Coronamassnahmen

Lockerungen stehen bevor: Wie ist die Situation in den Spitälern?

Dario Brazerol, 14. Februar 2022, 19:50 Uhr
Schon am Mittwoch könnte der Bundesrat drastische Lockerungen der Coronamassnahmen verkünden. Für solche Schritte war bis anhin die Auslastung der Spitäler ausschlaggebend. Diese hat sich mittlerweile gebessert. Allerdings kämpfen einige Spitäler nach wie vor mit Personalausfällen.
Die Lage auf den Intensivstationen hat sich in den Schweizer Spitälern stabilisiert.
© Keystone

Bundesrat Alain Berset wird beantragen, dass die Zertifikatspflicht umgehend und in einem Schritt aufgehoben und die Beschränkungen für private Treffen nicht mehr gelten sollen, schreibt der «Tages-Anzeiger». Offen bleibe nur die Maskentragepflicht. Die Zeichen weisen also langsam aber sicher in Richtung Normalität, auch weil Omikron mittlerweile den Zenit überschritten hat, wie die Covid-Science-Taskforce letzte Woche mitteilte.

Um Lockerungsschritte zu ermöglichen, wurde die Auslastung der Spitäler in der Schweiz stets als einer der wichtigsten Indikatoren genannt. Volle Intensivstationen würden es nicht erlauben, die Bevölkerung einem zu hohen Infektionsrisiko auszusetzen. Nicht nur wegen der begrenzten Bettenzahl, sondern auch wegen der Belastung des Personals. Durch Omikron kam hinzu, dass die Spitäler teilweise selbst mit erheblichen krankheitsbedingten Personalausfällen zu kämpfen hatten, da die Variante deutlich ansteckender ist als ihre Vorgängerinnen.

Spital Thurgau will weitere Personalausfälle verhindern

Geht es nach dem Bundesrat, hat sich die Lage in den Spitälern nun genügend stabilisiert. Was die Intensivstationen betrifft, bestätigen dies auch die Kantonsspitäler im FM1-Land. Die Situation sei für das Pflegepersonal und die Ärztinnen und Ärzte tragbar, man könne von einer Entspannung sprechen, bestätigt das Kantonsspital Thurgau gegenüber FM1Today. Aktuell sind dort 21 der 26 IPS-Betten belegt, sechs davon von Covid-Patientinnen und -Patienten. Mehrheitlich handle es sich um Omikron-Fälle. Die Aufenthaltsdauer auf der Intensivstation variiere von einem Tag bis zu sechs Wochen.

Trotz entlasteter Intensivstation gibt es für das Thurgauer Kantonsspital nach wie vor eine grosse Herausforderung: die Personalausfälle. Durch die Lockerungen könnte die Zahl der Krankheitsfälle wieder steigen. «Aufgrund der bereits hohen Ausfälle bei den Mitarbeitenden wäre es für uns sehr heikel, wenn weitere hinzukämen», sagt Marc Kohler, CEO der Spital Thurgau AG. Um dies zu verhindern, will die Spital Thurgau AG gewisse Massnahmen unabhängig von den Lockerungen beibehalten. «Aus Sicherheitsgründen und zur Risikominderung werden wir die Maskenpflicht in allen unseren Spitälern sicher aufrechterhalten», sagt Kohler.

Keine markanten Zunahmen auf der IPS des KSSG

Auch im Kantonsspital St.Gallen habe sich die Lage stabilisiert, sagt Mediensprecher Philipp Lutz: «Wir sind – wie fast alle in der Schweiz – zuversichtlich. Es bleibt aber weiterhin schwierig, Prognosen zu stellen. Noch immer kommt es zu schweren Verläufen und zu neuen Spitaleinweisungen.» Die Auslastung der Intensivstation ist immer noch Schwankungen ausgesetzt. Markante Zunahmen verzeichnet das KSSG in den letzten Wochen aber nicht mehr.

Die Zahl der krankheitsbedingten Personalausfälle sei im KSSG zwar nach wie vor überdurchschnittlich hoch, allerdings seien diese nicht primär auf Coronainfektionen zurückzuführen, sondern auf andere saisonbedingte Erkrankungen. «Dank der grossen Solidarität können wir die Ausfälle aktuell kompensieren», sagt Lutz. Seit dem 7. Februar stehen allen Kliniken auch wieder die regulären OP-Kapazitäten zur Verfügung. Somit können Wahleingriffe wieder im Normalbetrieb durchgeführt werden.

«Personal bleibt der entscheidende Faktor»

Ein wichtiger Schritt in Richtung Normalität ist im KSSG also bereits getan. Auch dass der Bundesrat nun lockern will, sei «verständlich und nachvollziehbar». «Aber wir würden nichts überstürzen und die Aufhebungen weiterhin gestaffelt vornehmen, um die Auswirkungen beobachten zu können», betont Lutz. Er hofft, dass es durch die Lockerungen nicht zu vermehrten Personalausfällen kommen wird. «Denn das zur Verfügung stehende Personal bleibt der entscheidende Faktor.»

Ähnlich wie die Spitäler Thurgau und St.Gallen bestätigt auch das Kantonsspital Graubünden eine deutliche Entspannung auf der Intensivstation. Dort sind aktuell zehn der zwölf Betten belegt, drei davon von Covid-Patienten. Diese seien an der Delta-Variante erkrankt, sagt Dajan Roman, Mediensprecher des Kantonsspitals Graubünden. Den bevorstehenden Bundesratsentscheid kommentiert das Kantonsspital nicht.

Wie entscheidet der Bundesrat?

Der Bundesrat hat vor zwei Wochen bei den Kantonen zwei Varianten für Lockerungsschritte in die Konsultation geschickt. Variante 1 beinhaltet die Aufhebung der Massnahmen in einem einzigen Schritt am 17. Februar. Die zweite Variante sieht die Aufhebung der Massnahmen in zwei Schritten vor.

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Quelle: CH Media Video Unit / Melissa Schumacher

Die Ostschweizer Kantonsregierungen möchten zwar die Maskenpflicht in Gesundheitseinrichtungen und im öffentlichen Verkehr beibehalten. In Läden und anderen öffentlich zugänglichen Innenräumen soll nach dem Willen der Kantone St.Gallen, Thurgau, Appenzell Innerrhoden und Appenzell Ausserrhoden hingegen künftig keine Maske mehr getragen werden müssen.

Die Kantone Graubünden und Glarus argumentieren hingegen, es stehe allen frei, in Läden oder im öffentlichen Verkehr weiterhin freiwillig eine Maske zu tragen. Die Maskenpflicht solle daher in eine Empfehlung umgewandelt werden.

Wie die Lockerungen konkret umgesetzt werden, kommuniziert der Bundesrat an einer Medienkonferenz am Mittwoch, 16. Februar.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 15. Februar 2022 05:41
aktualisiert: 15. Februar 2022 05:41
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