«Handwerker, Künstler und Psychologe»

Laurien Gschwend, 18. April 2017, 08:02 Uhr
Brustimplantate, Fettabsaugung, Facelifting oder Nasenkorrektur - Schönheitschirurgen sind in der Schweiz gefragt. Unsere Schönheitswoche startet heute mit der Frage, was der wohl bekannteste Schönheitschirurg Europas alles so operiert - und wo es gar ihm zu weit geht.

Zum Auftakt unserer Schönheitswoche haben wir mit dem international bekannten Schönheitschirurgen Werner Mang gesprochen. Er operiert jedes Jahr hunderte Frauen und Männer.

Ein Unfall wurde zum Schlüsselerlebnis

Zum Beruf des Schönheitschirurgen kam der Arzt dadurch, dass er in seiner Kindheit einen Unfall beobachtete, bei dem ein Bekannter zusammengeflickt werden musste. «Da wusste ich, das ist mein Beruf; Leuten nach Unfällen zu helfen», sagt Werner Mang. Damals war dem Schönheitschirurgen noch nicht klar, dass er irgendwann Menschen plastisch verschönern würde. «Es ging mir hauptsächlich um Unfallchirurgie, die Schönheitschirurgie war damals noch in den Kinderschuhen.»

Ein Chirurg ist Handwerker, Künstler und Psychologe

Wer als Chirurg arbeitet, muss nicht nur künstlerisch, sondern auch handwerklich geschickt sein. «Ich bastle zum Beispiel auch Modelleisenbahnen», sagt Mang. «Aber in der Schönheitschirurgie muss ich auch künstlerisch sein, ich schöpfe ja etwas Neues und muss daher auch kreativ sein. Man hat mich mal 'Karl Lagerfeld der plastischen Chirurgie' genannt.» Zusätzlich müsse ein guter Chirurg auch Psychologe sein. «Zum Beispiel wenn Leute Dinge wollen, die man nicht realisieren kann.»

«Beide Seiten machen glücklich»

Mang operiert sowohl Schönheitsfehler, als auch zerstörte Körperteile nach Unfällen. «In der Unfallchirurgie sind die Leute oft erstaunt, was man alles wieder herrichten kann. In der Schönheitschirurgie sind manche vom Ergebnis enttäuscht. Nicht, weil das Ergebnis schlecht ist, sondern weil sie eine zu grosse Erwartung hatten.» Das sei auch ab und an frustrierend.

Manche wollen mit der OP ihre Ehe retten

Immer wieder kommen Patienten zu Mang, die mit einer Operation mehr verfolgen, als sich zu verschönern. «Manchmal kommen Frauen und wollen sich liften lassen, weil ihr Mann eine jüngere Liebschaft hat.» Ehen könne er nicht retten. Leben habe er aber schon einige verschönert. «Wenn man nach Brustkrebs oder nachdem man seinen Partner verloren hat, ein neues Aussehen will, dann kann ich den Leuten fast ein neues Leben ermöglichen.» Viele Schönheitsoperationen seien also auch medizinisch vertretbar.

Der Schweizer ist kritischer

Mang operiert in seiner Bodenseeklinik in Lindau Menschen aus allen Ländern. Die Schweizer sind dabei besonders kritisch gegenüber ihrer Operation. «Für die Beratung vor der Operation brauche ich länger, weil die Schweizer oft viel mehr Fragen haben. Die Österreicher sind im absoluten Gegenteil dazu völlig easy, die Deutschen liegen irgendwo in der Mitte.» Die meisten seiner Patienten seien ganz normale Hausfrauen, in seiner Klinik hängen aber auch einige Fotos von Prominenten.

Schauspieler checken unter falschen Namen ein

Das Image der Schönheitschirurgie hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt. «Früher gab mir an offiziellen Anlässen niemand die Hand, heute tanzen die Leute gar mit mir.» Nur bei den Promis wird noch ein Tamtam um die Operationen gemacht. «Schauspieler haben ihren eigenen Trakt und checken mit falschem Namen ein.»

«Ich mache nicht alles»

Seit 30 Jahren schnippelt Mang an fremden Körpern herum. Nicht alle, die zu ihm kommen, dürfen bei ihm aber tatsächlich unters Messer. «Wenn Patienten Waden- oder Sixpackimplantate haben wollen oder wenn sich Frauen eine Rippe rausnehmen lassen wollen, damit sie die Taille von Victoria Beckham haben, dann schicke ich sie wieder nach Hause, solche Operationen sind medizinisch völliger Unsinn.» Auch bei zu viel Botox oder riesigen Brustimplantaten ist Mang vorsichtig.

Für Mang gilt ganz klar: Gesundheit vor Schönheit. «Eine Schönheitsoperation ist auch eine Operation, da braucht es einen Klinikaufenthalt, einen Anästhesisten und geschultes Personal, das geht nicht 'zack zack' wie ein Besuch beim Friseur.» Auch bei einer optimalen Vorbereitung könne einmal etwas passieren.

Wie stehst du zu Schönheitsoperationen?

«Bei mir ist noch alles»

Mang hat schon tausende Gesichter und Körper operiert, sein eigener sei aber noch OP-frei. «Ich bin jetzt über 60, fühle mich aber wie 50 Jahre alt. Ich habe einfach gute Gene, meine Mutter hat auch mit 90 noch fast keine Falten.» In Amerika sehe er die Chirurgen, die sich selbst Botox spritzen und an jedem etwas rummäkeln. «So bin ich nicht, ich bin ein bodenständiger Alemanne vom Bodensee.»

Mang hat nicht vor, an sich rumzuschnippeln, er trägt sich lieber in anderer Weise Sorge. «Man kann Schönheitsoperationen gut vorbeugen, zum Beispiel indem man viel Wasser trinkt, sich bewegt, genug schläft und mediterran isst.» Übergewicht, Rauchen und Alkohol seien die Killer Nummer 1 für gesunde Haut.

Das Interview führte Joe Keller.

Was würdet ihr gerne an euch verändern? Schreibt es uns in die Kommentare.

Laurien Gschwend
Quelle: enf
veröffentlicht: 18. April 2017 05:49
aktualisiert: 18. April 2017 08:02