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Taskforce warnt

Impfschutz lässt nach – Spitäler könnten an Anschlag kommen

10. November 2021, 20:40 Uhr
Die wissenschaftliche Covid-19-Taskforce zeichnet in ihrer Lagebeurteilung ein düsteres Bild. Kommt die Booster-Impfung nicht bald für alle Bevölkerungsgruppen, drohen eine Überlastung der Spitäler und eine Zunahme der Todesfälle.
Die Spitäler müssen sich auf mehr Patientinnen und Patienten vorbereiten. (Archivbild)
© Keystone/Archivbild

«Seit drei Wochen steigen die Fallzahlen wieder signifikant.» «Simulationsstudien des ECDC (Europäisches Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten) sagen für Länder mit einer Impfabdeckung ähnlich der Schweiz voraus, dass die Maximal-Last der Hospitalisierungen bis Ende November 2021 die Maximal-Last des letzten Jahres übersteigen könnte.»

Das sind nur zwei Aussagen aus der aktuellen Lagebeurteilung der wissenschaftlichen Taskforce der Schweiz. Und sie lassen aufhorchen. Auch wenn die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hier nicht davon ausgehen, dass dieses Schreckensszenario bereits Ende November eintritt, ist «ein solches Szenario über den Winter nicht auszuschliessen». Und: «Eine rasche Zunahme der Zahlen wäre für das immer noch stark belastete Gesundheitswesen sehr schwierig zu bewältigen.»

Die Jungen trifft es häufiger

Sorge bereitet der Taskforce vor allem das Tempo, mit dem die Zahlen in fast allen Bereichen steigen. Über die letzten zwei Wochen stiegen die bestätigten Coronafälle um 50 Prozent pro Woche, die Hospitalisationen um 19 Prozent. Nur die Todesfälle gingen um fast 30 Prozent zurück.

Was bei der Untersuchung der Zahlen der vergangenen Wochen auffällt: In den Altersgruppen bis 20 Jahren ist der Anstieg der Infektionen am höchsten.

Kein Schutz mehr ab Ende Jahr?

Wirklich düster wird der Ausblick der Taskforce auf die Impfwirkung. Immerhin sinkt das Risiko einer Corona-Infektion dank den mRNA-Impfungen um etwa die Hälfte. Doch der Schutz lässt nach. Bereits nach 211 Tagen habe man beim Impfstoff von Biontech/Pfizer keinen Schutz mehr, bei Moderna immerhin noch zu 59 Prozent.

Auch wenn die Taskforce hier die Booster-Impfung nicht explizit erwähnt, machen diese Zahlen klar, wie wichtig eine rasche Auffrischungsimpfung für alle Geimpften wäre. Denn ein Grossteil der Bevölkerung hat sich im Sommer impfen lassen, die Wirkung wäre also genau auf Weihnachten und anfangs 2022 mehr oder weniger verpufft.

Die Impfung wirkt

Wie wirksam eine Impfung ist, zeigt sich ebenfalls in der Beurteilung der wissenschaftlichen Taskforce. «Der Impfschutz gegen schwere Erkrankungen ist anfänglich hoch. In den Schweizer Daten sahen wir einen Impfschutz gegen Hospitalisierung von rund 90 Prozent oder höher in allen Altersklassen in den Monaten Juli, August und September.»

Doch nun beobachte man bereits, wie dieser Schutz bei den über 80-Jährigen langsam sinke – also bei jener Altersgruppe, die zuerst geimpft worden ist.

Geimpfte übertragen das Virus seltener

Dass mit einer Impfung auch das Virus weniger verbreitet wird, ist ebenfalls klar. «Tatsächlich überträgt eine geimpfte Person das Virus selbst bei einer Infektion seltener als eine nicht geimpfte Person. Das Übertragungsrisiko bei einer Durchbruchsinfektion ist um etwa 66 Prozent geringer als bei Ungeimpften», heisst es. Mögliche Gründe für diese Tatsache sind, dass Geimpfte weniger lang ansteckend sind oder das Virus bei geimpften Personen abgeschwächt wird.

(rr)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 10. November 2021 20:15
aktualisiert: 10. November 2021 20:40