600-Tonnen-Schiff in Basel ausgewässert

Bei den letzten Zentimetern vor der Anlandung des Leuchtfeuerschiffs "Gannet" war Millimeterarbeit und Muskelkraft gefragt.
Bei den letzten Zentimetern vor der Anlandung des Leuchtfeuerschiffs "Gannet" war Millimeterarbeit und Muskelkraft gefragt. © KEYSTONE/GEORGIOS KEFALAS
Unter den Augen von vielen Schaulustigen ist am Dienstag in Basel ein 600 Tonnen schweres Schiff an Land gehievt worden. Es soll künftig als Veranstaltungsraum des Zwischennutzungsprojekts Holzpark beim Basler Rheinhafen dienen.

Kurz nach 11 Uhr war es soweit: Die vielen Schaulustigen, die zum Zwischennutzungsareal Holzpark beim Rheinhafen gepilgert waren, applaudierten. Sie hatten mitverfolgt, wie ein 600 Tonnen schweres englisches Leuchtfeuerschiff mit dem Namen «Gannet» von einem riesigen Raupenkran vom Rhein ans Land gehievt wurde.

Tom Brunner vom Verein Shiftmode und zusammen mit Katja Reichenstein Initiant der Aktion, hielt für die Fotografen den Daumen nach oben. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass das Schiff im rund drei Meter tiefen Graben am Ufer nicht ganz gerade steht und noch exakt ausgerichtet werden muss. Alles in allem verlief die rund drei Stunden dauernde Auswässerung, die um 9 Uhr begonnen hatte, reibungslos, wie Verantwortliche vor Ort sagten.

Das Schiff soll auf dem Zwischennutzungsareal als Ganzjahres-Veranstaltungsraum für bis zu 300 Personen und als kleines Restaurant genutzt werden. «Wir müssen das Schiff aber erst herrichten, so dass es frühestens in einem Jahr genutzt werden kann», sagte Reichenstein. Die ganze Aktion koste, vom Kauf des Schiffs über den Transport bis zum bevorstehenden Umbau, knapp 900’000 Franken.

Die Installierung des Schiffs ist eigentlich eine Verlegenheits- oder Alternativlösung zu den ursprünglichen Plänen der Zwischennutzer. Der Verein Shiftmode hatte, als er das ehemalige Migrolareal 2014 vom Kanton Basel-Stadt als Host für Zwischennutzer übernahm, den Bau von mehreren Holzhallen geplant. Diese hätten auf dem leeren Gelände als Lärmschutz dienen und einen Ganzjahresbetrieb ermöglichen sollen.

Wegen Einsprachen vor allem aus den Reihen der benachbarten Wohngenossenschaft Klybeck verzögerten sich die Pläne aber über Jahre. Als das Basler Apellationsgericht im Herbst 2017 als dritte Instanz den Rekurs gegen die Betriebsbewilligung der Hallen abwies, neigte sich der ursprünglich auf 2019 befristete Zwischennutzungsvertrag bereits dem Ende zu.

Die Basler Regierung hat den Vertrag inzwischen aber bis ins Jahr 2024 verlängert. «So entstand bei uns die Idee, doch noch eine Lösung für einen Bau auf dem Areal zu suchen», sagte Reichenstein. Rasch sei man auf ein ausgedientes Schiff als Veranstaltungsraum gekommen. «Wir haben uns unter anderem auf Schiffs-Friedhöfen rund 1100 Schiffe angeschaut, bis wir uns in das Leuchtfeuerschiff verliebt haben.»

Das 42 Meter lange Schiff lag rund 70 Jahre als schwimmender Leuchtturm vor der irischen Küste vor Anker. Im Mai und Juni wurde es über Rotterdam auf dem Rhein bis nach Basel transportiert.

(SDA)


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