«Als Lehrerin ist der Schulstart schöner»

Von Lena Rhyner
Sie hat heute einen speziellen Tag: Céline Fuchs tritt ihre erste Stelle als Primarlehrerin an.
Sie hat heute einen speziellen Tag: Céline Fuchs tritt ihre erste Stelle als Primarlehrerin an. © zVg
Für tausende Schüler im FM1-Land beginnt heute das neue Schuljahr. Den ersten Schultag hat dieses Jahr auch die 22-jährige Céline Fuchs. Doch sie drückt nicht die Schulbank, sondern ist zum allerersten Mal Lehrerin einer Primarklasse.

Céline Fuchs öffnet die Tür zum Lehrerzimmer, dem Raum, der Kindern wohl so mysteriös vorkommt wie die Area 51. Es ist der heilige Ort der Primarlehrer. Dass sie einen Schlüssel für dieses Zimmer hat, ist für Céline Fuchs neu. Die 22-jährige Oberuzwilerin unterrichtet ab Montag die 5. Klasse in der Primarschule Niederhelfenschwil.

Sie ist eine der 146 Diplomandinnen und Diplomanden, welche diesen Frühling ihr Studium zur Primarlehrperson an der Pädagogischen Hochschule St.Gallen abgeschlossen haben. Für sie also ein ganz spezieller Start, denn zum ersten Mal ist sie nach den Sommerferien nicht Schülerin, sondern Lehrerin. «Nervös bin ich sicher im positiven Sinne. Es ist mehr eine Vorfreude darauf, endlich zu starten», sagt sie. Nach zwölf Jahren Schule sei sie froh, endlich arbeiten zu können.

Perspektivenwechsel mit Folgen

Man kennt es: Der Sonntagabend vor dem Start ins neue Schuljahr ist getränkt in Melancholie und in Ernüchterung, dass die langen Tage in der Badi vorbei sind und am Mittwochnachmittag nun Hausaufgaben gemacht werden müssen.

Das war zwölf Jahre lang auch bei Céline Fuchs so. Nun sieht sie den Schulstart aus einer ganz anderen Perspektive. «Auf der anderen Seite ist die Vorfreude deutlich höher», sagt sie. Für die Schüler sei das natürlich nicht das Gleiche. «Wir alle wissen, wie es sich anfühlt, wenn die Schule wieder beginnt. Aber ich hoffe, dass ich sie mit meiner Vorfreude anstecken kann.»

Bereits Postkarte bekommen

Es ist nicht das erste Mal, dass die Fünftklässer aus Niederhelfenschwil Frau Fuchs am Montagmorgen die Hand schütteln. Im alten Schuljahr hat sie ihre zukünftige Klasse bereits besucht, den Stundenplan vorbei gebracht und sich vorgestellt. Das hat gereicht, dass sich die Kinder auf ihre neue Lehrerin freuen. «Während der Sommerferien habe ich im Schulzimmer Lektionen vorbereitet, als ich plötzlich einen Schüler auf dem Fussballplatz meinen Namen rufen hörte. Ich schaute aus dem Fenster und da standen einige Buben der neuen Klasse, die mir zuwinkten», sagt sie. Offenbar wussten sie bereits, wo ihr Schulzimmer ist. Solche Momente seien der Grund, warum sie sich für diesen Job entschieden habe. «Eine Schülerin hat mir sogar eine Postkarte aus den Ferien geschickt.»

«Alles kann schiefgehen»

Das Schulhaus in Niederhelfenschwil ist leer. Noch. Doch in wenigen Stunden werden hier hunderte Schüler rumwuseln, den Freunden von den Ferien erzählen und sich gegenseitig darin bekräftigen, wie wenig sie sich auf das neue Schuljahr freuen. Bammel vor dem Start hat Céline Fuchs nicht. Und trotzdem: Was passiert, weiss man nie. «Es kann alles schiefgehen am ersten Schultag», sagt die frischgebackene Lehrerin. Aber retten könne man jede Situation, das habe man in der Ausbildung gelernt.

Céline Fuchs verabschiedet sich und geht wieder zurück ins Lehrerzimmer. Da, wo sie jetzt einfach reinspazieren kann und nicht mehr mit der Freundin bespricht: «I chlopf, du redsch.»


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