Bier statt Glühwein

Blick auf den Weihnachtsmarkt auf dem Zürcher Sechseläutenplatz.
Blick auf den Weihnachtsmarkt auf dem Zürcher Sechseläutenplatz. © /KEYSTONE/VALERIANO DI DOMENICO
Die warmen Temperaturen haben auch die Organisatoren der Weihnachtsmärkte zu spüren bekommen. Glühwein und Wollmützen waren dieses Jahr weniger gefragt als sonst, die klassische Weihnachtsstimmung blieb aus. Das trockene Wetter kam den Märkten aber zugute.

Der Christkindlimarkt am Zürcher Hauptbahnhof war sehr gut frequentiert, die Leute kauften jedoch etwas weniger als in anderen Jahren. “Bei diesen frühlingshaften Temperaturen bleibt der Kaufrausch aus”, sagte Stephan Dübi, Sprecher vom Christkindlimarkt, auf Anfrage.

Vor allem die Winterkleider liefen wegen der warmen Temperaturen schlechter. Die wenigsten wollten derzeit eine Wollmütze kaufen oder einen Alpaka-Pullover. “Die Textilhändler müssen dieses Jahr leiden.”

Keine Lust auf Glühwein

Das sei bei allen Zürcher Weihnachtsmärkten in etwa dasselbe – ausser vielleicht auf dem Sechseläutenplatz, wo der Akzent auf dem Essensangebot liege. Und noch etwas lief weniger gut: “Bei 15 Grad will niemand Glühwein trinken”, so Dübi.

“Ohne Schnee fehlt halt die Weihnachtsstimmung”, sagte Olivier Jaggy von der Berner Markt Kommission. Auf dem Berner Waisenhausplatz habe es “etwas weniger Besucher als im Vorjahr”, aber die Stimmung sei trotzdem “auf alle Fälle gut”. Das trockene Wetter sei ein Vorteil. Weil es so warm sei, würden die Leute einfach etwas weniger Glühwein trinken, und dafür mehr kalte Getränke wie Bier.

Positiv für die Anprobe

“Die Händler sind zufrieden”, sagte Jaggy weiter. Die Leute kauften durchaus Weihnachtsgeschenke; statt eines Wollschals halt vielleicht eher ein Schmuckstück. Denn dank der warmen Temperaturen sei das Anprobieren von Ringen und Ketten viel angenehmer, das schlage sich positiv auf die Verkaufszahlen nieder.

Über das trockene Wetter freuten sich auch die Organisatoren des Weihnachtsmarkts auf dem Franziskanerplatz in Luzern. “Die Temperaturen waren ideal, die Leute blieben länger und nahmen sich mehr Zeit”, sagte OK-Präsident Aerny Bucher auf Anfrage. Klar sei die Stimmung ohne Schnee und Kälte nicht besonders weihnächtlich. “Aber Schnee ist nicht das, was die Leute an einen Weihnachtsmarkt zieht.”

Positive Bilanz

Die Bilanz fällt entsprechend positiv aus. “Wir führen den Markt seit 10 Jahren durch, und das war der bisher beste Markt”, so Bucher. Es seien mehr Besucher gekommen, die mehr kauften, tranken und assen. Die Händler zeigten sich zufrieden.

Glücklich sind auch die Organisatoren des Weihnachtsmarkts vor dem Opernhaus in Zürich. “Wir sind sehr zufrieden”, sagte die Mitorganisatorin Katja Weber auf Anfrage. Sie könnten zwar nicht vergleichen, da das “Wienachtsdorf” auf dem Sechseläutenplatz dieses Jahr zum ersten Mal durchgeführt werde, aber die Erwartungen seien übertroffen worden.

Genaue Zahlen hat sie keine. “Da es ein öffentlicher Platz ist ohne Ein- und Ausgang können wir die Besucherzahlen nicht messen”. Sie schätzt die Zahl der Besucher auf rund 10’000 pro Tag. Auch die über 100 Händler, die meisten von ihnen Designer, seien “happy”. Sie bekomme gute Rückmeldung von ihnen, der Verkauf laufe sehr gut.

Besonders nach Geschäftsschluss sei viel los gewesen. Das schöne Wetter sei für einen Markt unter freiem Himmel natürlich ein Vorteil. Denn so profitierten die Besucherinnen und Besucher umso mehr vom Gesamtspektakel mit Opernkulisse, Schlittschuhbahn und Kindertheater.

(SDA)


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