60 Prozent mehr Asylgesuche über den Sommer

Asylsuchende werden in der Schweiz häufig in Asylzentren untergebracht, wie hier das Militärlager am Glaubenberg im Kanton Obwalden
Asylsuchende werden in der Schweiz häufig in Asylzentren untergebracht, wie hier das Militärlager am Glaubenberg im Kanton Obwalden © KEYSTONE/URS FLUEELER
Die Flüchtlingskrise in Europa wirkt sich nun auch auf die Zahl der Asylgesuche in der Schweiz aus. Zwischen Juli und September sind hierzulande 12’339 Gesuche eingereicht worden. Das sind rund 60 Prozent mehr als im zweiten Quartal 2015.

Im September ersuchten 4544 Menschen in der Schweiz um Asyl, 645 mehr als im August. Dies geht aus der Asylstatistik hervor, die das Staatssekretariat für Migration (SEM) am Freitag veröffentlicht hat. Im Vergleich zu vielen europäischen Ländern ist dieser Anstieg aber moderat. Allein letzten Monat wurden in Deutschland 164’000 Asylgesuche gestellt. In Schweden waren es im dritten Quartal 44’000, in Finnland 14’000.

Grund für den tieferen Anstieg ist, dass die Schweiz von der grossen Migrationsbewegung über den Balkan bislang wenig betroffen war. Die Mehrheit der Menschen gelangte auch in den letzten drei Monaten über das Mittelmeer in die Schweiz.

Dass sich dies aber ändern könnte, zeigen die Zahlen vom September. In diesem Monat kamen erstmals mehr Flüchtlinge über die Balkanroute als über das Mittelmeer. Das zuständige Grenzwachtkorps hält an der Ostgrenze der Schweiz jeden Tag rund 50 Personen wegen rechtswidrigen Aufenthalts an.

Bis Ende September stellten dieses Jahr total 24’212 Personen ein Asylgesuch in der Schweiz. Das waren 34 Prozent mehr als in den ersten neun Monaten des Vorjahres. Spätestens im November rechnet das SEM wegen der kalten Jahreszeit aber mit weniger Asylgesuchen. Bis Ende Jahr dürfte die Zahl der Asylgesuche 30’000 betragen.

Die Situation bleibe jedoch in Europa als auch in der Schweiz angespannt. “Europa sah sich im dritten Quartal 2015 mit dem grössten Migrationsstrom seit Ende des Zweiten Weltkriegs konfrontiert”, schreibt der Bund. Insgesamt wurden in den EU- und EFTA-Staaten mehr als 400’000 Asylsuchende registriert.

Das wichtigste Herkunftsland von Asylsuchenden in der Schweiz bleibt Eritrea, wenngleich die Zahl der Gesuche im September leicht abgenommen hat. Im dritten Quartal ersuchten 5127 Menschen aus dem ostafrikanischen Land um Asyl – im Vergleich zum Vorquartal ein Anstieg um 56 Prozent.

Mit 1566 Gesuchen an zweiter Stelle der häufigsten Herkunftsländer lag Syrien, gefolgt von Afghanistan mit 1373 Gesuchen. Auf diese drei Staaten entfallen knapp zwei Drittel aller in der Schweiz gestellten Asylgesuche. Dass die Balkanroute wichtiger wird, zeigt sich auch am Anstieg von Asylgesuchen aus Irak, Pakistan und Iran.

Zwischen Juli und September wurden 7079 Gesuche in erster Instanz erledigt. Das sind 4,7 Prozent als im Vorjahr. 20’973 Asylgesuche waren Ende September noch hängig – 5705 mehr als im zweiten Quartal 2015.

Im dritten Quartal ersuchte die Schweiz bei 6423 Personen einen anderen Dublin-Staat um Übernahme. In den meisten Fällen betraf es Italien. Nur bei 2748 Personen erklärte sich ein Dublin-Staat zuständig. Im gleichen Zeitraum konnten 501 Personen auf dem Luft- oder Landweg an den zuständigen Dublin-Staat überstellt werden.

(SDA)


Newsletter abonnieren
0Kommentare
noch 1000 Zeichen