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Herisauer Schule

Coronatest erst drei Tage nach Ausbruch: «Inakzeptabel», findet ein Familienvater

Nico Conzett, 18. November 2021, 19:06 Uhr
Erst drei Tage nach einem Coronaausbruch in einer Herisauer Schulklasse testet der Kanton alle Schülerinnen und Schüler. Für einen Familienvater unverständlich. Der Kanton Appenzell Ausserrhoden argumentiert mit fehlenden Ressourcen und «einer kontrollierten Durchseuchung», welche an Schulen vertretbar sei.
Über die Anwendung von Coronatests an Schulen sind sich derzeit nicht alle einig. (Symbolbild)
© KEYSTONE/GAETAN BALLY

Der Kanton Appenzell Ausserrhoden ordnet bei drei positiven Fällen innert fünf Tagen einen Test für alle Schülerinnen und Schüler in der Klasse an.

Familienvater Urs Knellwolf, dessen Kind die betroffene Klasse besucht, hat damit auch kein Problem. Dass der besagte Test aber erst am Freitag, drei Tage nach dem dritten positiven Testergebnis, stattfinden soll, stösst ihm sauer auf: «Das ist inakzeptabel. So bringt das überhaupt nichts, dann kann man es gleich ganz lassen», sagt er gegenüber FM1Today.

«Keine Ausbruchstestung, sondern eine Ausbruchsverteilung»

Unverständlich ist für ihn besonders, dass die Kinder während dieser Zeit normal weiter in die Schule gehen und das Virus sich so in der Klasse, aber auch ausserhalb, weiterverbreiten kann. «So ist das keine Ausbruchstestung, sondern eine Ausbruchsverteilung», sagt Knellwolf. Er wendete sich deshalb an die Schule und den Kanton, um sein Unverständnis kundzutun und forderte, dass der Test in der Klasse früher stattfindet.

Nur eine mobile Testequipe im Kanton

Die Antwort, die er dann erhält, ist für ihn nicht zufriedenstellend. Unter anderem erklärt ihm Ingrid Brühwiler, Leiterin Regelpädagogik beim kantonalen Bildungsdepartement, dass die Testkapazitäten beschränkt seien und nur eine mobile Testequipe im Kanton unterwegs sei.

Für Knellwolf ist das fahrlässig. Er kenne andere Schulen, in denen Tests unmittelbar nach einem erkannten Coronafall vorgenommen wurden und wünscht sich dies auch für seinen Kanton. Ingrid Brühwiler räumt ein, dass es optimaler wäre, hätte der Test direkt stattfinden können, jedoch sei es auch eine Frage der Ressourcen. «Für uns ist es eine Ressourcenabwägung. Wir könnten theoretisch schon mehrere mobile Equipen aufstellen, allerdings besteht dann die Möglichkeit, dass diese während der Hälfte eines Monats nichts zu tun haben.»

Angesichts der aktuellen pandemischen Situation, die ohnehin viel Mehraufwand in verschiedenen Bereichen fordere, sei es notwendig, die verfügbaren Kräfte richtig einzuteilen. «Wir haben leider nicht unbegrenzt Ressourcen», sagt Brühwiler.

«Kontrollierte Durchseuchung vertretbar»

Zudem sei eine kurze Wartezeit auf den Ausbruchstest an einer Schule vertretbar. «Dass man mit dem Virus in Kontakt kommt, ist wegen der Delta-Variante nicht gänzlich zu verhindern.» An den Schulen sei eine «kontrollierte Durchseuchung», wie Brühwiler es nennt, deshalb auch mit allen Massnahmen nicht zu verhindern, da bei den Kindern in der Regel keine schweren Verläufe auftreten würden. Klar sei, dass man beispielsweise in einem Altersheim immer gewährleisten müsse, dass dort sofort getestet werden kann, weil die Verläufe in dieser Bevölkerungsgruppe bekanntlich sehr viel schwerer ausfallen könnten.

Und was sagt Brühwiler zur Gefahr, dass die Schülerinnen und Schüler das Virus während der Wartezeit auf den Test übertragen können, wenn sie normal zur Schule gehen? «Wir haben situativ die Hygienemassnahmen erhöht.» So würde in der betroffenen Klasse vermehrt auf ausgiebiges Händewaschen, Durchlüften und die Einhaltung von Abständen geachtet. Auch eine Maskenpflicht sei für die Klasse angeordnet worden. Brühwiler erklärt: «Wir tragen so dazu bei, dass die Möglichkeit von weiteren Übertragungen möglichst klein ist.»

«Kein Öl ins Feuer giessen»

Für den Kanton sei der Umgang mit dem Coronavirus an den Schulen generell herausfordernd. Die Meinungen unter den Eltern gingen je länger je mehr auseinander, wie dies auch beim aktuellen Fall zum Vorschein komme. So kämen die Tests für einige Eltern zu spät, für einige zu früh und wieder andere würden diese überhaupt nicht befürworten. Deshalb sagt Brühwiler: «Wir versuchen pragmatische Lösungen zu finden und wollen nicht unnötig Öl ins Feuer giessen.»

Und weiter: «Mit der Lösung, die wir aktuell haben, fahren wir nicht schlecht.» Eine perfekte Lösung, die alle zufriedenstellt, sei in der aktuellen Situation utopisch. Diese Erfahrung musste Familienvater Urs Knellwolf im aktuellen Fall ebenfalls machen.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 19. November 2021 05:51
aktualisiert: 18. November 2021 19:06