Neue Massnahmen

Europa kämpft gegen Corona: Neue Auflagen in mehreren Ländern

26. Oktober 2020, 07:33 Uhr
In Italien müssen landesweit alle Restaurants und Bars um 18 Uhr für Gäste schliessen.
© Keystone/LaPresse/AP/Cecilia Fabiano
Im Kampf gegen die zweite Corona-Welle treten am Montag vielerorts in Europa neue Auflagen in Kraft, so etwa in Italien, Dänemark, der Slowakei und in der belgischen Hauptstadt Brüssel.

Viele Regierungen setzen auf nächtliche Ausgangssperren und weitere Kontaktbeschränkungen, um einen kompletten Lockdown der Länder zu vermeiden.

Rekordwerte in mehreren Ländern

Am Wochenende hatten mehrere EU-Staaten Rekordwerte bei der Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus gemeldet, darunter Frankreich, Dänemark, Belgien und Tschechien. Die europäische Seuchenbehörde ECDC hatte bis Sonntag seit Ausbruch der Pandemie insgesamt rund 5,9 Millionen Ansteckungen und gut 208'600 Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus registriert.

Italien: Vieles bleibt geschlossen

Nun müssen von Montag an in Italien landesweit alle Restaurants und Bars um 18 Uhr für Gäste schliessen. Auch Kinos, Theater, Fitnessstudios, Bäder, Skiresorts und Konzerthallen dürfen nicht mehr öffnen. Ein Grossteil der italienischen Gymnasialschüler wird vorerst online unterrichtet. Auch in der Slowakei müssen Schüler ab der fünften Schulstufe auf Online-Unterricht umsteigen.

Dänemark: Kein Alkoholverkauf ab 22 Uhr

In Dänemark dürfen sich von Montag an nicht mehr als zehn Personen an einem Ort versammeln. Kioske und Supermärkte dürfen nach 22 Uhr keinen Alkohol mehr verkaufen. In der belgischen Hauptstadt Brüssel und Umgebung gilt wieder überall Maskenpflicht, die nächtliche Ausgangssperre beginnt dort bereits um 22 Uhr statt um Mitternacht. Schwimmbäder, Sportclubs und Fitnessstudios müssen schliessen, ebenso Theater, Kinos und Museen.

Spanien: Erneuter Notstand

Spanien hatte bereits am Sonntag – wie schon während der ersten Corona-Welle im Frühjahr – den nationalen Notstand verhängt, um nächtliche Ausgangssperren zu ermöglichen. Der Notstand soll nach dem Willen der Regierung möglichst bis nächsten Mai gelten.

Frankreich: Nächtliche Ausgangssperre

In Frankreich gilt seit Samstag die nächtliche Ausgangssperre für rund zwei Drittel der Einwohnerinnen und Einwohner des Landes, also rund 46 Millionen Menschen. Die Ausgangssperre gilt in 54 Départements und dem französischen Überseegebiet Französisch-Polynesien. In den Nachtstunden dürfen die Menschen nur mit einem triftigen Grund vor die Tür.

Slowakei: Breite Testaktion

In der Slowakei ging unterdessen am Sonntagabend die erste Phase einer beispiellosen Testung fast der gesamten Bevölkerung auf das Coronavirus zu Ende. Seit Freitag wurden unter der Regie des Verteidigungsministeriums in vier besonders stark betroffenen Bezirken an der Grenze zu Polen alle mehr als zehn Jahre alten Bewohner einem Antigen-Schnelltest unterzogen. An den beiden nächsten Wochenenden soll der Rest des Landes folgen – immerhin rund fünf Millionen Menschen. Die Regierung in Bratislava sieht dieses Projekt als Beispiel, dem auch andere Länder Europas folgen könnten.

Irland: Land im Teil-Lockdown

Die Massnahmen wurden erheblich verschärft: Seit Donnerstag gilt für sechs Wochen die höchste von fünf Massnahmen-Stufen. Wer kann, muss bis zum 1. Dezember in Irland Homeoffice machen. Geschäfte, die keine lebensnotwendigen Waren verkaufen, werden geschlossen. Treffen mit anderen Haushalten sind bis auf wenige Ausnahmen untersagt. Schulen bleiben geöffnet und Sport im Freien im Umkreis von fünf Kilometern ist erlaubt.

Tschechien: Unterstützung der anderen Länder

Tschechien kämpft mit einer der stärksten Zunahme an Corona-Neuinfektionen in der EU. Das hart getroffene Land erhält nun Beatmungsgeräte aus einer gemeinsamen Reserve der Europäischen Union sowie aus den Niederlanden und Österreich. Letzte Woche hat die Regierung einen erneuten landesweiten Lockdown verhängt. Die meisten Geschäfte sind geschlossen. Es gelten weitgehende Ausgangsbeschränkungen. Spaziergänge in Parks und in der Natur sind erlaubt, es gilt jedoch eine weitgehende Maskenpflicht im Freien.

Belgien: Verschärfte Maskenpflicht in Brüssel

In Belgien hatte die Regierung ebenfalls eine nächtliche Ausgangssperre verfügt, ebenso wie die Schliessung von Restaurants und es gibt strikte Kontaktbeschränkungen. Für die Hauptstadt Brüssel wurde dies am Wochenende noch verstärkt. Ab Montag gilt eine verschärfte Maskenpflicht. Alle Theater, Kinos, Museen sowie Sportstätten und Schwimmbäder werden geschlossen. Homeoffice ist Pflicht, soweit dies möglich ist.

Niederlande: Land im Teil-Lockdown

Die Regierung in Den Haag hat die Corona-Massnahmen erheblich verschärft und einen Teil-Shutdown angeordnet. Restaurants und Cafés müssen für vier Wochen schliessen, der Verkauf von Alkohol ist ab 20 Uhr verboten. Die Bürger dürfen nur maximal drei Gäste pro Tag in ihren Wohnungen empfangen. Zudem sollen sie Bus und Bahn nur in dringenden Fällen nutzen. Gleichzeitig wurden erste schwer kranke Corona-Patienten nach Deutschland verlegt, weil die niederländischen Krankenhäuser an ihre Kapazitätsgrenzen kommen.

(sda/red.)

Quelle: sda
veröffentlicht: 26. Oktober 2020 05:00
aktualisiert: 26. Oktober 2020 07:33