So viel Sackgeld ist richtig

René Rödiger, 3. September 2015, 13:27 Uhr
Das Kind soll sich vom Sackgeld etwas leisten.
Das Kind soll sich vom Sackgeld etwas leisten.
© Bethany Clarke/Getty Images
Wie viel Sackgeld ist angemessen? Und wofür soll man dieses Geld sparen? Wir geben Tipps für Eltern, Kinder und Jugendliche und verraten auch, wie man sich zwischendurch einen grösseren finanziellen Wunsch erfüllen kann.

Die Meinungen zum Sackgeld gehen häufig auseinander. Zumindest zwischen Gebern und Empfängern, sprich: Eltern und Kindern. Klar ist, dass das Sackgeld ein wichtiges Lernmittel ist. Und wirtschaftlich ein grosser Faktor. So erhalten laut Pro Juventute Jugendhilfe Kinder und Jugendlich ein der Schweiz jährlich rund 600 Millionen Franken Sackgeld. Mit diesen Mitteln sollten sie lernen, nicht mehr auszugeben als sie einnehmen. Denn: Laut der AG für Werbemittelforschung (Wemf) hat jeder Jugendliche über 13 Jahren im Schnitt bereits über 500 Franken Schulden.

Auch die Budgetberatung Schweiz schreibt, dass der Sinn des Sackgelds unbestritten sei: "Denn nur mit dem eigenen Geld werden Begriffe wie planen, einteilen, verzichten, sparen, aber auch sich etwas leisten lebendig und nur mit eigenem Geld werden Schulden und die Schwierigkeit ausgeliehenes Geld einzutreiben spürbar."

Doch wie viel Sackgeld ist richtig? Die Budetberatung Schweiz gibt als Empfehlung folgende Beträge vor:

1. Schuljahr 1 Franken pro Woche
2. Schuljahr 2 Franken pro Woche
3. Schuljahr 3 Franken pro Woche
4. Schuljahr 4 Franken pro Woche
5. und 6. Schuljahr 20 bis 30 Franken pro Monat
7. und 8. Schuljahr 30 bis 40 Franken pro Monat
9. und 10. Schuljahr 40 bis 50 Franken pro Monat

Grundsätzlich kann auch schon früher Sackgeld gegeben werden. Sobald Kinder zu rechnen beginnen und den Wert des Geldes begreifen, können mehrere kleine Münzen gegeben werden. So lernen sie auch einen spielerischen Umgang mit dem Geld.

Ab der Mittelschule kann den Jugendlichen auch mehr Verantwortung gegeben werden. Und entsprechend zusätzlich zum Sackgeld Mittel für monatliche Ausgaben:

Sackgeld/Handy 50 bis 100 Franken pro Monat
Kleider, Schuhe 70 bis 80 Franken pro Monat
Coiffeur, Pflege 30 bis 40 Franken pro Monat
Schulmaterial 20 Franken pro Monat
Auswärtige Verpflegung 10 Franken pro Tag
Sport Je nach Aufwand
Fahrkosten, Velo Je nach Aufwand

Wichtig ist, dass Eltern und Kinder offen über das Sackgeld sprechen. So soll auch zu Sprache kommen, dass nicht jede Familie gleich viel Geld zur Verfügung hat. Sollte das Sackgeld regelmässig vor Ende des Monats ausgehen, hilft es, ein Budget zu erstellen.

Eltern müssen beachten, dass das Sackgeld kein Erziehungsmittel für das Verhalten ist. Sackgeld gibt es regelmässig und pünktlich, egal ob das Kind brav war oder nicht. Das Kind oder der Teenager entscheidet selbst, wofür er oder sie das Sackgeld ausgibt. Hier heisst es im Artikel 323 des Zivilgesetzbuches (ZGB): "Was das Kind durch eigene Arbeit erwirbt und was es von den Eltern aus seinem Vermögen zur Ausübung eines Berufes oder eines eigenen Gewerbes herausbekommt, steht unter seiner Verwaltung und Nutzung."

Vom Sackgeld gibt es nie Vorschüsse. Für Extrawünsche, die das Budget übersteigen, gibt es Geburtstage oder Weihnachten. Zudem kann man sich auch einen Job suchen. Hier sind die Eltern sicher bereit, für ausserordentliche Leitungen im Haushalt einen kleinen Lohn zu bezahlen.

René Rödiger
veröffentlicht: 3. September 2015 11:52
aktualisiert: 3. September 2015 13:27