Schule, Schnupfen und Corona

«Ein Kind mit Schnudernase darf in die Schule»

Andrée Getzmann, 8. September 2020, 06:52 Uhr
In Zeiten von Corona stellt die Schnupfensaison Schulen und Eltern vor neue Herausforderungen. Darf ich mein Kind mit einer Schniefnase in die Schule schicken? Und wer unterrichtet, wenn der Lehrer in Quarantäne gehen muss? Wir haben nachgefragt.
Was tun, wenn mein Kind krank wird? (Symbolbild)
© iStock

Ein Kratzen im Hals, eine Schnudernase oder ein leichter Husten: Die Schnupfensaison hat begonnen. Kann man es verantworten, Kinder mit leichten Schnupfensymptomen in Zeiten von Corona in die Schule zu schicken? Heidi Zinggeler Fuhrer, Vize-Präsidentin des Verbands Haus- und Kinderärzte Schweiz (mfe), gibt Auskunft.

Frau Zinggeler Fuhrer*, darf ein Kind mit einer «Schnudernase» zurzeit in die Schule?

Zinggeler Fuhrer: Ja. Aktuell sind fast alle Kinder, die Luftwegsinfekte haben, nicht mit Corona infiziert, was sich allerdings ändern kann. Folglich können Kinder mit leichten Infekten – also nur Schnupfen, allenfalls mit wenig Husten – auch ohne Corona-Test in die Schule. Kinder unter 12 Jahren mit heftigeren Symptomen, die also eine starke Erkältung mit Husten und Fieber haben, sollen zu Hause bleiben.

Wann dürfen sie wieder in die Schule?

Wenn sie 24 Stunden gesund sind, dürfen sie wieder in die Schule. Ohne Test, ohne Zeugnis.

Muss ich Geschwisterkinder auch zu Hause behalten, wenn eines der Kinder krank ist?

Nein, gesunde Geschwister und Familienangehörige von Erkrankten können aus dem Haus, zur Arbeit und in die Schule.

Dr. med. Heidi Zinggeler Fuhrer ist Vize-Präsidentin bei Haus- und Kinderärzte Schweiz (mfe).

© mfe - Haus- und Kinderärzte Schweiz

Wann ist ein Corona-Test angesagt?

Ein Test bei leichten Symptomen und unter zwölf Jahren ist aktuell nicht notwendig, weil es trotz vieler Tests fast keine coronapositiven Kinder gibt. Bei über Zwölfährigen gelten die gleichen Testkriterien wie bei Erwachsenen.

Warum testet man Kinder nicht?

Man testet Kinder schon. Es gibt in Anbetracht von Corona aktuell zwei Probleme: Einerseits sind fast alle Infekte, die wir im Moment sehen, nicht auf Corona zurückzuführen. Andererseits haben von Corona betroffene Kinder in bis zu 50 Prozent der Fälle gar keine Symptome – wir finden diese also auch bei grosszügiger Anwendung des Tests nicht. Auch wenn wir alle kranken Kinder testen, verpassen wir die Hälfte, nämlich die infizierten Gesunden, die offenbar trotzdem andere anstecken können.

Wie verhalte ich mich, wenn ich befürchte, dass mein Kind doch Corona haben könnte?

Sollte das Kind, respektive die Eltern, die typischen Beschwerden haben, meldet man sich telefonisch beim Kinder- oder Hausarzt. Dann kann der Arzt entscheiden, ob eine Konsultation oder ein Test notwendig ist. Darüber hinaus gilt das Prinzip der Quarantäne und des Social Distancing: Infektiöse sollen mit wenig anderen Leuten Kontakt haben und kranke Kinder sollen zu Hause bleiben, bis sie wieder gesund sind. Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht, wenn wir nicht alle über den ganzen Winter zu Hause bleiben wollen. Wir müssen lernen, mit Unsicherheiten umzugehen.

  • *Dr. med. Heidi Zinggeler Fuhrer ist Fachärztin für Kinder und Jugendliche und seit 2002 als Kinderärztin in Chur tätig. Ihr standespolitisches Engagement startete vor 20 Jahren bei Kinderärzte Schweiz, dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte in der Praxis. Heute ist sie Vize-Präsidentin des Verbands Haus- und Kinderärzte Schweiz (mfe).
Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 7. September 2020 16:53
aktualisiert: 8. September 2020 06:52
Anzeige