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Welttag des Händewaschens

Was wurde eigentlich aus der proklamierten Händehygiene in der Corona-Pandemie?

Oliver Varga, 15. Oktober 2021, 06:39 Uhr
Wir alle mögen uns wahrscheinlich bestens an den Beginn der Corona-Pandemie erinnern. Bei jeder Gelegenheit rief der Bundesrat, seine Experten sowie die Infektiologen zum regelmässigen Händewaschen oder -desinfizieren auf. Jetzt wurde es verdächtig still um die Thematik. ArgoviaToday greift sie im Rahmen des Welttags des Händewaschens wieder auf.
Auch wenn die Wissenschaft im Laufe der Corona-Pandemie dazu lernte; Regelmässiges Händewaschen schadet nicht.
© KEYSTONE/DPA/Rolf Vennenbernd

20 bis 30 Sekunden sollten die Hände gewaschen werden. Um diese Zeit einzuhalten, wurden eigene Songs kreiert, welche man in Gedanken mitsingen und so sicher gehen konnte, dass die Hände sauber sind. So sollte die Übertragung des Coronavirus durch sogenannte Schmierinfektionen verhindert werden. Fast zwei Jahre später hat man den Eindruck, dass die Händehygiene in der Corona-Pandemie kaum mehr eine Rolle spielt.

Wissenschaft lernte im Verlauf der Pandemie dazu

Die Coronaviren überleben laut Christoph Fux, Chefarzt Infektiologie am Kantonsspital Aarau, auf Oberflächen weniger lang als zu Beginn der Pandemie befürchtet. «Wenn jemand beispielsweise auf einen Tisch hustet, denn geht es nicht lange, bis die Viren nicht mehr vermehrungsfähig sind», erklärt Fux. Initial hatte man alle Proben nur mit PCR-Tests untersucht. Diese können Viren noch nachweisen, nachdem sie schon Stunden- bis Tagelang tot sind und niemanden mehr anstecken können. Erst als man die Viren von Oberflächen-Abstrichen zu kultivieren versuchte, merkte man, dass sie sich nicht mehr vermehren und damit auch niemanden mehr anstecken konnten. Während also die Infektionsrisiken durch Schmierinfektionen sanken, nahm die Gefahr einer Übertragung des Coronavirus durch Tröpfchen oder Aerosole umso mehr zu. «Das ist darin begründet, dass die entstandenen Mutanten des Coronavirus – also vom ursprünglichen Virus aus Wuhan, über die Alphavariante bis hin zur Deltavariante – die Ansteckungsfähigkeit jeweils um 50 Prozent erhöhen konnten», klärt Christoph Fux auf. Mittlerweile ist die Ansteckungsfähigkeit der herrschenden Coronavirus-Varianten mehr als doppelt so hoch wie zu Beginn der Pandemie. Es brauche deshalb auch nicht mehr viele Tröpfchen, um sich mit dem Virus anzustecken, so der KSA-Chefinfektiologe weiter.

Braucht es also keine Händehygiene mehr?

Gemäss Fux zeigt der wissenschaftliche Stand heute klar, dass die Hauptübertragung mit dem Coronavirus über Tröpfchen oder Aerosole geschieht. Kann die Händehygiene somit vernachlässigt werden? «Das kann man so nicht sagen. Wir haben den Verzicht auf das Händeschütteln konsequent umgesetzt und einen Übertragungsweg damit eliminiert. Auch die Händehygiene sollten wir so weiterführen, wie wir es in der Pandemiesituation gelernt haben», antwortet Christoph Fux. Denn dies sei auch im Hinblick auf die kommenden Wintermonate und einer möglichen Grippewelle wichtig. Das bedeutet aber nicht, dass man seine Hände zwanghaft waschen muss: «Die Hände müssen dann gewaschen werden, wenn man von draussen in eine private Umgebung kommt, nach der Toilette und bevor man mit den Händen zum Mund geht.» Somit macht das Händewaschen also auch vor dem Essen Sinn. Dabei braucht es auch kein Desinfektionsmittel. Laut Fux reicht das normale Händewaschen mit Seife aus.

Auch ohne Pandemie: Regelmässiges Händewaschen schadet nicht

Zum Welttag des Händewaschens sollte deshalb nochmals in Erinnerung gerufen werden, dass regelmässiges Händewaschen – Pandemie hin oder her – der persönlichen Hygiene dient. Und auch im Hinblick auf die kommende Grippesaison ist diese Massnahme ein wesentlicher Schutz. «Das war unter anderem einer der Gründe, weshalb wir im letzten Winter kaum Grippefälle hatten», ist Fux überzeugt.

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 15. Oktober 2021 07:16
aktualisiert: 15. Oktober 2021 06:39