Zur Integration an die Viehschau

An der Viehschau sorgten ausländische Jugendliche für Aufsehen: Eine Integrationsklasse lernt die Traditionen kennen.
An der Viehschau sorgten ausländische Jugendliche für Aufsehen: Eine Integrationsklasse lernt die Traditionen kennen. © Raphael Rohner/FM1Today
Mitten im Getümmel der 125. Herisauer Viehschau gab es viele Jugendliche ausländischer Herkunft. Ihre Anwesenheit verunsicherte einige Bauern, doch hatte das Ganze einen sinnvollen Zweck: Die Schweizer Tradition zu vermitteln.

“Ich habe mich schon gewundert, was dieses Fräulein mit dem Kopftuch hier bei meinen Kühen will.” Ein Herisauer Bauer blickt skeptisch zu einer Gruppe Jugendlicher hinüber die fröhlich vor den Kühen posieren und sich kaum getrauen, diese anzufassen. “Ich habe schon einmal eine Kuh gesehen – aber nicht so viele”, stammelt ein japanischer Schüler und grinst verlegen. Er ist nicht der mutigste seiner Gruppe, als es darum geht, eine Kuh zu streicheln.

Mit Kopftuch und Respekt bei den Kühen

Zu Beginn wagen sich die 50 Schülerinnen und Schüler einer Integrationsklasse aus Zürich nicht so recht ins Geschehen. Sie stehen abseits und beobachten, wie die Sennen, Bauern und Knechte die Kühe umhertreiben und zur Schau stellen. “Alles ist voller Kuh-Pippi und Kuh-Gaggi – so kann ich nicht laufen mit meinen Schuhen”, kichert eine junge Frau aus Afghanistan, die mit einem Kopftuch vor einer Reihe Kühen steht. Auch ihr Mitschüler ist vom Treiben der Bauern verwirrt, aber dennoch entzückt. Er kenne Kühe aus seinem Land, jedoch seien diese bedeutend kleiner und seien viel dünner. Der junge Afghane ist seit rund einem Jahr in der intensiven Integrationsklasse und bekommt ein bisschen Heimweh: “Zuhause habe ich auch drei Kühe – aber jetzt ich bin in der schönen Schweiz ohne meine Kühe.”

Kaum Tradition im Zürcher Alltag

Die 50 Schüler der Zürcher Integrationsklasse haben bei ihren Lehrpersonen angebracht, dass die Stadt langweilig sei. Frau Dränkle, die Lehrerin einer der drei Klassen ist von der Begeisterung der Schüler angesteckt: “Wir zeigen den Schülern im Integrationsprozess einen wichtigen Teil des Landes, den es in einer Grossstadt wie Zürich nicht alltäglich zu bewundern gibt: Tradition.”

Die Schüler hatten sichtbar Freude am Einblick in die Appenzeller Tradition, auch wenn sie nur am Rande mitbekommen haben, um was es bei der Viehschau geht. Einige Bauern lachten herzhaft, als die ausländischen Jugendlichen den Kuhfladen ausgewichen sind oder als sie sich wegen den Kühen erschrocken haben. “So sönd’s halt.”

(rar)


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