Coronavirus

Eure Kommentare zu den Impf-Mythen – und die wissenschaftlichen Antworten

René Rödiger, 30. Oktober 2021, 08:27 Uhr
Diese Woche haben wir die wichtigsten Fragen und Antworten rund um die Corona-Impfung und Langzeitfolgen beantwortet. Darauf gab es ziemlich viele Kommentare – die wir erneut wissenschaftlich einordnen.
Die Impfung ist sicher, es gibt keinen Grund zur Sorge.
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Wir haben diese Woche viele Fragen rund um die Booster-Impfung, Langzeitfolgen oder Impfungen für Kinder beantwortet (hier geht es zum Artikel). Unsere Leserinnen und Leser haben das fleissig kommentiert und so sind neue Fragen und auch einige Behauptungen aufgetaucht, die wir wiederum gerne für dich einordnen.

Gibt es Anhaltspunkte, dass die Vorteile der Impfung die Risiken irgendwann nicht mehr überwiegen?
Nein. Wenn wir nur schon die Todeszahlen vergleichen, sollte klar sein, dass das Risiko einer schweren Corona-Erkrankung unglaublich viel höher ist als das Risiko irgendeiner Nebenwirkung der Impfung.

Schauen wir uns doch mal ein paar Zahlen aus verschiedenen Ländern an, wir wählen hier absichtlich grössere Staaten, da die Menge an verabreichten Impfungen aussagekräftiger ist. In den USA wurden seit Dezember 2020 über 350 Millionen Impfdosen verabreicht. Im «Vaccine Adverse Event Reporting System» (VAERS), wo alle Impf-Folgen in den USA gemeldet werden, gibt es 6968 registrierte Todesfälle nach einer Corona-Impfung (Stand vom 26. August 2021).

Nur: Ob diese Todesfälle einen Zusammenhang mit der Impfung haben, ist damit noch nicht geklärt. Zum Beispiel landet eine über 90-jährige Person auch in diesem Meldesystem, auch wenn sie Wochen oder gar Monate nach der Impfung verstirbt (hier gibt es eine Einordung der verschiedenen möglichen Todesfälle nach Impfungen in den USA). Dazu stehen 600'000 bestätigte Todesfälle bei über 38 Millionen infizierten US-Bürgerinnen und US-Bürgern.

Oder schauen wir nach Deutschland. Ein Sicherheitsbericht des Paul-Ehrlich-Instituts vom Mai wird hier häufig als Grundlage von Falschinformation zur Gefährlichkeit der Impfung bemüht. «Bis Ende April sind 524 Todesfälle in unterschiedlichem zeitlichen Abstand zur Impfung gemeldet worden», heisst es.

Das tönt brutal. Nur sind bereits 58 dieser Fälle auf einen tödlichen Verlauf einer Corona-Infektion zurückzuführen. Die Leute sind also nicht an der Impfung, sondern trotz der Impfung verstorben. Bei den restlichen Fällen war das Durchschnittsalter 82 Jahre. Und das Institut schreibt dazu: «Bei der überwiegenden Mehrzahl der Verstorbenen bestanden multiple Vorerkrankungen [...], die vermutlich todesursächlich waren. Ein jüngerer Patient verstarb nach der Impfung vermutlich an den Folgen seines Drogenkonsums.»

Klar ist, dass es einige Todesfälle nach der Impfung bei den Stoffen von Astrazeneca gab, die aber in der Schweiz nicht zugelassen sind.

Die Impfung ist ein «Feldversuch».
Schauen wir doch zuerst mal den Begriff «Feldversuch» an. Das tönt «experimentell» und ohne wirkliche wissenschaftliche Begleitung. Und natürlich ist dieser Ausdruck für die Corona-Impfung falsch.

Jeder Impfstoff, auch jener gegen das Coronavirus, wird zuerst im Labor- und in Tierversuchen auf die Verträglichkeit und Wirksamkeit getestet. Danach schauen sich eine Ethik-Kommission und eine Arzneimittelbehörde diese Ergebnisse an. Sie entscheiden, ob der Impfstoff an Menschen untersucht werden darf.

Jetzt gibt es drei Testphasen. In der ersten Phase dürfen nur gesunde Erwachsene mitmachen. Hier geht es darum, die Dosierung und die Immunabwehrreaktion zu testen. In der Phase II wird der Testkreis ausgeweitet, es machen viel mehr Leute mit, zum Teil auch ältere. Diese werden in mehrere Gruppen unterteilt und so wird der Impfstoff in Bezug auf Verträglichkeit und Dosierung verfeinert. Die ersten beiden Phasen wurden bei der Prüfung der Covid-19-Impfstoffen parallel durchgeführt, damit wir schneller einen wirksamen Impfstoff bekommen.

In der dritten Phase werden zehntausende Freiwillige eingesetzt. Leute, die sich mit dem Virus infizieren könnten. Hier wird erprobt, ob der Impfstoff auch wirklich im Alltag wirkt. Bei allen drei Phasen gibt es auch Kontrollgruppen, die einen «Schein-Impfstoff» bekommen.

Unterdessen sollte klar sein, dass es sich bei der aktuellen Impfaktion nicht um einen «Feldversuch» handelt. Der Impfstoff hat alle regulären Prüfinstanzen durchlaufen, jegliche Nebenwirkungen sind bekannt, Langzeitfolgen gibt es keine.

Die Impfung verursacht Covid-19.
An dieser Behauptung ist nichts dran. Im Impfstoff sind keine Coronaviren enthalten. Nach einer Impfung gibt es auch keinen positiven PCR-Test. In der mRNA-Impfung gibt es Teile des Virus, die jedoch nur im Oberarm das körpereigene Immunsystem auf eine mögliche Infektion vorbereiten. Kein einziger Bestandteil des Impfstoffs kann jemanden mit dem Coronavirus infizieren.

Ich kenne zwei Personen, die permanente Nebenwirkungen haben. Eine hat Herzprobleme, die andere unkontrollierbare Zuck-Anfälle.
Myokarditis oder Perikarditis – entzündliche Erkrankungen des Herzes – sind tatsächlich nach Impfungen vorgekommen. Nach Überprüfung aller verfügbaren Daten kommt Swissmedic jedoch zum Schluss, dass dies «sehr selten» rund 14 Tage nach der Impfung auftreten könne. In der Schweiz gibt es bisher rund 40 Fälle. Myokarditis und auch Perikarditis lassen sich behandeln und heilen.

Von Zuckungen als Impf-Nebenwirkungen weiss man nichts. Es gab anfangs Jahr ein virales Video einer Frau aus den USA, die behauptete, nach der Moderna-Impfung ein paar Tage später plötzlich Zuckungen am ganzen Körper zu haben. Später stellte sich raus, dass es sich um eine Stressreaktion handelte und nichts mit der Impfung zu tun hatte.

Der Impfstoff kann ja nicht gut sein, wenn man sich bis zu drei Mal impfen lassen muss.
Die erste Impfung lässt beim Körper eine Immunabwehr entstehen. Das gibt schon mal einen einigermassen genügenden Schutz. Bei der zweiten Impfung ist die Antikörperantwort jedoch zehn- bis 20-mal stärker als nach der ersten Impfung. So sind wir besser geschützt. Gerade bei älteren Menschen ist die Immunantwort geringer als bei Jüngeren, deshalb wird für sie auch eine Booster-Impfung empfohlen.

Aber Israel...
Nachdem sich in Israel zuerst sehr viele Menschen impfen liessen, stagnierte die Zahl. Es kam erneut zu vielen schweren Verläufen und Todesfällen. Jetzt zeigt sich aber gerade in Israel die Wirksamkeit der Booster-Impfungen. Als erstes Land hat Israel Ende Juli mit der dritten Impfung begonnen. Bei den über 60-Jährigen, der Gruppe, die als erste einen Booster erhalten hat, erkranken nur noch 2 von 100'000 Personen schwer an Covid (Quelle). Bei den gleichaltrigen Doppelt-Geimpften sind es 21 von 100'000 Personen. Der Booster wirkt.

Seit September sinkt die Zahl der schweren Fälle in Israel. Jetzt wird dort bereits über eine vierte Impfung diskutiert.

Klar ist jetzt schon, dass die Anzahl der geimpften Personen auf den Intensivstationen weltweit steigen wird. Das hat zwei Gründe: Die wieder steigende Zahl an Ansteckungen und die steigende Impfquote. Je mehr Leute geimpft sind, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass solche Personen auf den Intensivstationen landen. Im Gesamtvergleich wird die Zahl jedoch sinken.

Geimpft, heisst nicht unbedingt gesund.
Auch das stimmt. Zwar sinkt die Wahrscheinlichkeit, sich mit dem Virus anzustecken, wenn man geimpft ist. Aber einen 100-prozentigen Schutz gibt es bei keiner Impfung. Ebenfalls klar ist, dass man die Virenlast als geimpfte Person rascher abbaut.

Gerade eben ist eine Studie aus Grossbritannien erschienen. Darin wird aufgezeigt, dass Geimpfte das Virus fast gleich häufig verbreiten wie Ungeimpfte. Allerdings sind diese Daten nur bedingt auch für die Schweiz gültig, Grossbritannien verwendet andere Impfstoffe und hatte auch immer andere Massnahmen. Was die Studie jedoch zeigt: Das Coronavirus ist gefährlich. Auch wenn bei den Geimpften die Krankheitsverläufe milder sind, können sie eine Gefahr für Ungeimpfte darstellen. Umso mehr ist eine hohe Impfquote wichtig, so werden Personen geschützt, die sich selbst nicht impfen lassen können. Und was die Studie ebenfalls zeigt: 3-G ist nicht unbedingt der Weg aus der Pandemie. Da helfen nur 2-G, eine hohe Impfquote und die üblichen Vorsichtsmassnahmen wie Maskenpflicht, Abstand und Hygiene.

Ich vertraue auf mein Immunsystem.
Das ist schön. Und das Immunsystem ist auch ein unglaubliches Teil! Aber damit es gegen eine Krankheit ankämpfen kann, braucht es Kontakt mit dieser. Früher oder später werden wir alle mit dem Coronavirus in Kontakt kommen. Jetzt haben wir zwei Möglichkeiten: Wir sind geimpft und haben unseren Körper schon früher auf eine Abwehr trainiert – und entsprechend einen milden Verlauf –, oder wir sind ungeimpft und schauen mal, was passiert. Die Wahrscheinlichkeit von schweren Schäden bis hin zum Tod ist bei Ungeimpften noch immer sehr viel höher.

Noch immer Fragen? Bedenken? Dann schreib es uns in die Kommentare!

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 30. Oktober 2021 06:32
aktualisiert: 30. Oktober 2021 08:27
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