St.Gallen

Damann über neue Quarantäne-Regel: «Können diese Massnahme verantworten»

Dario Brazerol, 30. Oktober 2020, 15:06 Uhr
Bruno Damann, Vorsteher Gesundheitsdepartement Kanton St.Gallen
© Keystone
Im Kanton St.Gallen werden die Quarantäne-Regeln ab Samstag gelockert. Wie es dazu kam und wie sich dies auf die epidemiologische Lage auswirken wird, erklärt der St.Galler Gesundheitschef Bruno Damann.

Ab Samstag gilt im Kanton St.Gallen: Wer engen Kontakt mit einer positiv getesteten Person hatte, aber nicht im gleichen Haushalt wohnt wie diese, muss nicht in die zehntägige Quarantäne. Ausschlaggebend für die Anpassung der Quarantäne-Regelung sei die Überlastung des Contact Tracings, sagt der St.Galler Gesundheitschef Bruno Damann (CVP).

Keine Befürchtung, dass Fallzahlen durch Lockerung der Quarantäne steigen

«Das Contact Tracing soll innert 24 Stunden diejenigen informieren, die positiv auf das Virus getestet wurden und sich in Isolation begeben müssen. Mit den hohen Fallzahlen war es nicht mehr möglich, auch die Kontaktpersonen zu informieren», sagt Damann. Dass die Fallzahlen durch diese Lockerung der Quarantäne-Regel steigen werden, befürchtet der St.Galler Regierungspräsident nicht. «Es gibt kaum positive Fälle von Kontaktpersonen, welche in der Quarantäne noch positiv getestet werden. Dies gilt nicht für Personen, die im selben Haushalt wohnen. Deshalb sind wir der Meinung, dass wir dies verantworten können.»

«Irgendwann nicht mehr zu führen»

Noch am Mittwoch hatte der Bundesrat an seiner Medienkonferenz verkündet, dass die Massnahmen des Bundes durch die Kantone zwar verschärft, aber nicht gelockert werden können. «Auf das Contact Tracing trifft dies jedoch nicht zu», betont Damann. Wie dieses geregelt werde, obliege schon seit Beginn der Coronakrise der Verantwortung der Kantone.

Wöchentlich baue der Kanton das Contact Tracing um bis zu 20 Personen aus. Im Hinblick auf die hohen Fallzahlen im Kanton reiche dies aber nicht aus: «Wir müssen die Leute schulen und ihnen Aufträge geben. Irgendwann ist das nicht mehr zu führen», sagt Damann. Deshalb solle das Tracing durch die neue Massnahme entlastet werden.

Kein Druck durch die Wirtschaft

Die Industrie- und Handelskammer St.Gallen-Appenzell nennt als Rechtfertigung für die Massnahme, dass mit bis zu 4000 Quarantäne-Fällen pro Tag die Unternehmen stark belastet würden. «Die Wirtschaft hat diesbezüglich aber keinen Druck auf den Kanton ausgewirkt», versichert Damann.

Am Mittwoch diskutierte Bruno Damann mit dem Thurgauer Gesundheitschef Urs Martin im «Zur Sache» auf TVO über die neuen Corona-Massnahmen:

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Quelle: tvo

Damit die gelockerte Quarantäne-Regelung nicht zu mehr Ansteckungen führt, sei die Bevölkerung nun gefragt. «Man muss sich an die Hygienemassnahmen halten und sorgfältig sein», betont Damann. Trotz Appell an die Eigenverantwortung – die Realität sieht anders aus, weiss auch der Gesundheitschef: «Als ich heute Mittag in der St.Galler Innenstadt unterwegs war, haben 80 Prozent der Passanten keine Maske getragen. Die Leute müssen aber merken, dass wir diese Massnahme ergreifen müssen, um einen Lockdown zu verhindern.»

Quarantäne-Regelung soll wieder verschärft werden

Damanns Ziel ist klar: Die Fallzahlen sollen wieder sinken. Sobald dies erreicht ist, soll auch die Quarantäne-Regelung wieder verschärft werden: «Wenn wir wieder bei 300 Infektionen pro Tag sind, kann das Tracing wieder greifen und die Quarantäne-Massnahmen werden wieder angepasst.» Wie der Kanton handelt, wenn die Fallzahlen in den nächsten Wochen weiter steigen, ist aktuell noch nicht klar. «Wir wollen 14 Tage abwarten, um zu sehen, ob die Massnahmen des Bundes etwas gebracht haben.» Würden die Fallzahlen auf einem hohen Niveau stabil bleiben, wäre dies bereits ein Fortschritt, sagt Damann. «Wir müssen das Feuer an der Zündschnur verlangsamen, damit es weniger schnell brennt.»

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 30. Oktober 2020 14:45
aktualisiert: 30. Oktober 2020 15:06