Dargebotene Hand

Angeschlagene Psyche wegen Corona: Ängste haben stark zugenommen

Géraldine Bohne, 29. Oktober 2020, 08:17 Uhr
Die Coronakrise ist für viele Menschen sehr belastend. (Symbolbild)
© iStock
Die Coronakrise schlägt auf die psychische Gesundheit der Schweizer Bevölkerung. Die Dargebotene Hand hat im Zeitraum von Anfang April bis Ende August bereits 40'000 Anrufe entgegengenommen, neun Prozent mehr als im Vorjahr. Nun bereitet man sich auf noch mehr Anrufe vor.

Der Bundesratsentscheid hat auch Konsequenzen für das Sorgentelefon «Die Dargebotene Hand». Man rechnet mit einem deutlichen Anstieg der Telefonanrufe in der kommenden Zeit. Viele Leute haben seit Ausbruch der Pandemie stärker mit ihrer Psyche zu kämpfen. Am Telefon beschäftigen zurzeit vor allem die Themen Angst vor Infektionen, Suizidalität, Gewalt und Existenzängste.

Seit den Lockerungen der Massnahmen von der ersten Welle berät die Dargebotene Hand konstant viele Personen. Die neuen Massnahmen könnten die Ängste zusätzlich verstärken. «Ein Teil will und kann kein zweites Mal Kraft für eine solche aussergewöhnliche Situation aufbringen», sagt Judith Eisenring, Leiterin Dargebotene Hand Ostschweiz.

Auch schlage die Kombination von Winterzeit und Coronakrise gleich doppelt aufs Gemüt. «Es ist anders als im Lockdown im Frühling.» Wegen des schönen Wetters hätten die Leute viel Zeit im Freien verbracht. Während des Lockdowns verzeichnete die Dargebotene Hand, auch bekannt als Telefon 143, weniger Anrufe als sonst. Die Menschen seien in einer Art Schockstarre gewesen. «Als bei den ersten Lockerungen auf die Eigenverantwortung gesetzt wurde, waren viele Leute überfordert.» Danach sei die Zahl der Anrufe stark angestiegen.

Die Pandemie hat Auswirkungen auf die psychische Gesundheit.

© Screenshot Medienmitteilung Dargebotene Hand

Quarantäne bereitet vielen Mühe

Die Anrufe würden nicht nur die Angst vor Infektionen betreffen, auch die Einsamkeit in Quarantäne sei ein Thema. Einige Personen hätten mit der Isolation Mühe. «Viele denken sich, dass sie sich zehn Tage zu Hause schon lange gewünscht hätten. Aber so einfach ist das dann doch nicht.»

Viel Zeit zu Hause und eine fehlende Tagesstruktur hätten zudem auch zu einer Erhöhung der Themen Gewalt und Suizid geführt. «Die Coronakrise stellt eine zusätzliche Belastung für psychisch Kranke beispielsweise depressive Personen dar.»

Frische Luft und strukturierte Tagesabläufe helfen

Judith Eisenring rät: «Gehen Sie raus an die frische Luft, das stärkt die Psyche und das Immunsystem.» Zudem sollen Personen, die gezwungen sind, zu Hause zu bleiben, sich eine Tagesstruktur aufbauen. «Auch ist es ratsam, Kontakt zu Freunden und Familien zu halten.» Es gebe viele Möglichkeiten, über Social Media nach dem Befinden zu fragen.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 29. Oktober 2020 08:17
aktualisiert: 29. Oktober 2020 08:17