Zahlreiche Hiebe nötig beim Gansabhauet in Sursee

5000 Zuschauer verfolgen in Sursee die Gansabhauet, bei der ein Schläger mit verbundenen Augen mit einem stumpfen Säbel einer aufgehängten toten Gans den Hals mit einem einzigen Hieb durchtrennen muss.
5000 Zuschauer verfolgen in Sursee die Gansabhauet, bei der ein Schläger mit verbundenen Augen mit einem stumpfen Säbel einer aufgehängten toten Gans den Hals mit einem einzigen Hieb durchtrennen muss. © KEYSTONE/ALEXANDRA WEY
In Sursee ist am Mittwoch am traditionellen Gansabhauet zwei toten Gänsen der Kopf vom Rumpf geschlagen worden. Im ersten Durchgang waren 13 Hiebe nötig, beim zweiten Tier nur 4 Schläge. Unter den Gewinnern ist einer, der den Wettbewerb bereits zum vierten Mal gewann.

Rund 5000 Personen verfolgten in der Altstadt bei schönstem Wetter das Spektakel. Neben überdurchschnittlichen vielen Zuschauern hatten sich dieses Jahr auch viele Teilnehmer angemeldet, nämlich 95 Männer und 11 Frauen, wie Stadtarchivar Michael Blatter erklärte.

Bei der ersten Gans gelang dem 13. Schläger, Christian Fries aus Triengen LU, der entscheidende Hieb. Der 31-Jährige war bereits zum fünften Mal am Gansabhauet dabei und gewann zum vierten Mal ein Tier.

Weit weniger lang dauerte es in der zweiten Runde. Die Gans viel bereits beim vierten Schlag. Dieser gelang dem 49-jährigen Franz Amrein aus Oberkirch LU.

Bei der Gansabhauet geht es darum, mit einem Säbelhieb den Hals einer leblosen, am Hinterkopf aufgehängten Gans mit einem einzigen Hieb zu durchtrennen. Dies ist schwieriger, als es auf den ersten Blick erscheint.

Die Wettstreiter in ihren roten Umhängen sehen hinter ihrer Sonnenmaske nichts. Zudem ist ihr Dragonersäbel stumpf. Vor dem Schlag trinken sie ein Glas Wein und drehen sich um die eigene Achse.

Die Reihenfolge der Schläger für die zwei Gänse wird durch das Los bestimmt. Der Erfolgreiche – der entscheidende Schlag ist bislang noch nie einer Frau geglückt – winkt neben Ruhm und Ehre auch ein Festmahl. Natürlich darf er auch die Gans mit nach Hause nehmen.

Die Ursprünge des Gansabhauet liegen im Dunkeln. Sicher ist einzig, dass Bräuche um das wertvolle Federvieh früher in ganz Europa verbreitet waren. 1820 verschwand der Brauch aus Sursee, vier Jahrzehnte später wurde er wieder zu neuem Leben erweckt.

Das Martinifest beschränkt sich in Sursee nicht auf den Gansabhauet. In den Pausen zwischen den Schlägen können Kinder beim “Stängechlädere” Geschenke ergattern oder beim “Chäszänne” mit einer verrückten Grimasse ein Stück Käse verdienen. Auch ein “Räbeliechtli”-Umzug fehlt nicht.

(SDA)


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