«Charlotta» tanzt auch im Regen

Von Lara Abderhalden
Egal ob trocken oder nass: Die Masse feierte die Band Hecht.
Egal ob trocken oder nass: Die Masse feierte die Band Hecht. © FM1Today/Lara Abderhalden
Kawasaki, Kulisse, klitschnass: Der Donnerstagabend am Quellrock Openair in Bad Ragaz war nass, die Kulisse atemberaubend, und die Band Hecht zutraulich wie noch nie. Inklusive Keyboard-Solo auf den Händen des Publikums.

«Wir haben sehr gute Erinnerungen an das letzte Quellrock Openair», sagt Stefan Buck, der Sänger der Band Hecht. «Hast du noch Erinnerungen?», fragt sein Bandkollege. Stefan Buck lacht und schweigt. Ihr letzter Auftritt vor zwei Jahren endete so, wie vermutlich viele Abende anderer Festivalbesucher enden: Irgendwann und irgendwie torkelte jeder von ihnen separat ins Bett: «Wir wissen wirklich nicht mehr alles. Aber anscheinend haben wir uns nett verhalten, sonst hätten sie uns für die 40. Ausgabe nicht gefragt», erzählt der Frontmann.

Die Band Hecht ist bereits das zweite Mal am Quellrock (Bild: Lara Abderhalden)

Die Band Hecht ist bereits das zweite Mal am Quellrock. Stefan Buckt, der Leadsänger ist ganz links im Bild. (Bild: Lara Abderhalden)

Und da stehen sie nun, auf der Bühne am Quellrock Openair, vor verregnetem Publikum, das man noch weit um den Freudenberg herum hören kann.

«Wir trinken Mineral und Holunderblütensirup»

Aber von vorne: Um 16.00 Uhr öffnet das Quellrock Openair die Tore. Allerdings ist es zu diesem Zeitpunkt erst erlaubt, den Zeltplatz zu betreten. Dort anzutreffen sind beispielsweise Carmen und Joelle. Die beiden Bündnerinnen verbringen den Nachmittag damit, Zelte aufzustellen, in denen sie nicht einmal schlafen: «Ein Zelt ist noch leer. Wir entscheiden spontan, wer darin schläft», sagt Carmen und Joelle ergänzt kichernd: «Aktuell ist es unser Vorratsraum mit Mineral und Holunderblütensirup. Alkohol trinken wir keinen».

Joelle (links) und Carmen trinken nur Holunderblütensirup (Bild: Lara Abderhalden)

Joelle (links) und Carmen trinken nur Holunderblütensirup (Bild: Lara Abderhalden)

Genauso frech wie Joelle mit ihrere Alkohollüge ist das Wetter: Zu Beginn des Abends herrscht eine Stimmung, die glatt aus einem Nicolas Sparks Liebesfilm hätte stammen können. Alle Menschen strahlen wunderschön in der Sonne und die Burgruine auf dem Freudenberg wirkt zum einen majestätisch, dann wieder gruselig. «Ich komme hierher, um alle meine Freunde zu treffen. Ich wohne gleich in Pfäfers im wunderschönen Taminatal», sagt Severin. Zuhause schlafen will er dann aber doch nicht: «Ist schon noch weit, vor allem, wenn man ein bisschen etwas trinkt.» Er ist im Vergleich zu Joelle und Carmen immerhin ehrlich.

Viele Besucher kommen, um alte Bekannte wieder zu treffen (Bild: Lara Abderhalden)

Viele Besucher kommen, um alte Bekannte wieder zu treffen (Bild: Lara Abderhalden)

Crimer tanzt lasziv

Nebst vielen Jugendlichen hat es am Quellrock Openair auch ganz viele Familien mit Kindern. Immer mal wieder poppt ein kleines Köpfchen mit riesengrossen pinken oder grünen Gehörschützen in der Masse auf. Oder auch ohne.

Auch beim Hecht Konzert waren die Kinder in der ersten Reihe. (Bild: Lara Abderhalden)

Auch beim Hecht Konzert waren die Kinder in der ersten Reihe. (Bild: Lara Abderhalden)

Punkt 20:00 Uhr beginnt der Rheintaler Crimer mit seiner Show. Seine Musik kommt gut an, seine Tänze hingegen werden nach dem Konzert vom Moderator kritisiert: «Hätten wir von deinen Tanzmoves gewusst, hätten wir die Kinder in der ersten Reihe vorgewarnt.» Bei einigen Tanzschritten hätte nur noch die Stange gefehlt.

Crimer fällt vor allem wegen seinem speziellen Tanzstil auf (Bild: Lara Abderhalden)

Crimer fällt vor allem wegen seinem speziellen Tanzstil auf (Bild: Lara Abderhalden)

Singender Berg

Nach Crimer beginnt der Krimi so richtig: Der Wetter-Krimi. Die Wolken verwandeln sich von cremig weiss zu bedrohlich grau. Aber: Es regnet noch nicht, als die Band Hecht die Bühne betrat: «Wir sind so froh, dass es nicht regnet», sagt Stefan Buck noch. Vermutlich ist diese Aussage der Grund. Während die erste Hälfte des Konzerts relativ trocken ist und höchstens die feuchte Aussprache des Sängers die erste Publikumsreihe trifft, ändert sich das in der zweiten Hälfte schlagartig.

Die Band Hecht brachte den Berg zum beben. (Bild: Lara Abderhalden)

Die Band Hecht brachte den Berg zum beben. (Bild: Lara Abderhalden)

Kräftige Böen blasen über den Freudenberg. Die Kapuzen werden hoch gezogen und die Schirme gespannt. Völlig entspannt bleibt die Band Hecht, die Vollgas gibt. Sie tanzen in einer Reihe durch das Publikum, der Keyboard-Spieler macht ein Stage-Diving und lässt sich während eines Solos auf einem kleinen Keyboard durch die Masse tragen und ganz zum Schluss sitzt der Sänger selbst einem Mann auf die Schultern und singt gemeinsam mit dem Publikum «Adam und Eva».

Ganz so griffsicher ist er am Keyboard nicht mehr:


Viel lauter noch als das «Adam und Eva» ist aber der Schlusssong «Charlotta». Der ganze Freudenberg scheint im Chor die Zeilen von «Charlotta» zu singen. Der Berg bebt. Der Regen, der ist plötzlich vergessen, Hauptsache die «Charlotte» verschwindet den Besuchern lange nicht mehr aus ihrer Phantasie.

Weitere Filme vom Quellrock gibt es auf der FM1Today-Instagram-Seite hier.

(abl)


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