Wie wird Schnee entsorgt?

Wohin mit dem verschmutzen Schnee, wenn die Deponien voll sind?
Wohin mit dem verschmutzen Schnee, wenn die Deponien voll sind? © iStock
Weil es im Januar in kurzer Zeit eine grosse Menge Schnee gegeben hat und dieser aufgrund der kalten Temperaturen nicht geschmolzen ist, haben die Gemeinden mit vollen Deponien zu kämpfen. FM1Today hat einen Umwelt-Experten gefragt, wie Schnee richtig entsorgt werden muss und welche Gefahren bestehen, wenn man es nicht tut.

Die Stadt Chur macht in diesen Tagen Schlagzeilen, weil sie den verschmutzten Schnee von den Strassen direkt auf die Wiese in der Deponie am Reitnauerweg bringt. Dies belastet den Boden der Schneedeponie, denn der Boden ist nicht befestigt. Wie die Südostschweiz schreibt, ist nur ein kleiner Teil geteert.

«Im Gemeinden, in denen die Strassen schwarz geräumt werden, kommt es bei viel Schnee oft zu Platzproblemen in den Deponien», sagt Remo Fehr, Leiter des Amts für Natur und Umwelt Graubünden. Da die Schneeräumung und die Lagerung des Schnees Sache des Strasseneigentümers ist, muss auch die Gemeinde dafür sorgen, dass genügend grosse Flächen zur Verfügung stehen, auf denen die Schneemassen deponiert werden können. Dabei muss auch gewährleistet sein, dass das Schmelzwasser gefiltert werden kann und nicht in den Boden gelangt. «Diese Aufgabe stellt viele Gemeinden bei grösseren Schneefällen vor Herausforderungen und räumliche Konflikte. Denn kaum eine Gemeinde hat einfach so einen freien, geteerten Platz, um die Schneemassen zu deponieren», sagt Fehr.

Verschmutzter Schnee darf nicht auf Wiesen deponiert werden

Wie der Schnee genau «entsorgt» werden muss, hängt laut Remo Fehr davon ab, wo der Schnee zuvor gelegen hat. Wenn der Schnee auf eine viel befahrene Strasse fällt, wo es entsprechend viel Pneu-Abrieb und Abgasrückstände gibt, und die Strasse schwarz geräumt wird, ist der Schnee mit allen Schadstoffen belastet, die sich zuvor auf der Strasse befunden haben. Dazu gehören auch Littering-Rückstände. «In solchen Fällen ist im Schnee ein relativ hoher Anteil an Abfällen und Schadstoffen enthalten und der Schnee kann folglich nicht mehr mit gefrorenem, sauberem Wasser verglichen werden», betont der Umwelt-Experte.

In einem ländlichen Gebiet sehe die Situation hingegen etwas anders aus. «Auf dem Land wird der Schnee nach kurzer Zeit bereits geräumt, meistens findet auch keine Schwarzräumung statt. Dadurch ist der Schnee sauberer und der Winterdienst kann ihn problemlos auf einer Wiese deponieren oder in ein Gewässer schütten», erklärt Fehr.

Schnee, der mit Schadstoffen und Abfall verschmutzt ist, müsse hingegen auf einer befestigten Fläche deponiert werden. Zum Beispiel auf einem Parkplatz, auf dem das Abwasser über eine Aufbereitungsanlage abgeleitet werden könne. Dies verhindere, dass die Schadstoffe in den Boden gelangen. «Würde man den mit Schadstoffen verunreinigten Schnee in ein Gewässer kippen, würde man eigentlich Abwasserqualität ins Gewässer leiten. Das ist verboten. Ebenso darf man den verschmutzten Schnee nicht auf einer Wiese oder einer landwirtschaftlich genutzten Fläche deponieren, weil dies über längere Zeit dazu führt, dass sich die Schadstoffe durch das Schmelzwasser im Boden ablagern und der Schadstoffgehalt im Boden zu hoch wird», betont Fehr.

«Chur hat das kleinste Übel gewählt»

Einige der Schadstoffe, wie etwa Ölreste, können laut dem Umwelt-Experten im Boden zwar abgebaut werden, andere jedoch nicht. «Schwermetalle werden im Boden bleiben und können langfristig die Bodenfruchtbarkeit gefährden. Das Problem ist nicht direkt, dass die Pflanzen die Schadstoffe in grösseren Mengen aufnehmen könnten, sondern eher, dass der Boden dadurch nicht mehr uneingeschränkt verwendbar ist», erklärt Fehr. Im schlimmsten Fall könne es soweit kommen, dass der Boden abgetragen und auf einer Deponie für Bodenmaterial entsorgt werden müsse.

Im Falle der Stadt Chur wurde genau diese Befürchtungen geäussert. Doch der Experte nimmt die Stadt in Schutz: «In Chur hat man das kleinste aller Übel gewählt. Diese Variante war die beste der verfügbaren Möglichkeiten. Natürlich ist diese Lösung nicht korrekt, da der Boden landwirtschaftlich genutzt wird. Es muss sicherlich bis zum nächsten Mal eine bessere Lösung gefunden werden.»

(red.)


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