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Liechtenstein

Fitnesszentren im Dilemma: «Wir wollen niemandem schaden»

Lena Rhyner, 12. März 2021, 08:40 Uhr
Seit knapp zwei Wochen dürfen die Fitnesszentren im Fürstentum Liechtenstein wieder offen haben. Doch von vollen Gyms und blühendem Geschäft ist keine Rede: Sie kämpfen mit weniger Kundinnen und Kunden, beschränkten Kapazitäten – und der Moral.
Trainieren mit Maske und Abstand: Im Fürstentum sind die Fitnesszentren geöffnet. (Symbolbild)
© Getty Images

Das Fürstentum Liechtenstein wurde in den letzten zwei Wochen zur einsamen Fitnessinsel. In Österreich, der Schweiz und in Deutschland bleiben die Fitnesszentren aufgrund der Corona-Regeln geschlossen. Nur im Fürstentum wurden die Massnahmen gelockert und die Hantelbanken und Stepper für Fitnessbegeisterte wieder bereit gestellt. Diese Möglichkeit nutzen auch Leute aus der Schweiz und Vorarlberg. Doch von überrannten Hütten ist nicht die Rede.

«Bei uns ist nicht die Hölle los»

«Schweizer stürmen Liechtensteiner Fitnesszentren», titelt das Newsportal 20 Minuten. Doch die Gyms aus dem Fürstentum widersprechen. «Unsere Fitnesszentren sind praktisch den ganzen Tag fast leer», sagt Dominik Beck, Mitarbeiter beim Fitnesshaus in Schaan, gegenüber FM1Today. Einzig zu Stosszeiten, vor allem nach Feierabend, herrsche reger Betrieb. «Aber auch da: Bei uns ist nicht die Hölle los. Im Freihantelbereich sind es jeweils nur zehn Personen, die gleichzeitig und mit Maske trainieren dürfen.»

Ähnliche Erfahrungen macht Rino John vom Flexigym in Balzers: «Wir haben ein paar Leute, die jetzt aus dem Ausland zu uns kommen. Aber das sind Leute, die auf das Training angewiesen sind.» Beispielsweise trainiere bei ihm ein Kunde aus der Schweiz, der aufgrund einer körperlichen Behinderung trainieren müsse. Für solche Einzelfälle vergebe er sehr gerne Monatsabos an Kunden aus dem Ausland.

Die Fitnesszentren im Dilemma

Trotz Lockerung der Massnahmen steht auch den Fitnesszentren in Liechtenstein das Wasser bis zum Hals. Auch sie hätten Kundschaft während des Lockdowns verloren, auch ihnen würden die Einnahmen fehlen. Dass ihnen nun die Hütte eingerannt werde, löse ein falsches Bild aus, heisst es vom Fitnesshaus. «Wo früher 20 Leute Yoga gemacht haben, sind es heute noch ein paar wenige Personen.» Ein Dilemma für die Fitnessbetreiber. Einerseits ermöglichen ein paar verkaufte Monatsabos an Schweizer zwar einen minimalen Zustupf in die Kasse, andererseits belegen Kunden aus der Schweiz auch die raren Plätze zu Stosszeiten, welche Stammkunden verwehrt bleiben könnten. Man denke an beschränkte Besucheranzahl und Schutzkonzepte. «Zudem steht der Sommer mit generell wenigen Einnahmen vor der Tür», so Beck.

Auch das Fitnesshaus hat Monatsabos angeboten. Mittlerweile hat es den Verkauf jedoch eingestellt. Dieser kurze finanzielle Erfolg einiger verkaufter Monatsabos in der Übergangszeit bis zu den Lockerungen in der Schweiz wiege die Treue zu den Stammkunden nicht auf.

Fitnessbranche hält zusammen

Die Stimmen aus Liechtenstein zeigen eindeutig: Die Fitnessbranche hält zusammen. «Wir wollen auf keinen Fall Schweizer Fitnesszentren schaden», heisst es sowohl von Dominik Beck vom Fitnesshaus als auch Rino John vom Flexigym. Die gesamte Fitnessbranche sitze im gleichen Boot und habe zu kämpfen. Es solle nicht der Eindruck entstehen, dass sie sich nun auf Kosten der geschlossenen Schweizer Gyms eine goldene Nase verdienen. Es scheint, als bangten auch die Liechtensteiner, bis ihre Schweizer Branchenkollegen endlich auch öffnen dürfen. Der Bundesrat hat diesbezüglich noch im März Lockerungen in Aussicht gestellt.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 12. März 2021 05:33
aktualisiert: 12. März 2021 08:40