Xhaka in einer neuen Dimension

Der Spieler Granit Xhaka waehrend eines Trainings der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft, am Dienstag, 24. Mai 2016, in Lugano.
Der Spieler Granit Xhaka waehrend eines Trainings der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft, am Dienstag, 24. Mai 2016, in Lugano. © KEYSTONE/Ti-Press/Gabriele Putzu
Granit Xhaka (23) wechselt zu Arsenal London in die Premier League. Der Ex-Captain der Borussia hat beim 13-fachen Champion einen mehrjährigen Vertrag unterschrieben.

Eine erste Kostprobe, wie sehr Xhaka ab sofort im Fokus der englischen Yellow Press stehen wird, lieferte “The Mirror”, der unautorisierte Bilder des Schweizers im neuen Arsenal-Shirt veröffentlichte; jede Bewegung des Jungstars wird künftig registriert und kommentiert, für den früheren U17-Weltmeister beginnt eine neue Zeitrechnung.

Inzwischen sind alle Papiere unterzeichnet, der bedeutendste Deal eines Schweizer Fussballers ist perfekt. Das mutmassliche Volumen des Geschäfts sprengt den bisherigen Rahmen. Die Summe variiert zwischen 40 und 45 Millionen Franken.

Die Borussia verliert nach 108 Bundesliga-Spielen ihren Captain und Antreiber, kommt aber in Genuss eines Rekordertrags. Auch beim Ausbildungsklub Basel dürfte sich der Finanzchef die Hände reiben – rund 20 Prozent der Arsenal-Überweisung wird der FCB zu seinen Gunsten abzweigen.

Für den erst 23-jährigen Mittelfeldspieler ist der Aufstieg in die Premier League einem Vorstoss in eine neue Dimension gleichzusetzen. Mehr Geld hat nie zuvor eine ausländische Sportorganisation in einen Scheizer Teamsportler investiert. Gökhan Inler, der bisherige Rekordhalter, wechselte 2011 für 20 Millionen weniger zur SSC Napoli.

2011 machte Xhaka “den perfekten Schritt” zu Borussia Mönchengladbach und reifte am Niederrhein als Mensch und Fussballer. Mitspieler Yann Sommer attestiert ihm “einen riesigen Sprung”. 248 Spiele auf Profi-Niveau hat der Mann mit Jahrgang 1992 bereits bestritten, nun folgt die Challenge seines Lebens.

Xhaka kommt als Hoffnungsträger

Arsenal restruktiert seit geraumer Zeit seine Equipe. Captain Mikel Arteta plant seinen Abgang, Mathieu Flamini muss gehen, Tomas Rosicky zieht sich nach Tschechien zurück, mit Santi Cazorla rechnen sie in London ebenfalls nicht mehr.

Angesichts der von langer Hand geplanten Umbauarbeiten interessierte sich Arsène Wenger schon früh für den Namen Xhaka; dass der Basler unter seinem Copain Lucien Favre enorme Fortschritte machte, entging dem französischen Trainer-Maestro nicht.

Bereits im Sommer vor einem Jahr signalisierte Arsenal grosses Interesse. Im November 2015 konkretisierte sich der Transfer. Das entscheidende Meeting fand im letzten März statt. In London verhandelte Xhakas Anwalt mit den Vertretern von Arsenal die Vertragsdetails. Eine Einigung mit dem deutschen Arbeitgeber erzielten die englischen Unterhändler am vergangenen Wochenende.

Zur Nummer 2 der aktuellen Premier-League-Tabelle kommt Xhaka nicht als Rookie, sondern als teure Verstärkung, als Schlüsselfigur eines der spektakulärsten Bundesliga-Teams der letzten vier Jahre, zweikampfstarker Organisator, der im defensiven Zentrum die Qualität sofort anheben soll und kann.

Im Pass-Ranking Mönchengladbachs beanspruchte der kluge Ballverteiler mit 1883 Zuspielen und einer Erfolgsquote von 84,52 Prozent den Spitzenwert. “Granit hat in den letzten vier Jahren eine beispielhafte Entwicklung gemacht. Er ist ein Spieler für grosse Vereine”, bilanziert Borussia-Manager Max Eberl.

Mit Xhaka hat der seit 1996 von Wenger gecoachte Klub Grosses vor. Der seit 16 Jahren ohne Unterbruch in der Champions League engagierte Arsenal Football Club will auf allen Ebenen angreifen und zwölfjährige Flaute ohne Meistertitel.

Ein wirtschaftliches Schwergewicht

In England ist Arsenal Stammgast im Kreis der Big Four. Vom wirtschaftlichen Standpunkt her gehören die Gunners im weltweiten Vergleich zur Hors Catégorie. In der Money League spielt der Klub mit einem Umsatz von 435 Millionen Euro ganz oben mit.

Die amerikanischen Finanz-Experten von “Forbes” beziffern den Wert der Londoner Fussball-Institution auf gegen zwei Milliarden Dollar. Im Emirates-Stadion mit seinen 60’000 Plätzen generiert Arsenal pro Saison über 130 Millionen Euro – mehr als beispielsweise Real Madrid.

(sda)


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