Zuhören statt aufs Smartphone starren

Nicole Zeiter (Mitte) unterhaltet sich mit zwei Passanten auf dem Sofa.
Nicole Zeiter (Mitte) unterhaltet sich mit zwei Passanten auf dem Sofa. © FM1Today
Nicht zufällig findet am 14.3. der “Tag des Zuhörens” statt: Das Datum ist zugleich die Telefonnummer der “Dargebotenen Hand”. Die Telefonseelsorge-Organisation lud in grösseren Städten Passanten, die etwas loswerden wollten, auf ein Gespräch auf ein Plüsch-Sofa ein. So auch in St.Gallen.

Über 200’000 Beratungsgespräche und gut 4700 Chat- und Mail-Kontakte konnte die “Dargebotene Hand” (Telefon 143) 2015 verzeichnen. Rund 700 Mitarbeitende leisten einen wichtigen Beitrag für die Organisation und die Gesellschaft. Nicole Zeiter, Leiterin der Geschäftsstelle Ostschweiz, ist am Tag des Zuhörens in St. Gallen und empfängt viele Passanten für Gespräche. “Zuhören ist eine sehr wichtige Sozialkompetenz. Wir versuchen, den Passanten diese Eigenschaft zu vermitteln, indem wir ihnen ein offenes Ohr anbieten”, sagt Zeiter.

Vielen fehlt eine Vertrauensperson

Aus Erfahrung weiss die “Dargebotene Hand”, dass sich viele Menschen eine Vertrauensperson wünschten, diese aber nicht haben. “Genau dies bieten wir an. Es ist nicht unbedingt das Ziel, mit Passanten über ihren Kummer zu reden. Es geht darum, zu zeigen, dass es uns gibt”, sagt Nicole Zeiter. Viele würden sich auch nicht zu einem Gespräch trauen. Dafür sei der Stand am Bärenplatz “zu öffentlich”. Bei Kindern sei dies jedoch anders: “Sie turnen auf dem Sofa herum und erzählen schöne Geschichten”, so Zeiter.

Handy macht einsam

Auf das Zuhören aufmerksam machen ist für Zeiter dringender denn je. Wegen Smartphones und Co. schotten sich immer mehr Menschen ab.  “Ein Paradebeispiel dafür sind die öffentlichen Verkehrsmittel, in denen viele Pendler vor allem mit ihren Handys beschäftigt sind”, sagt Nicole Zeiter. Die Menschen müssten wieder lernen, sich zuzuhören.

(fab)


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