“Wir haben es geschafft!”

Von Lara Abderhalden
Gaetan und Leo sind am Ziel angekommen.
Gaetan und Leo sind am Ziel angekommen. © Raphael Rohner
Gaetan Dübler und sein Muni Leo sind in Rorschach angekommen. Die Freude ist gross. Zwei Monate lang stolperten sie über Stock und Stein quer durch die Schweiz von Yvedon les Bains bis nach Rorschach. Jetzt müssen sie den ganzen Weg zu Fuss wieder zurück.

Seine Haut ist gebräunt, seine Augen glänzen und er lächelt, immerzu. Er ist zufrieden und das zurecht. Zwei Monate lang waren er und sein Ochse Leo unterwegs. Durch Wiesen und Wälder, über Strassen und Felder, durch Schlamm und abgelegene Dörfer, über Hängebrücken und Kieswege. Jetzt dürfen sie aufatmen, zumindest für einen Moment.

“Wir haben es geschafft. Es ist ein unglaubliches Gefühl, am Ziel angekommen zu sein”, sagt Gaetan Düblin und schaut auf den Bodensee. Er ist am Ziel, in Rorschach abgekommen. Es sei nicht immer einfach gewesen. Viel Regen habe ihre Reisen geprägt und nicht überall war der Jakobsweg so gut passierbar wie angenommen.

Leo hat Angst vor Plastikkuh

“Ich erinnere mich an eine Brücke in Interlaken. Es ging rund 200 Meter das Loch herunter. Als Leo und ich vollgepackt die schmale Brücke überquerten, schaukelte sie wie wild. Ich hatte wirklich Angst, während Leo seelenruhig und cool vor mir her marschierte.” Den ganzen Weg über hat der Ochse Gaetan Dübler nie Probleme gemacht, sei immer und überall durch gelaufen und hätte sich nie gesträubt. Fast nie.

“Einmal da stand eine gelbe Plastikkuh auf dem Weg, diese machte ihm Angst. Er war sich an gelbe Kühe nicht gewöhnt und wollte nicht mehr weitergehen. Da mussten wir ihn stossen”, erzählt der 37-Jährige. Angst, dass der Ochse sich aus dem Staub macht, hatte Gaetan Dübler nie: “Im Gegenteil, ich hatte manchmal Angst, dass mir Leo mit in den Coop oder Migros folgt.” Am Anfang konnte er kaum einen Schritt gehen, ohne dass Leo ihm hinterher trottete. Heute wisse der Ochse, dass sein Herrchen immer wieder zu ihm zurückkehren wird.

Menschen auf der Strasse sind begeistert

Zurückkehren muss auch Gaetan Dübler. Rorschach ist nur das Zwischenziel. Bald geht es zurück in die Heimat, Yverdon. Wiederum zu Fuss. “So schlimm wird das nicht”, meint der Westschweizer, “etliche Leute, die wir auf dem Weg antrafen, haben uns gesagt, dass sie uns ein Stückchen begleiten werden.”

Gaetan Dübler ist begeistert von den vielen positiven Reaktionen. Oft würden die Menschen zu ihm kommen, ihn nach seiner Geschichte fragen und sich wirklich für das interessieren, was er macht. “Oft durften wir auch auf Bauernhöfen übernachten. Das war schön. So konnte ich wieder einmal duschen und mich frisch machen.”

Natürlich gebe es auch negative Stimmen: “Es gibt Menschen, die können nicht verstehen, dass ich einen Ochsen als Packesel benutze.” Dabei sei genau das die Motivation oder eben die Geschichte hinter seiner Pilgerreise. Er möchte “back to the roots”. So leben oder eben pilgern, wie es schon unsere Vorfahren taten. “Schon die Römer waren mit bepackten Ochsen unterwegs.” Für einen Ochsen sei es normal, als Packtier zu dienen.

Leidenschaft zum Beruf machen

Nach seiner Rückkehr in Yverdon möchte Gaetan Dübler das Wandern mit Ochsen zu seinem Beruf machen. Er bietet Trekking-Touren mit dem Ochsen an. Die Pilgerreise sei ein Training für Leo gewesen. “Im Winter habe ich vor, an den Schwarzsee zu gehen und dort mit Touristen verschiedene Touren im Schnee zu unternehmen.”

Dabei geht es Gaetan Dübler nicht um Profit oder Aufmerksamkeit. «Leo liebt das Laufen. Wenn ich ihn einen Tag im Stall lasse, wird ihm langweilig. Er braucht die Bewegung”. Das gemeinsame Laufen helfe ihnen beiden: “Ich war neulich alleine für ein paar Besorgungen in der Stadt und mir hat etwas gefehlt. Es war komisch, ohne Leo durch die Strassen zu ziehen.” Sie hätten sich aneinander gewöhnt und verstehen sich mittlerweile sogar ohne Worte.

Schon in den nächsten Tagen geht es für den 37-Jährigen Journalisten den ganzen Weg zurück in die Westschweiz. Zwei Monate laufen, zwei Monate campen, zwei Monate in der Natur – die beiden sind gerüstet: “Ich habe für Leo extra Schuhe gekauft, damit kann er bei jedem Wetter laufen und sie stehen ihm auch ganz gut.”


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