Kirchenfrauen provozieren für Gleichberechtigung

Auch die Kirchenfrauen planen verschiedene Aktionen am nationalen Frauenstreiktag.
Auch die Kirchenfrauen planen verschiedene Aktionen am nationalen Frauenstreiktag. © frauenbund.ch
Tausende Frauen in der ganzen Schweiz werden am Freitag streiken – am nationalen Frauenstreiktag. Mit dabei sind auch die Frauen von der Kirche. Die Forderungen der Kirchenfrauen ist klar: Gleichberechtigung. Dazu bricht eine Religionslehrerin mit Tabus.


«Wir gehen am Freitag auf die Strasse, weil wir eine Kirche wollen, bei der die Frauen auf allen Ebenen mitreden, mitentscheiden und mithandeln können», sagt die FM1-Pfarrerin Charlotte Küng. Sie hofft, dass man ein Zeichen setzen kann, damit sich die Gesellschaft und die Politik verändern. Sie ist sich aber auch bewusst, dass gewisse Kreise diese Akzeptanz nicht wollen. Gewisse Leute hätten Angst, dass sie ihre Macht und ihren Einfluss verlieren könnten.

Pinker Punkt der Kirchenfrauen

Neben den grossen Frauen-Demos und Kundgebungen am Freitag 14. Juni finden an diversen Orten auch Randaktivitäten statt. Auch die Kirchenfrauen werden da mitmachen. Ihr Markenzeichen ist ein pinker Punkt auf der Kleidung oder den Plakaten. Weiter dehnen die Kirchenfrauen den Streik auf das Wochenende aus. Charlotte Küng sagt, dass es an vielen Orten spezielle Gottesdienste geben wird. Hauptthema dabei: Gleichberechtigung.

Provozieren in der Kirche – Penis oder Arschloch

Eine, die in einem solchen Gottesdienst predigt, ist Claudia Rupf, Religionslehrerin in der Pfarrei Henau-Niederuzwil. Sie möchte provozieren: «Ich gehe nicht streiken. Ich glaube, ich provoziere mehr im Gottesdienst.»

In den beiden Gottesdiensten in Bichwil und Henau geht es denn auch um das Thema Gleichberechtigung. «Ich werde Wörter in den Mund nehmen, welche man so eigentlich in der Kirche nicht sagt», sagt Rupf. Beispiel gefällig? «Wörter wie Penis oder Arschloch.»

Es würde in der Bibel eine Stelle geben, in der steht, dass alle Körperteile gleichberechtigt wären. «Ich würde sagen, dass dies eben in der Kirche nicht so ist.» Claudia Rupf ist sich bewusst, dass diese Aussagen nicht alle Kirchengänger freuen werden. Sie glaubt aber auch, dass die Gottesdienstbesucher offener sind als die Kirchenobrigkeit. Und deshalb denkt sie, dass ihre Predigt nicht schlecht ankommen wird.

Die Männer ziehen mit

Unterstützt werden die Kirchenfrauen auch von zahlreichen Männer aus dem Kirchenumfeld. Einer davon ist Kari Bürgler, Seelsorger in der Seelsorgeeinheit Uzwil und Umgebung. Er findet, dass die Frauen auch in der Kirche und der Gesellschaft das gleiche Recht haben sollten wie die Männer.

Sowieso ist Gleichberechtigung laut Bürgler ein absolut biblisches Thema. «Schon Jesus versuchte, Menschen ohne Unterschied zu machen. Und genau das müssen wir auch machen.»

Auch Kari Bürgler wird am Frauenstreiktag teilnehmen und in seiner Gemeinde «Willisauerringli» mit dem pinken Punkt darauf verteilen. «Die Willisauerringli passen zum Kirchenfrauen-Logo, dazu müssen wir uns in Sachen Gleichberechtigung noch die Zähne ausbeissen.»

Hier gibt es die kompletten Beiträge der FM1-Sendung «Gott und d’Wält» zum Thema Kirchenfrauenstreik:
(lae)


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