Wer wird Blatter-Nachfolger?

Gianni Infantino (links) mit Tokyo Sexwale.
Gianni Infantino (links) mit Tokyo Sexwale. © Keystone/Valeriano Di Domenico
Am Freitag wählen die Mitgliedsverbände in Zürich den Nachfolger von Sepp Blatter zum neuen Fifa-Präsidenten. Wer hat die besten Chancen? Und was wird sich bei der Fifa ändern?

Auf diesen Freitag hat der Fifa-Interimspräsident Issa Hayatou zum ausserordentlichen Kongress in Zürich geladen. Die Tagesordnung ist kurz, gerade einmal zwölf Punkte gibt es. Die wichtigste Entscheidung ist Punkt elf: Die Mitglieder sollen einen Nachfolger für den suspendierten Fifa-Präsidenten Sepp Blatter bestimmen.

Diese fünf Kandidaten (Frauen sucht man vergebens) stellen sich zur Wahl:
– Gianni Infantino, Generalsekretär der Uefa
– Prinz Ali Al Hussein, Präsident des jordanischen Fussballverbandes
– Jérôme Champagne, ehemaliges Fifa-Exekutivmitglied
– Scheich Salman Bin Ibrahim Al Khalifa, Präsident des asiatischen Verbandes (AFC)
– Tokyo Sexwale, Unternehmer und Fifa-Mitglied

Wirklich Chancen haben nur Infantino und Salman. Prinz Ali wird am ehesten zugetraut, die Fifa zu reformieren, nur schon deshalb wird er kaum gewählt werden. Da er trotzdem einige Stimmen bekommen wird, dürfte ihm eine wichtige Rolle zuteil kommen: Zieht er sich nach dem ersten Wahlgang zurück und empfiehlt einen der verbleibenden Kandidaten, wird der Prinz zum Königsmacher.

Den besten Namen der Kandidaten hat selbstverständlich Tokyo Sexwale. Allerdings nützt ihm das wenig. Nicht mal seine Heimatregion, die Confederation of African Football, will den Südafrikaner unterstützen. Umso erstaunlicher ist, dass sich Sexwale nicht bereits selbst aus dem Rennen genommen hat.

Übervater Blatter

Der abtretende Präsident Sepp Blatter spielt trotz seiner Suspendierung noch immer eine wichtige Rolle. Immerhin haben ihn, laut seinen eigenen Aussagen, vier der fünf Kandidaten um öffentliche Unterstützung gebeten. Auch wenn er den Namen des fünften Bittstellers nicht genannt hat, ist es ein offenes Geheimnis, dass es sich um Ali handelt. Ali strebt in den Augen Blatters und vieler Fifa-Mitglieder zu rasche Reformen an. Zudem ist er 2015 bei der letzten Wahl zum Fifa-Präsidenten Blatter unterlegen.

Die meisten Mitglieder sehen in Blatter noch immer den Übervater und Heilsbringer des Fussballs. So bezeichnete beim Kongress der Nord- und Mittelamerika-Verbände Osiris Guzman, Präsident des Verbandes der Dominikanischen Republik, Blatter als “Mischung zwischen Moses, Abraham Lincoln, Winston Churchill, Martin Luther King, Jesus und Nelson Mandela”.

Infantino auf Kuschelkurs

Diese Treue der Mitgliederverbände Blatter gegenüber könnte zum Handicap für Gianni Infantino werden. Blatter und Infantino waren nie wirklich Freunde. Die Parallelen zwischen den beiden Wallisern sind dennoch frappant. Sie sind ehrgeizig und stehen gerne im Rampenlicht. Infantino macht sogar den genau gleichen Wahlkampf wie seinerzeit Sepp Blatter. Er lässt sich weltweit bei jedem noch so kleinen Verband in den Stadien blicken, schüttelt Hände, lässt sich fotografieren und verspricht mehr Gelder, Entwicklungshilfe oder WM-Startplätze. Für jeden Verband hat er das passende Geschenk im Gepäck.

Hinter dem Wahlkampf Infantinos steckt die britische Agentur Vero. Wie erfolgreich diese ist, zeigt sich daran, dass sie schon die WM 2022 nach Katar gebracht hat. Zudem wird Infantino von den meisten Uefa-Mitgliedern unterstützt. Diese wollen schliesslich einen ihrer Männer an der Spitze der Fifa.

So viele Stimmen haben die Konföderationen:
Afrika: 54
Europa: 53
Asien: 46
Nord- und Mittelamerika: 35
Ozeanien: 11
Südamerika: 10

Gewählt wird der neue Präsident in einer geheimen Abstimmung. Klar ist, dass sich nicht alle Verbände an die Empfehlung ihrer Konföderation halten werden. Im ersten Wahlgang braucht ein Kandidat eine Zweidrittels-Mehrheit. Im zweiten Wahlgang genügt die einfache Mehrheit von 105 Stimmen.

Doch eine Überraschung?

Die Chancen stehen gut, dass nach dem 26. Februar weiterhin ein Walliser Fifa-Chef ist. Infantino kann mit Europa, der Mehrheit der Nord- und Mittelamerikaner und den Südamerikanern rechnen. Das sind schon mal rund 90 Stimmen. Dazu werden ihn auch einzelne Mitglieder aus Asien und Afrika unterstützen. Dazu gehören zum Beispiel China, Japan, Jordanien und Iran. Südsudan hat sich bereits offen für Infantino ausgesprochen. Die Ozeanier wählen in der Regel den Favoriten der amerikanischen Verbände und damit ebenfalls den Walliser. Aber eben: Wir sprechen hier von der Fifa. Da kann alles passieren.

(rr)


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