die Herbstferien können», so die Sprecherin von TUI Schweiz. Werde man im Herbst nicht fündig, könne man auch zu einem späteren Zeitpunkt verreisen. Entscheide man sich komplett gegen eine Reise mit TUIFly, bekomme man das ganze Geld retour. «Die meisten wollen allerdings doch noch in die Ferien», weiss Bianca Schmidt.

Aber gibt es auch Schadenersatz für betroffene Feriengäste? «Derzeit klären wir mit einem Ombudsmann, wie wir damit umgehen, wenn Kunden nicht in die Ferien fliegen können», so Schmidt. Habe man geplant, heute Freitag mit TUIFly in die Ferien zu fliegen, solle man sich mit der Buchungsstelle in Verbindung setzen.

Reiseversicherung übernimmt bei Streik

Hat man eine Reiseversicherung abgeschlossen, so übernimmt diese die sogenannten Subsidiärkosten. «Das sind diejenigen Kosten, die vom Reiseveranstalter nicht übernommen werden», sagt Jürg Thalmann, Mediensprecher der Mobiliar. Der Schutz gelte sowohl für Personen, die noch daheim sind und nicht in die Ferien können, als auch für «Gestrandete».

Müsse man unerwartet irgendwo übernachten, sich verpflegen oder einen weiteren Transportweg organisieren, so könne man den entstandenen Schaden bei der Versicherung einfordern. «Die Versicherung greift im Fall eines Streiks», so Thalmann, wovon verschiedene Medien im TUIFly-Fall ausgehen. Eine Reiseversicherung bei der Mobiliar kostet für Familien im Jahr 190 Franken, für einzelne Erwachsene 120 Franken.

Leute heimbringen erste Priorität

Weil die Zahl der Besatzungsmitglieder derart gemindert wurde, habe man sich entschieden, diejenigen Personen aus den Ferien heimzuholen, die wieder nach Hause müssen – statt noch mehr Feriengäste ins Ausland zu befördern. «Der TUI-Konzern hat auch andere Airlines eingesetzt, um möglichst alle Feriengäste zurückbringen zu können», sagt Bianca Schmidt.

Sind wirklich alle krank?

Dass fast die gesamte Crew wegen einer Grippe im Bett liegt, scheint unwahrscheinlich. Die Unternehmensseite spricht weiterhin von Krankheitsfällen. «Welt.de» vermutet hinter der Krankheitswelle eine Protestaktion der Besatzung. Sie habe Angst, den Job zu verlieren, wenn sich der TUI-Konzern mit der wirtschaftlich angeschlagenen Air Berlin sowie deren Grosskonzern Etihad aus den Arabischen Emiraten zusammenschliesse.


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