Wenn plötzlich 78 Pistenkilometer verschwinden

Wenn plötzlich 78 Pistenkilometer verschwinden
© Screenshot Google Maps
Wenn ein Kartograf in die Skigebiete reist und nachmisst, kann es gut sein, dass aus 120 Pistenkilometern plötzlich nur noch 42 Pistenkilometer werden. So passiert im Skigebiet Corvatsch im Bündnerland. Das Skigebiet führt die Liste der “Bschisser” an.

Corvatsch-Furtschellas verspricht seinen Gästen nicht nur perfekte Schneeverhältnisse sondern auch 120 Pistenkilometer. Nur leider stimmt das nicht ganz. Wie der deutsche Kartograf Christoph Schrahe herausgefunden hat, hat das Skigebiet um 78 Pistenkilometer beschissen. Das Skigebiet schafft es somit auf Platz 1 von Schrahens weltweiter Schummelrangliste.

Die Südostschweiz hat beim Skigebiet südlich von St. Moritz nachgefragt, wie diese unterschiedlichen Zahlen zu erklären sind. Diese machen zwei unterschiedliche Messmethoden verantwortlich. Die Messmethode, welche Schrahe benutze, berücksichtige weder die Höhendifferenz noch die Breite der Piste. Dies seien jedoch zwei wesentliche Faktoren, um die Grösse eines Skigebietes anzugeben, sagt Franco Furger von der Corvatsch AG.

Schrahe messe die Piste, in dem er mit einem GPS-Gerät die Piste herunter fährt. Dieses Gerät messe aber nur alle fünf Sekunden. Daher würden die Schwünge geglättet. Ausserdem sei die Breite nicht einberechnet.

Breite wird zur Länge

Genau in Punkto Breite kritisiert Schrahe das Messsystem der Schweiz. Hier werde die Breite zur Länge gemessen. Bei Pisten mit 30 Metern von links nach rechts, beispielsweise, werde die Kilometerzahl verdoppelt. Ist die Piste 60 Meter breit, sogar verdreifacht. Rund 30 Prozent der untersuchten Skigebiete messen die Pisten laut Schrahe so. “Es gibt keine Vorschriften, nach denen sich die Skigebiete richten müssen”, schreibt Schrahe in einem Artikel.

Schrahe möchte Geld verdienen

In Corvatsch ist man sich des Messsystems von Schrahe bewusst, setzt aber weiterhin auf ihr eigenes Messsystem: “Wir haben die Pisten vergangenen Winter mit der Methode ‘schräge Fahrt’ gemessen und kamen auf run 56 Kilometer”, da die Verantwortlichen mit jedem Kilometer den es hinab geht auch, einen Kilometer zur Seite rechnen, kamen sie auf 112 Pistenkilometer. Nehme man Snowparks ect. hinzu, käme man auf die 120 Kilometer.

Furger meint abschliessend, dass nicht nur die Skigebiete zu ihren Vorteil rechnen, sondern auch Herr Schrahe, welcher mit zertifizierten Pistenlängen Geld verdienen will.

(red)

 

 


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