Zunehmende Armut in Industriestaaten trotz Sozialhilfe

Es brauche sichere Arbeitsplätze, um die Armut zu bekämpfen, teilte die ILO mit: Schneiderei in Indonesien. (Symbolbild)
Es brauche sichere Arbeitsplätze, um die Armut zu bekämpfen, teilte die ILO mit: Schneiderei in Indonesien. (Symbolbild) © KEYSTONE/AP/Achmad Ibrahim
In Europa nimmt die Armut zu. Dies sei eine Folge von Arbeitslosigkeit und nur geringfügig bezahlter Beschäftigung, teilte die Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) am Mittwoch in Genf mit. 17,2 Prozent der EU-Bevölkerung gelten gemäss der vorgestellten ILO-Studie als arm.

Als arm wird dabei angesehen, wer einschliesslich staatlicher Hilfeleistungen mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens seines Landes auskommen muss.

Arme und “Erwerbsarme”

Arm sind dabei nicht nur Arbeitslose, sondern auch Menschen mit einer Arbeit – sogenannte Erwerbsarme. Der Grund: Seit dem Ausbruch der Weltwirtschaftskrise im Jahr 2008 gebe es in Europa immer weniger gesicherte Vollzeitstellen.

Keine Deckung der Einkommenslücken

“In vielen Industrieländern können Sozialleistungen einfach nicht mehr die Einkommenslücke erwerbsarmer Menschen kompensieren”, sagte ILO-Generaldirektor Guy Ryder bei der Vorstellung des jüngsten Weltarbeitsmarktberichts der Uno-Sonderorganisation.

Weniger Arme in der dritten Welt

In der EU gibt es der Studie zufolge zwar mehr Arme. In Entwicklungsländern hat die Armut dafür abgenommen. Die Anzahl Menschen, die pro Tag weniger als 3,10 US-Dollar zur Verfügung haben, hat sich laut ILO in den letzten 25 Jahren halbiert.

Keine Änderung in Afrika

In Afrika habe sich die Lage allerdings kaum verändert. Dafür gehe es vielen Menschen in China und Lateinamerika besser. Die Welt habe im Kampf gegen die Armut signifikante Fortschritte gemacht, sagte Ryder.

Utopische Ziele?

Diese Fortschritte seien aber fragil, sagte Ryder. Um das von der Uno formulierte Ziel, extreme Armut bis 2030 zu beseitigen, wären während der nächsten 15 Jahre jährlich 600 Milliarden Dollar nötig. Zwei Drittel davon in Form von Sozialleistungen, ein Drittel über sichere Jobs. Fast ein Drittel der Bevölkerung in Entwicklungs- oder Schwellenländern habe eine Stelle, häufig aber eine prekäre, hiess es.

(SDA)


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