Zwischen Mailand, Paris und Diepoldsau

Von Leila Akbarzada
Kevin Städler aus Diepoldsau startet durch.
Kevin Städler aus Diepoldsau startet durch. © zvg
Der Rheintaler Kevin Städler hat mal im Detailhandel in Widnau gearbeitet. Nun läuft er auf den grössten Laufstegen der Welt. Das Model-Leben on the road macht ihm keine Mühe. Im Gegenteil: Es befreit ihn.

Im August macht die europäische Modebranche Sommerpause. Viele Models nutzen die Zeit, um Ferien zu machen, so auch Kevin Städler. Der Rheintaler hat einen Monat in seiner Heimat verbracht. “Ich war viel mit meinen Kumpels unterwegs, war aber auch für einen Auftrag ein paar Tage in Amsterdam”, erzählt das Model. Zudem hat er ein Casting in Zürich gehabt. “Und dann war ich noch an der Streetparade”, sagt Städler und lacht.

Kevin ist im Modeolymp angekommen: Diesen Frühling lief er für Namen wie Givenchy in Paris, Dolce & Gabbana in Neapel oder Bikkembergs in Mailand. “Das waren meine drei bisherigen Highlights”, sagt Städler. Seit diesen Auftritten läuft es mehr als rund in seiner Modelkarriere: Drei ausländische Agenturen haben ihm bereits ein Angebot gemacht, damit ist er bei sechs insgesamt unter Vertrag. “Ich muss mir jetzt keine Sorgen mehr um Aufträge machen. Das ist toll.”

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für Givenchys Frühlingskollektion 2017

Kellnern in London

Das war nicht von Beginn an so. “Anfangs war es eine Rappenzählerei”, erzählt er. Zum Modeln kam er vor gut zwei Jahren. Ein Agent aus Zürich schrieb ihn via Facebook an. Beim zweiten Mal nachhaken liess sich Städler für ein Shooting überreden. Er bemerkte jedoch schnell, dass die Agentur nicht seriös war. So ging er auf eigene Faust nach London. Der heute 24-Jährige kellnerte zunächst nebenbei. Dann nahm in eine gute Agentur auf. Seit eineinhalb Jahren lebt er nur vom Modeln.

Markenzeichen: kurze Haare

Es sei ein hartes Business. “Es gibt so viele Models. Man muss irgendwie aus der Masse herausheben”, sagt Städler. Sein gewisses Etwas sei die Frisur. “Es gibt wenig Models mit kurzen Haaren. Das ist sicher ein Vorteil.” Das Reizvolle an seinem Job sei das Reisen. “Man kommt herum und lernt viele Leute aus verschiedensten Kulturen kennen”, sagt er. Die Welt, in der er sich jetzt bewegt, unterscheidet sich diametral vom Bau, wo der gelernte Detailhandelsfachmann zuletzt in der Schweiz gearbeitet hat. “Mir kam das am Anfang sehr schräg rein, aber ich habe mich daran gewöhnt”, sagt Städler.

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für Dirk Bikkembergs’ Frühlingskollektion 2017

Zimmer in Diepoldsau

Einen festen Wohnsitz hat Städler nicht. Bei seiner Mutter in Diepoldsau hat der Halbbrasilianer noch ein Zimmer. Er ist meistens zwei bis drei Monate in einer Stadt, dann geht es wieder weiter. Doch genau diese Rastlosigkeit gefällt ihm. “Es ist ein Gefühl der Befreiung”, sagt er. Er sei kein Mensch der Routine. “Ich brauche immer einen Wechsel nach zwei bis drei Monaten, sonst wird es mir langweilig.” Städler wuchs in Widnau auf, zog für die Lehre nach Diepoldsau und arbeitete dann auf dem Bau als Unterlagsbodenleger.

Noch vermisst er die Schweiz nicht. “Ich habe kein Heimweh. Die Reiserei und Ferne waren ja die Gründe, warum ich ins Modelbusiness kam.” Eine Beziehung hat in Städlers Leben keinen Platz. “Es würde mir den Spass an der Sache nehmen”, sagt er.

Auf dem Weg nach New York

Im September geht die Arbeit dann wieder richtig los. Städler reist nach Mailand, wo er verschiedene Castings haben wird. Konkrete Aufträge gibt es noch nicht. “Darum gehe ich einfach mal nach Mailand und schaue, was passiert”, sagt er. Man könne nie genau sagen, was für Jobs einen erwarten, das hänge ganz von den Kunden ab. “Es kann auch sein, dass es bei der Agentur heisst: Morgen reist Du nach London für drei Tage”, und dann macht Städler das. So läuft das Business.

Kevin Städler weiss, was er will. “Das finde ich auch wichtig. Man braucht ein klares Ziel, auf das man hinarbeitet”. Er will in New York Fuss fassen. Weit weg scheint die amerikanische Modemetropole für den ambitionierten Rheintaler nicht mehr zu sein.


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