Bruderduell in den norwegischen Wäldern

Wollen an der WM auch Medaillen fischen: Daniel und Martin Hubmann.
Wollen an der WM auch Medaillen fischen: Daniel und Martin Hubmann. © zVg
In Norwegen trifft sich ab nächster Woche die Weltelite im Orientierungslauf. Dabei kommt es zum Duell zweier Brüder aus der Ostschweiz. Und das ausgerechnet in der Königsdisziplin, der Langdistanz. Es ist ein Bruderduell mit vielen Ambitionen, aber einem klaren Favoriten.

Orientierungslauf gehört zu Daniel und Martin Hubmann wie das Caquelon zur Schweizer Küche. Seit Jahren prägen die Namen der beiden die Spitze der internationalen OL-Bühne. Die gebürtigen Eschliker feierten schon Erfolge an Weltmeisterschaften. Doch an der OL-WM in Østfold, Norwegen, kommt es zu einer Premiere, zum ersten Bruderduell der Hubmanns an einer WM-Langdistanz.

Anspruchsvolles Gelände braucht gute Vorbereitung

Die Erwartungen an das Gelände der Königsdisziplin stimmen bei den Gebrüdern Daniel und Martin Hubmann überein: hohe Heidelbeerstuden, ruppiger Untergrund und kräftezehrende Sümpfe. Martin, der jüngste Spross der Hubmanns, fügt jedoch hinzu, dass das Gelände eine Wundertüte sei. «Man muss ein wenig spekulieren, denn es gibt keine alten Karten der Region und die Geländetypen in Norwegen können variieren.» Über drei Monate hat Martin in Norwegen verbracht, trainiert und sich auf den Showdown vorbereitet.

Bestens vertraut mit den skandinavischen Wäldern ist auch der ältere Bruder und achtfache Weltmeister Daniel. Alleine an den Weltmeisterschaften in Schweden 2016 ergatterte sich der Leader des Schweizer Nationalteams vier Medaillen.

Mit mittlerweile 36 Jahren gehört Daniel zwar zu den alten Hasen im Profigeschäft, ein heisser Anwärter auf den Titel über die Königsdistanz bleibt er dennoch. In den letzten fünf Jahren rangierte er sich immer unter den besten sechs, sein letztes Gold über die Königsdisziplin gab es 2009 in Ungarn. Höchste Zeit also, dies zu wiederholen? Daniel Hubmann meint, es sei schwierig, an dieser Zeit anzuknüpfen. «Den Titel kann ich in erster Linie nicht erwarten. Ich peile jedoch eine Medaille an.»

«Die Medaille führt über Daniel»

Das Ziel Edelmetall ist für den 30-jährigen Martin noch zu hoch gesetzt. Er ist sich zwar bewusst: «Ein Athlet wird an den Medaillen gemessen», aber ein Podestplatz sei eher ein Traum als ein realistisches Ziel. Doch genau einen solchen Podestplatz bräuchte er, um das Bruderduell für sich zu entscheiden.

«Die Medaille führt über Dani», sagt Martin, und dies auch ein Stück weit mit Stolz. Daniel sei für ihn schon immer ein Vorbild gewesen, seine Erfolge hätten ihn angespornt. Ein Ansporn, den ihn bis zur Weltspitze beförderte. Als Ziel für diese WM hat sich Martin Hubmann einen Platz in den Top 10 gesetzt.

Martin oder Daniel Hubmann: Wer gewinnt das Bruderduell? (Bild: zVg)

Daniel führt Bilanz an

Dass der schnelle Jüngere den schnelleren Älteren in die Knie zwingen kann, kommt eher selten vor. 2013 gelang Martin an der Schweizermeisterschaft der Coup, als er seinen grossen Bruder auf Platz zwei verdrängte. Für den zweifachen Familienvater Daniel war diese Situation neu, aber: «In diesem Moment überwog die Freude über unseren Doppelsieg.» Für Martin war dies so oder so ein ungewohnter, schöner Moment.

Ein Moment, den er an der Langdistanz-WM wiederholen will. «Ich glaube daran, dass ich schneller als mein grosser Bruder sein kann. Schliesslich habe ich dieselben Gene wie er», meint Martin und lacht. Aber dennoch sind sich beide einig: Die Favoritenrolle trägt der Routinier – Daniel Hubmann.

(lh)


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