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Tiefe Impfquote

Innerrhoder Kantonsarzt: «Der Bundesrat kann träumen, es nützt nichts»

10. Oktober 2021, 07:50 Uhr
Die Schweizer Impfquote ist tief – kann sie überhaupt noch erhöht werden? Laut dem Innerrhoder Kantonsarzt Markus Schmidli sind alle Möglichkeiten ausgeschöpft.
Markus Schmidli ist Innerrhoder Kantonsarzt.
© Appenzeller Zeitung

Knapp 60 Prozent der Schweizer Bevölkerung sind vollständig gegen das Coronavirus geimpft, rund fünf Prozent haben eine Dosis erhalten. Nach einem kurzen Aufschwung wegen der Ausdehnung der Zertifikatspflicht – und dem angekündigten Ende der Gratistests – stockt die Impfkampagne, wie die aktuellen Zahlen des Bundesamts für Gesundheit (BAG) zeigen. Zum Vergleich: In Portugal sind beinahe 86 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft, im viel zitierten Dänemark, das zu einem normalen Leben zurückgekehrt ist, über 75 Prozent.

Ratlose Kantone

Die Impfquote müsse erhöht werden, um die Intensivstationen zu schonen und ohne explodierende Fallzahlen durch die kalten Monate zu kommen, heisst es vom Bund. Doch wie klappt das? 50-Franken-Gutscheine für jene, die Umgeimpfte umstimmen können, haben einen schweren Stand. Die Kantonsärztinnen und Kantonsärzte seien ratlos, schreibt der «Sonntagsblick». Markus Schmidli, Kantonsarzt in Appenzell Innerrhoden, findet klare Worte: «Übung halt! Wir haben alles gemacht, was ging.» Wer sich impfen lassen wollte, habe dies längst getan.

In den letzten Wochen habe man auch die Hausarztpraxen eingebunden, um auf die Impfung aufmerksam zu machen. Trotzdem sei das Resultat ernüchternd gewesen. «Der Bundesrat kann träumen, es nützt nichts. Die Leute sind informiert, sie wollen einfach nicht mehr.» Die Bevölkerung sei gefrustet.

«Kein gescheiter Vorschlag mehr»

Schmidli versteht zwar den «Aktionismus aus Bern». Es gebe aber «keinen gescheiten Vorschlag mehr». Der Bundesrat müsse nun akzeptieren, dass manche Leute eigenständig entschieden hätten, sich nicht impfen zu lassen.

Der oberste Impfchef Christoph Berger setzt sich derweil dafür ein, dass bei jedem Testcenter auch ein Impfangebot aufgebaut wird. Wie es weitergeht, erfahren wir wohl am kommenden Mittwoch – der Bundesrat trifft sich zu seiner nächsten Sitzung. Dann entscheidet er definitiv über die Impfoffensive.

(lag)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 10. Oktober 2021 07:50
aktualisiert: 10. Oktober 2021 07:50