Gesundheitswesen

Nach nur einem Tag: Über tausend freiwillige Helfer im Thurgau

Christoph Thurnherr, 20. März 2020, 18:28 Uhr
Im Thurgauer Kantonsspital könnten bereits ab Montag freiwillige eingesetzt werden.
© Andrea Stalder / Tagblatt
Um der Coronakrise beizukommen und eine Überlastung des Gesundheitswesens zu vermeiden, sind die Kantone auf freiwillige Helfer angewiesen. Seit dem Aufruf am haben sich bereits zahlreiche Freiwillige gemeldet.

«Um das Gesundheitswesen zu stärken, sind freiwillige Helferinnen und Helfer gesucht», so beginnt der Facebook-Post des Kantons Thurgau vom Donnerstagmorgen, so oder so ähnlich lautet auch die Einleitung bei den anderen Ostschweizer Kantonen.

Sie alle suchen aufgrund der zu erwartenden Engpässe Verstärkung aus der Gesellschaft. «Ausgebildete Samariter, Sanitäter, Leute mit einer Ausbildung in der Pflege, die jetzt in einem anderen Bereich arbeiten oder sogar früh pensionierte Ärzte sind natürlich besonders willkommen», sagt etwa Jonny Dörig vom Kantonalen Führungsstab Appenzell Innerrhoden. 

Grundsätzlich sei man aber über jede Hilfe froh, da sind sich die Kantonsvertreter einig. 

Über tausend Freiwillige im Thurgau

Einen gewaltigen Rücklauf auf den Aufruf stellt man im Kanton Thurgau fest. «Bei uns haben sich nach einem Tag über Tausend Freiwillige gemeldet. Gut 150 davon kommen aus dem Gesundheitssektor, etwa 300 haben zumindest etwas Erfahrung», sagt Mirjam Fonti, Kommunikationsbeauftragte des Kantons. 

Mit einer so grossen Menge an Freiwilligen hätten sie in so kurzer Zeit nicht gerechnet. Trotzdem laufe die Aktion weiter. «Der Einsatz der Freiwilligen wird definitiv nötig werden. Wir können momentan nicht abschätzen, wie viele es brauchen wird», sagt Fonti.

Die Freiwilligen erhielten einen befristeten Arbeitsvertrag und würden entsprechend ihrer Qualifikation entschädigt.  

Sehr gross ist die Solidarität auch in den Appenzeller Kantonen. Im Ausserrhodischen spricht man von einem «erfreulich grossen Rücklauf», auch wenn noch keine einzelnen Zahlen bekannt sind. 

«Die Risikogruppen müssen sich auch helfen lassen»

Konkreter ist es in Innerrhoden. «Bei der zentralen Stelle haben sich gut hundert Personen gemeldet, bei den dezentralen Stellen in den Dörfern können es gut nochmals so viele sein», sagt Jonny Dörig. 

Der Rücklauf sei zufriedenstellend, allerdings brauche es noch mehr Freiwillige vom Fach. «Die Freiwilligen mit medizinischem Hintergrund bewegen sich im tiefen zweistelligen Bereich», sagt Dörig. 

Derzeit sei die Anzahl Helfer zwar grösser als die der Bedürftigen: «Die Risikogruppen müssen sich auch helfen lassen. Viele Ältere denken zum Beispiel, sie könnten die Einkäufe schon noch selbst erledigen.»

Das neue Bewusstsein muss offenbar erst noch bei den Leuten ankommen. Momentan sind in den Spitälern noch keine freiwilligen Helfer im Einsatz. Vielerorts ist man noch mit der Auswertung, der Zuteilung und dem Erstellen von Notfalllisten beschäftigt. «Wir rechnen im Thurgau am Montag mit einem ersten Freiwilligeneinsatz», sagt Mirjam Fonti. 

Die Anfragen bei den Kantonen St.Gallen und Graubünden wurden bis zur Fertigstellung des Artikels nicht beantwortet. Auch dort dürfte der Rücklauf sehr gross sein, genauso wie der allgemeine Arbeitsaufwand. Es ist dabei verständlich, dass Medienanfragen zum Teil nicht sofort beantwortet werden können. 

Falls sie sich angesprochen fühlen und helfen möchten, melden sie sich bei den kantonalen Stellen. Falls sie sporadisch Hilfe leisten möchten, gibt es auch andere Möglichkeiten wie zum Beispiel die FM1-Nachbarschaftshilfe.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 20. März 2020 18:28
aktualisiert: 20. März 2020 18:28