Polizei in Utrecht hat Hinweise auf Terrormotiv

Schüler legen in Utrecht Blumen an dem Platz nieder, an dem am Montag in einer Strassenbahn drei Menschen erschossen und fünf verletzt worden waren.
Schüler legen in Utrecht Blumen an dem Platz nieder, an dem am Montag in einer Strassenbahn drei Menschen erschossen und fünf verletzt worden waren. © KEYSTONE/AP/PETER DEJONG
Nach den tödlichen Schüssen in Utrecht hat die niederländische Polizei einen weiteren Verdächtigen festgenommen. Es handelt sich laut Behörden um einen 40-jährigen Mann aus Utrecht. Derweil verdichten sich die Anzeichen auf einen terroristischen Hintergrund.

Der weitere Verdächtig sei bereits am Nachmittag von einer Spezialeinheit der Polizei festgenommen worden, teilte die Staatsanwaltschaft am Dienstagabend mit. Einzelheiten zu dem Verdacht gegen den Mann nannten die Strafverfolger nicht.

Als Hauptverdächtiger gilt ein 37-Jähriger, der am Montagabend nach stundenlanger Fahndung festgenommen worden war. Er soll am Montag in einer Strassenbahn drei Menschen erschossen und drei weitere Personen schwer verletzt haben. Zwei weitere Männer, die bereits am Montag festgenommen worden waren, wurden nach Angaben der Staatsanwaltschaft inzwischen aus der Haft entlassen. Sie seien nicht länger verdächtigt.

Die Polizei schliesst nicht aus, dass es ein terroristisches Motiv für die Tat gab. Dafür spreche ein im Fluchtwagen gefundener Brief und die Art der Tatausführung. Andere Motive würden aber nicht ausgeschlossen, hiess es weiter.

Die bisherigen Ermittlungen hätten keine Hinweise auf irgendeine Beziehung zwischen dem Hauptverdächtigen und den Opfern ergeben, teilte die Polizei mit. Zuvor war über eine Beziehungstat spekuliert worden.

Ausser dem Hauptverdächtigen hat die Polizei noch zwei andere Männer im Alter von 23 und 27 Jahren festgenommen. Nach Angaben eines Anwalts sind die beiden Brüder, aber nicht verwandt mit dem Hauptverdächtigen.

Der Hauptverdächtige wurde in der Türkei geboren. Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte, er lasse den türkischen Geheimdienst Nachforschungen anstellen, um Klarheit über die Motive zu erhalten.

Das niederländische Parlament in Den Haag gedachte der Opfer am Dienstag mit einer Schweigeminute. «Utrecht liegt im Herzen unseres Landes», sagte Ministerpräsident Mark Rutte. «Die Niederlande sind ins Herz getroffen worden.»

Die Folgen der Tat seien gross. Dennoch seien die Utrechter am Dienstagmorgen wieder in die Strassenbahnen eingestiegen und ganz normal zur Arbeit gefahren. Diese Routine sei die beste Antwort auf eine solche Tat. Sie zeige, «dass unsere Gesellschaft stärker ist als Hass und Gewalt».

Die Tat hatte in der historischen Universitätsstadt einen stundenlangen Grosseinsatz der Polizei ausgelöst. Die Stadt empfahl den Schulen zu schliessen und den Einwohnern, im Haus zu bleiben. Die Militärpolizei verschärfte die Sicherheitsvorkehrungen für Flughäfen, Moscheen und wichtige Gebäude.

Rechtspopulist Geert Wilders forderte im Parlament den Rücktritt von Justizminister Ferdinand Grapperhaus. Der Hauptverdächtige habe zahlreiche Vorstrafen und sei erst kürzlich freigelassen worden, was niemals hätte geschehen dürfen. «Sie sind dafür verantwortlich», sagte Wilders zu Grapperhaus. «Sie müssen zurücktreten! Abhauen!» Am Mittwoch werden in den Niederlanden Wahlen für die Provinzparlamente abgehalten.

(SDA)


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