Tierliebe über den Tod hinaus

Laurien Gschwend, 5. März 2017, 08:48 Uhr
Das geliebte Haustier auf dem Friedhof besuchen zu können, bietet für manche Menschen Trost. (Symbolbild)
© KEYSTONE/Dominic Favre
Für einige Personen ist ein Haustier wie ein Kind. Verstirbt dieses, ist die Trauer gross. Eine Möglichkeit, dem Vierbeiner zu gedenken, ist ein Grab auf dem Tierfriedhof oder eine Urne für den treuen Begleiter.

Es ist ein Schmerz, den sich eine Person, die niemals ein Haustier hatte, nicht vorstellen kann. Wenn der tierische Begleiter plötzlich stirbt. Den Hund oder die Katze nach dem Tod in einer Kadaverstelle zu entsorgen, ist für manches Frauchen oder Herrchen schlicht unmöglich.

«Wenn einem ein Tier fast zwei Jahrzehnte bedingungslos zur Seite gestanden ist, finde ich eine angemessene Beisetzung nichts als fair», sagt Raphael Bühlmann. Gemeinsam mit seinem Vater betreibt er in Emmenbrücke bei Luzern einen der beiden offiziellen Tierfriedhöfe der Schweiz. Der andere ist im Baselbiet.

Nachfrage nach Tierbestattung steigt

Das Angebot, das Tier bestatten zu lassen ihm nachher am Grab gedenken zu können, werde immer reger genutzt, schliesslich sei es selbstverständlich, dem Tier auch über den Tod hinaus Respekt entgegenzubringen. Bis heute sind 250 Haustiere auf dem Tierfriedhof in Emmenbrücke bestattet worden.

Raphael Bühlmann und sein Vater bieten nur die Infrastruktur an, das Haustier nach dem Tod beizusetzen, weiter möchten sie nicht gehen. «Das Tier soll nicht wie ein Mensch behandelt werden, deshalb gibt es bei uns keine Zeremonie mit Lebenslauf und Trauerfeier», sagt er in der FM1-Sendung «Gott und d'Wält». Auch auf religiöse Symbole wie Rosenkränze oder Kreuze verzichte man.

«Jeder muss spüren, was für ihn stimmt»

Wenn jemand anrufe, dass das geliebte Haustier gestorben sei, gehe es manchmal sehr emotional zu und her, so Raphael Bühlmann. «Vor allem bei jenen Personen, die alleine leben, hat das Haustier einen besonderen Stellenwert», weiss er aus Erfahrung. Dann liege es an ihm, den Hinterbliebenen zuzuhören und darüber zu sprechen, wie es weitergehe. «Das ist sehr individuell. Jeder muss selber spüren, was für ihn stimmt.»

Neben einer Erdbestattung kommt für manche Tierbesitzer eine Kremation in Frage. Damit das Tier auch in Form von Asche in besonderer Erinnerung bleibt, kreiert Philipp Eigenmann, Inhaber der Keramik-Werkstatt Schädler im liechtensteinischen Nendeln, Tierurnen. Früher habe er in seiner Werkstatt viele spezielle Teller für Kinder hergestellt. Diese Nachfrage ist heute geringer, dafür fertigt er viele Tierurnen. «Einige Personen sind geschieden, einsam, und verwöhnen ihr Tier wie ein Kind.»

Katzen und Kanarienvögel in Urnen

Weil er gemerkt hat, dass die Nachfrage nach Andenken an die tierischen Begleiter gross ist, hat er in den 90er Jahren damit begonnen, Tierurnen herzustellen. Die Asche von Tieren, «vor allem von Katzen und Hunden, aber auch von Meerschweinchen und Kanarienvögeln», landet in den kugel-, herz-, pyramiden- oder sternförmigen Behältern. Darauf stehen dann der Name, das Geburts- und das Todesdatum des Tiers. «Manche lassen kleine Romane darauf schreiben, um auszudrücken, wie gerne sie das Tier hatten», sagt Eigenmann.

Was meinst du: Kann Tierliebe zu weit gehen - auch über den Tod hinaus? 

Die aktuelle «Gott und d'Wält»-Ausgabe zum Nachhören: 

"GuW 386 Tierfriedhof 1" von 05.03.2017.


"GuW 386 Tierfriedhof 2" von 05.03.2017.

"GuW 386 Tierfriedhof 3" von 05.03.2017.

Laurien Gschwend
Quelle: lag
veröffentlicht: 5. März 2017 08:48
aktualisiert: 5. März 2017 08:48