Ansturm auf Appenzeller Wandertafeln

Von Krisztina Scherrer
Wer eine Tafel wollte, musste früh aufstehen.
Wer eine Tafel wollte, musste früh aufstehen. © FM1Today/Krisztina Scherrer
Die Hauptgasse in Appenzell war am Mittwochmorgen gestossen voll. Etwa 300 alte Wandertafeln wurden zum Verkauf angeboten. Innerhalb einer Stunde waren praktisch alle weg.

Der Tag hat gerade erst angefangen, das Appenzellerland ist noch verschlafen und der Nebel löst sich erst langsam auf. In Appenzell ist es ruhig, nur die Sitter rauscht laut. Läuft man Richtung Dorfmitte, «kläpft» und «tätscht» es auf einmal. Grund dafür ist ein Stand am Chlausmarkt.

Wandertafeln zu verkaufen

Gross, klein, lang oder kurz: Auf fünf verschiedenen Tischen liegen kreuz und quer gelbe Wandertafeln aus dem Alpstein, die zu verkaufen sind: «Die alten Wandertafeln wurden ersetzt. Wir wollten sie nicht ins Alteisen werfen, sondern der Bevölkerung etwas zurückgeben», sagt Guido Buob, Geschäftsleiter von Appenzellerland Tourismus Innerrhoden.

Hochbetrieb am Wandertafeln-Stand. (Bild: FM1Today/Krisztina Scherrer)

Dutzende wollen Tafeln

Wer nicht früh aus den Federn war, ging leer aus. «Wir sind echt überrascht, dass so viele Leute hier sind. Viele stehen schon seit 7 Uhr an. Wir haben nicht damit gerechnet, dass die Wegweiser so beliebt sind», sagt Guido Buob. Um 8 Uhr öffnete der Stand offiziell und von da an standen Dutzende um die Stände und wuselten in den Tafeln rum.

Von der Arbeit direkt zum Chlausmarkt

«Ich bin mega früh aufgestanden und meinem Mann zuliebe hier. Er wandert für sein Leben gern», sagt Helena aus Wittenbach. In ihren Armen stapeln sich sechs gelbe Wandertafeln. Martin aus Appenzell ist gleich nach seiner Nachtschicht beim Chlausmarkt vorbeigegangen: «Ich gehe regelmässig wandern und will mir ein Stück Alpstein ins Wohnzimmer holen.»

Die meisten Leute kaufen sich gleich mehrere Tafeln. (Bild: FM1Today/Krisztina Scherrer)

«Gasse voller Leute»

Die Helfer hatten alle Hände voll zu tun. «Ich bin dafür zuständig, die Wegweiser aus den Boxen zu nehmen und auf dem Tisch auszubreiten, so dass alles möglichst speditiv und schnell vorangeht. Als ich um 7.45 Uhr angekommen bin, war die Gasse schon voller Leute», sagt ein Helfer. Bereits um 9 Uhr lagen nur noch einzelne Tafeln auf den Tischen. «Wir haben nicht mit einem so grossen Ansturm gerechnet, sind aber happy», sagt die Kassiererin.

Happy ist auch Hanni aus Walzenhausen. Sie will mit der Wandertafel ihrem Sohn eine Freude machen: «Er wandert für sein Leben gern im Alpstein. Jetzt habe ich das perfekte Geschenk für seinen 40. Geburtstag.»

Die Wandertafeln sind alle aus dem Alpsteingebiet. Sie wurden für zehn Franken pro Zeile verkauft. Die teuerste Tafel kostete 90 Franken. Der Erlös kommt wieder den Wanderern zugute. Das Geld wird eingesetzt, um die Wanderwege im Alpstein mit Infotafeln auszustatten. Berggasthäuser hatten ein Vorkaufsrecht. Sie konnten sich Tafeln mit ihrem «Namen» vorab sichern.


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