Wenn der Duden Scrabble pimpt

Regula Schilling gewann schon internationale Scrabble-Turniere.
Regula Schilling gewann schon internationale Scrabble-Turniere. © Tagblatt/Olivia Hug
Jeder der Scrabble spielt, war bestimmt schon mal ein Wort-Erfinder. «Siiiicher, da Wort git’s denk!» heisst es dann, wenn auf dem Brett «Hundnase» steht. Umso schöner, wenn plötzlich Wörter wie «Arschrunzeln» offiziell gültig sind. Der neue Duden macht’s möglich.

Diese Woche ist die 27. Auflage des deutschen Duden erschienen. Insgesamt 5000 neue Wörter wurden darin aufgenommen, unter anderem Ausdrücke wie «Fake News, Emoji, Selfie oder Späti». Während die einen den Kopf schütteln, reiben sich die Scrabble-Spieler die Hände. Dazu gehört auch Regula Schilling aus Dicken im Toggenburg. Die pensionierte Psychologin spielt Scrabble aus Leidenschaft im «Verein Scrabble Deutschland» und nimmt an Turnieren teil.

Regula Schilling ist Scrabble-Spielerin aus Leidenschaft.

Regula Schilling gehört zu den besten Scrabble-Spielerinnen der Schweiz (Bild: zVg)

Regula Schilling, die 5000 neuen Wörter im Duden sind nun offiziell im Spiel erlaubt. Müssen Sie jetzt alle lernen?

Für uns sind es natürlich nicht 5000 neue Wörter. Ungültig sind zum Beispiel geographische Ausdrücke, Abkürzungen oder Eigennamen. So reduziert sich das Ganze. Trotzdem sind es einige Wörter, die man neu im Kopf haben muss.

Wie gehen Sie da vor?

Ich sitze nicht hin wie in der Schule und lerne die Wörter auswendig. Ich lerne lieber beim Spielen. Am besten geht das, wenn ein gelegtes Wort angezweifelt wird und man es wieder abräumen muss, dann bleibt es im Kopf. Wir Scrabble-Spieler müssen aber nicht nur neue Wörter lernen, sondern Wörter verlernen, die nicht mehr gültig sind. Rund 30 Wörter werden aus dem Duden gestrichen.

Können Sie denn die neuen Wörter schon?

Nein, bevor man sie lernen kann, wartet noch viel Arbeit. Der Duden hat keine Liste mit den 5000 neuen Wörtern herausgegeben. Das heisst, wir müssen jetzt den alten und den neuen Duden vergleichen und jede Änderung herauspflücken. Das ist eine riesen «Büez».

Kennen Sie schon ein neues Wort im Duden, das Sie besonders spannend finden?

Ja, das Wort «Icke» (berlinerisches Wort für «ich», Anm. d. Red.). Daraus kann man mit nur einem weiteren Buchstaben viele neue Wörter basteln, wie zum Beispiel «Wicke» oder «Ricke».

Sie selbst hatten auch schon viele Erfolge bei den Scrabble-Turnieren. Was fasziniert Sie denn an dem Spiel und warum sind sie so gut?

Ich denke, das Wichtigste ist die Freude an der Sprache und an den Wortspielen. Ich habe sehr viel gelesen und so meinen Wortschatz aufgebaut. Es fasziniert mich, dass kein Spiel gleich ist wie das andere. Mit jedem neuen Buchstaben kommt eine neue Herausforderung, die wieder gelöst werden muss. Scrabble verlangt Strategie, Wortschatz, Grammatikkenntnis und sogar ein bisschen Rechnen. Alles in allem ist es ein wunderbares Gehirntraining.

Vermutlich sind die speziellen Wörter besonders beliebt. Lernen Sie diese extra?

Ein Wort, das sehr viele Punkte gibt ist «Myxödem», ein Begriff aus der Medizin. Es ist ein Wort, das man nur mit viel Glück legen kann, bei mir hat das noch nie geklappt. Ich finde deshalb, es lohnt sich gar nicht solche aussergewöhnlichen Wörter zu lernen. Es lohnt sich aber, die Grammatik zu kennen. Mein bestes Wort bisher hat 166 Punkte gegeben und hiess «schölten» vom Verb «schelten».

(kov)


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