Bei Villa Wiesental entsteht Geschäftshaus

Die marode Villa Wiesental in der Nähe des Bahnhofs St.Gallen soll renoviert werden. (Archivbild)
Die marode Villa Wiesental in der Nähe des Bahnhofs St.Gallen soll renoviert werden. (Archivbild) © Tagblatt/Daniel Dorrer
Endlich ist klar, was mit der 140-jährigen Villa Wiesental in der Stadt St.Gallen passiert: Die Pensionskasse kauft und renoviert die Immobilie – auf demselben Grundstück will sie einen mehrstöckigen Office-Neubau für rund 28 Millionen Franken errichten.

Verlassen und zusammengefallen steht sie da: Die Gründerzeitvilla Wiesental mit Baujahr 1878 an der Rosenbergstrasse. Drei Jahre war es still um das französisch angehauchte Gebäude in St.Gallen. Dieser Zustand ändert sich nun: Die St.Galler Pensionskasse kauft der HRS Investment AG die Villa Wiesental ab, will diese renovieren und daneben ein mehrstöckiges Geschäftshaus mit Tiefgarage bauen. Der Garten der Villa soll der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. «Dies ist der dritte und hoffentlich letzte Anlauf für die Villa Wiesental», sagt Michael Breitenmoser, Leiter der Immobilienentwicklung der HRS.

Die Villa Wiesental steht ganz in der Nähe des Bahnhofs und der Fachhochschule St.Gallen:

Der Kaufvertrag sei am vergangenen Freitag seitens HRS und Pensionskasse rechtsgültig geschlossen und im Grundbuch vermerkt worden, teilt die HRS am Dienstag mit. Der Sachverständigenrat der Stadt St.Gallen habe die Renovation und den Neubau an verschiedenen Sitzungen beraten und als «städtebaulich vorzüglich» erachtet. «Wir haben alle mit im Boot und deshalb könnte es dieses Mal endlich klappen», so Breitenmoser von der HRS.

Baustart im Jahr 2020

Zuständig für die fachgerechte Renovation der Villa und den Bau des Office-Gebäudes ist die HRS Real Estate AG als Totalunternehmerin. Nach der öffentlichen Auflage des 28-Millionen-Projektes soll 2020 mit der Sanierung und dem Neubau gestartet werden. «Wir versuchen, über die Materialität, die Farbigkeit und die Strukturen des Neubaus der alten Villa gerecht zu werden», erklärt Rogger Boltshauser, zuständiger Architekt. Die beiden Gebäude sollen sich gegenseitig bedingen «wie zwei Brüder». Die Verantwortlichen hoffen, dass es ein schöner Ort für die St.Galler wird.

So soll das Grundstück der Villa Wiesental dereinst aussehen. (Visualisierung: pd)

«Die Pensionskasse St.Gallen mit über 3500 Versicherten und einer Bilanzsumme von rund 1,5 Milliarden Franken sieht den Kauf der Villa und den geplanten Office-Neubau als attraktive Anlage für ihre Pensionskassengelder. Passen die beiden Gebäude doch von der Lage und den erwarteten Einkünften her optimal zu ihrer Immobilienstrategie», schreibt die HRS. Zudem rechne sich das Projekt ökonomisch, sagt René Menet, Geschäftsführer der Pensionskasse Stadt St.Gallen. Dieser Faktor ist der Pensionskasse besonders wichtig.

Das Projekt ist momentan noch nicht bewilligt und muss mehrere Instanzen durchlaufen. In diesem Frühling wird die Vorprüfung abgeschlossen. Bis die Sanierung beendet ist und der Neubau steht, kann es gut zwei Jahre dauern.

Doppelte Schlappe

Schon zwei Anläufe hatte die HRS gestartet, um die Villa Wiesental zu sanieren, zu erweitern oder abzureissen. Doch beide Male endeten die Projekte in einer Schlappe und gegenseitigen Schuldzuweisungen zwischen der Stadt und den Projektverantwortlichen.

Die letzte Idee eines 25 Meter hohen Neubaus war auf grossen Widerstand in der Bevölkerung gestossen. Insbesondere der Verein Pro Villa Wiesental kämpfte für den Erhalt des historischen Gebäudes. Auch der St.Galler Stadtrat schrieb damals in einer Mitteilung: «Der geplante Baukörper ist im Bezug zur Villa zu wuchtig.» Er lehnte den Neubau schliesslich Anfang 2016 ab (FM1Today berichtete).

(lou/lag)


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