Bündner Biber: Frust trotz harter Arbeit

Nach dem nächtlichen Biberbesuch sind 40 Baumstämme zerbissen. Das Nagetier brachte sie aber nicht zu Boden.
Nach dem nächtlichen Biberbesuch sind 40 Baumstämme zerbissen. Das Nagetier brachte sie aber nicht zu Boden. © Südostschweiz
Bäume, die trotz durchgefressen Stamm stehen bleiben: Das haben wohl nicht viele Biber erlebt. Einem Biber in Malans passierte dies jedoch 40 Mal. Das Nagetier versuchte erfolglos Obstbäume zu fällen.

Stellt dir vor, du versuchst eine Baumnuss zu öffnen. Nach langem Hantieren, schmerzenden Fingern und einigen Fluchwörtern gelingt es endlich. Die Schale bricht auf, doch es ist keine Nuss in der Schale. Das ist enttäuschend. Erst recht, wenn das 40 Mal hintereinander passiert. Ähnlich ist es einem Biber in der Nähe von Landquart ergangen. Er wollte zwar keine Baumnuss, aber an die feinen Zweige und Knospen in der Baumkrone ran. Dafür durchnagte das Säugetier insgesamt 40 Stämme, die Bäume gingen aber nicht zu Boden, berichtet die «Südostschweiz». Grund dafür ist, dass die Obstbäume ausserhalb der Reichweite des muskulösen Biberkiefers an einer Stange festgemacht waren. Hannes Jenny, Wildbiologe beim kantonalen Amt für Jagd und Fischerei, bestätigt den Vorfall gegenüber FM1Today.

So etwas sieht man selten: Ein Obstbaum mit durchtrenntem Stamm, der trotzdem noch steht. (Bild: Südostschweiz)

Kein Groll gegen das Tier

In einer Nacht Anfang März machte sich ein Biber mit seinen Schneidezähnen an Bäumen auf dem Bündner Obstgut Plandatisch zu schaffen. Wegen der Drahtbefestigung stürzte kein Baum zu Boden. «Das dürfte das Tier geärgert haben», sagt Andrea Lauber, Besitzer des Guts, gegenüber der «Südostschweiz». Trotz der Baumschäden hegt der Obst- und Weinbauer keinen Groll gegen das Tier. Es sei ein lästiges Ereignis, doch: «Wir müssen lernen, mit diesen Tieren zu leben.» Der Bündner findet es positiv, dass es wieder Wildtiere wie Wölfe oder eben auch Biber in der Schweiz gibt.

Die bis zu 30 Kilogramm schweren Tiere können dank ihrem muskulösem Kiefer und den scharfen Schneidezähnen innert kürzester Zeit Bäume zu Fall bringen. (Bild: iStock)

Das Nagen des Prättigauer Bibers verursachte für Lauber zusätzliche Arbeit und finanziellen Schaden. Die traktierten zwei Boskoop- und 38 Galabäume sind unterdessen ersetzt. Die Kosten übernehmen der Kanton und der Bund je zur Hälfte. Im Verhältnis zu seinen über 9000 Bäumen hält sich der Schaden für Lauber in Grenzen. Der Bauer verstärkt zudem den Zaun hin zum Mühlbach, weil dort der Biber hinauf schwimmen und zur Plantage gelangen kann. So wie es das Säugetier auch Anfang März machte.

«Dem Biber gefällt es bei uns»

Ungefähr vor hundert Jahren wurde der Biber in der gesamten Schweiz und weiteren europäischen Länder ausgerottet. Heute ist der Biber in der Schweiz geschützt. Ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts kam es in unserem Land zu Wiederansiedlungen von Bibern. Als erstes setze eine Gruppe Naturforscher im Kanton Genf das Nagetier aus. Vor elf Jahren wanderte erstmals wieder ein Biber in den Kanton Graubünden. Das Tier kam den Inn hinauf bis nach Scoul.

Unterdessen ist der Tierbestand stark gewachsen. Auch im Kanton Graubünden. «Dem Biber gefällt es bei uns», sagt Hannes Jenny vom kantonalen Amt für Jagd und Fischerei. Aktuell befinden sich gut 25 Tiere in Graubünden.

Das hat schon zu einer Handvoll Konflikten und kleinere Schäden geführt. Beispielsweise kam es in Maienfeld zu einer Vernässigung von Landwirtschaftsland oder Stauungen führten zu Schwierigkeiten mit Hochwasserabflüssen. «Wir beobachten die Biber weiterhin genau», sagt Jenny. Erst seit kurzem verlassen die Tiere das Hauptgewässer und schwimmen in den Nebenarmen des Rheins. «Damit steigt das Konfliktpotenzial», sagt Jenny. Trotzdem sei der Biber nach wie vor beliebt bei den Bündnern.

(lou)


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