Zinctec-Angestellte streiken wegen Sozialplan

Die Belegschaft der Zinctec streikte am Montagmorgen während zwei Stunden
Die Belegschaft der Zinctec streikte am Montagmorgen während zwei Stunden © zVg
Die Firma Zinctec AG in Egnach macht auf Ende April dicht. Allen Mitarbeitern wurde gekündigt. Einen Sozialplan, wie ihn sich die Mitarbeitenenden und die Unia vorstellen, gibt es bislang nicht. Deshalb streikten sie am Montagmorgen bei Eiseskälte.

Die Zinctec AG in Egnach wird auf Ende April ihren Betrieb einstellen. Ohne Einbezug der Sozialpartner wurden die Mitarbeitenden letztes Jahr darüber informiert. Ein Sozialplan stand nicht auf der Agenda der Geschäftsleitung. Dagegen regte sich Widerstand.

Um der Forderung nach einem fairen Sozialplan Nachdruck zu verleihen, wurde bei der Zinctec AG am Montagmorgen für zwei Stunden der Betrieb eingestellt. Die Mitarbeitenden traten in den Streik. «Dies war ein erstes Zeichen, dass eine weitere Verweigerungshaltung der Geschäftsleitung nicht akzeptiert wird», sagt Stefan Brülisauer, Medienverantwortlicher Unia Ostschweiz. Gemeinsam mit der Gewerkschaft Unia fordern die Mitarbeitenden der Zinctec AG seit zwei Wochen erfolglos Verhandlungen über einen Sozialplan.

«Ich hoffe, mein Vorstellungsgespräch läuft gut»

Bei den Angestellten ist der Unmut und die Enttäuschung gross. «Wir streiken, weil wir alle zusammenstehen und von der Geschäftsleitung wissen wollen, was mit den Geldern in der Arbeitnehmerstiftung passiert. Sie soll uns ganz klar auf den Tisch legen, wer was zugute hat», fordert einer, der seit 20 Jahren bei der Zinctec arbeitet. Er habe mit der Firma viel erlebt, es breche ihm beinahe das Herz und er könne sich nicht erklären, was hier abgeht. Im Gegensatz zu vielen seiner Arbeitskollegen hat er jedoch bereits eine Anschlusslösung gefunden. «Ich habe schon wieder eine neue Stelle. Viele, vor allem jene ab 55, sind leider noch nicht versorgt», bedauert er.

Genau deswegen hat einer seiner Arbeitskollegen seit Ende Januar, als die Kündigungen ausgesprochen wurden, schlaflose Nächte. «Ich habe unterhaltspflichtige Kinder, das RAV ist zwar eine Zwischenlösung, aber eine schlechte. Ich hoffe jetzt, dass mein Vorstellungsgespräch heute gut läuft», meint der Angestellte, der seit sieben Jahren bei der Zinctec AG arbeitet. Die Motivation sei bei allen schlecht, schildert er das aktuelle Betriebsklima. «Wir müssen hier sein, damit wir da sind, zu tun gibt es aber nicht mehr viel, weil auch die Kunden informiert wurden, dass es Ende April fertig ist. Als Abteilungsleiter weiss ich gar nicht mehr, wie ich meine Leute beschäftigen soll.»

Erste Erfolge dank Warnstreik

Der Warnstreik zeigt bereits Wirkung. Die Zinctec-Geschäftsleitung hat der Gewerkschaft Unia angeboten, diesen Mittwoch in Gespräche zu treten. Laut der Unia wurde auch die Absicht bekundet, einen Sozialplan auszuarbeiten. Die Geschäftsleitung der Zinctec AG betonte jedoch, dass man den Sozialplan nicht mit der Gewerkschaft und den Personalvertreter aushandeln wird.

«Wir wollen für die Angestellten einen Sozialplan aushandeln, der den Namen auch verdient. Es geht nicht, dass die Geschäftsleitung einen Sozialplan ausarbeitet, ohne die Belegschaft und die Gewerkschaft miteinzubeziehen», betont Stefan Brülisauer. Man werde am Mittwoch während erster Gespäche mit der Geschäftsleitung fordern, dass die Sozialpartner einbezogen werden in Sozialplanverhandlungen. Wenn darauf nicht eingegangen werde, werde der Streik fortgesetzt.

Freiwilliger Sozialplan

Heinz Schmidhauser, der für die Zinctec AG die Aufgabe übernommen hat, die Mitarbeiter zu betreuen, erklärt, dass man einen freiwilligen Sozialplan ausarbeiten werde. Dieser habe unter anderem den Zweck, die Mitarbeiter zu begleiten und in Härtefällen zu helfen. Dass die Zinctec den Sozialplan ohne die Belegschaft und die Gewerkschaft ausarbeiten will, begründet Schmidhauser damit, dass keine rechtliche Grundlage dafür bestehe. Er kündet jedoch an, dass die Mitarbeiter involviert werden würden.

(red.)


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