Gossau

Corona-Fall im «BBC»: Quarantäne für fast 800 Gäste war eine Option

Laurien Inauen, 7. September 2020, 19:26 Uhr
Die Angestellten des Gossauer «BBC» wurden negativ auf das Coronavirus getestet, nachdem eine infizierte Person vorletzte Woche die Bar besucht hatte. Jetzt wird bekannt: Es stand zur Debatte, alle 770 Gäste jenes Abends in Quarantäne zu schicken.
Auch nach dem Corona-Fall wird das «BBC» rege besucht. (Archivbild)
© St.Galler Tagblatt/Benjamin Manser

Der positive Coronavirus-Fall im «BBC Butterbarcafe» hat ein Nachspiel. Das Ausgehlokal am Gossauer Bahnhof musste sein Registrationssystem überarbeiten. Dies, weil laut Angaben der St.Galler Kantonsärztin Danuta Zemp nicht klar war, welche Gäste am 28. August gleichzeitig wie die infizierte Person da waren.

«Keine Weggangszeit registriert»

«Es stellte sich heraus, dass der Veranstalter zwar die Personalien aller Teilnehmenden – rund 800 an jenem Abend – sowie die Ankunftszeit registriert hatte, entgegen der Bundesverordnung jedoch keine Weggangszeit der einzelnen Personen», schreibt Zemp auf Anfrage von FM1Today.

Die Mediensprecherin des «BBC», Rita Bolt, bestätigt, dass von jenem Freitagnachmittag bis am frühen Samstagmorgen 770 Gäste registriert wurden. «Es waren aber nie mehr als 300 Personen gleichzeitig im Lokal.» Das «BBC» habe seit vorgestern Samstag ein neues Registrationssystem in Betrieb, um auch die Weggangszeit der Gäste aufnehmen zu können. Schon länger muss man sich, wenn man das «BBC» betritt, per QR-Code registrieren, die Hände desinfizieren und Fieber messen lassen.

770 Gäste informiert – nicht nur 300

Zunächst hatte Bolt von 300 Personen gesprochen, die über den positiven Fall informiert werden mussten und für die eine vorübergehende Maskenpflicht galt, wenn sie das «BBC» wieder besuchen wollten. Die Mitteilung musste allerdings allen 770 Gästen zugestellt werden, wie es von der St.Galler Kantonsärztin Danuta Zemp heisst.

Auch eine Quarantäne für die beinahe 800 Leute sei eine Option gewesen. Die positiv getestete Person habe sich nämlich in keiner Gruppe, sondern «mal hier und mal dort» aufgehalten. Sie habe keine Personen namentlich nennen können, mit denen sie während des Events eng zusammen war.

Das Gesundheitsdepartement entschied sich am Ende für eine «pragmatische Alternative». «Da die Benachrichtigung aller Teilnehmenden sicherlich bis Freitagabend gedauert hätte und die Quarantänezeit am Montag beendet gewesen wäre, hätte die Quarantänezeit nur noch rund drei Tage gedauert», nennt Zemp als Grund.

Das Barpersonal musste einen Corona-Abstrich machen lassen, alle Tests fielen gemäss Bolt negativ aus. Die Maskenpflicht für die Angestellten und die Gäste von jenem 28. August gilt noch bis heute Montagabend.

Kein vergleichbarer Fall

Der Fall im Gossauer «BBC» ist einzigartig, dem Contact-Tracing-Team ist laut Zemp kein weiterer vergleichbarer Fall im Kanton St.Gallen bekannt. Die ersten Symptome beim «BBC»-Gast seien am Sonntag – also zwei Tage nach dem Partyabend – aufgetreten. «Mindestens 48 Stunden vorher kann man bereits ansteckend sein.»

Auf die Besucherzahlen vom vergangenen Wochenende wirkte sich die Meldung über die infizierte Person nicht negativ aus, wie Bolt sagt. Es seien stets 300 Personen im Haus gewesen. Einzelne Personen hätten eine Maske getragen. Ob dies die Gäste des fraglichen Abends waren, könne nicht gesagt werden. «Wir setzen bei der Maskenpflicht auf Eigenverantwortung und übernehmen keine Polizeiaufgaben.»

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 7. September 2020 17:48
aktualisiert: 7. September 2020 19:26
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