Angstmacherei

Sind Masken lebensgefährlich? Experten widersprechen

6. Oktober 2020, 14:40 Uhr
Im Internet kursieren Gerüchte, dass Masken lebensgefährlich seien. Experten sehen das anders.
© Keystone/Salvatore Di Nolfi
Die Frage, wie wirkungsvoll Schutzmasken für den alltäglichen Gebrauch seien, scheint die Bevölkerung zu spalten. Manche halten sie sogar für lebensgefährlich. Jetzt relativieren Experten.

Über längere Zeit durch ein Stück Gewebe atmen, dies zum Schutz anderer. Was in einigen asiatischen Ländern schon lange normal ist, sorgt bei uns für Gesprächsstoff. Im Internet liest man, dass Schutzmasken zu Atemwegserkrankungen, Infektionen und im schlimmsten Fall zum Tod führen können. Doch wie gefährlich ist das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes?

Tote Kinder in Deutschland

Wie der Tages-Anzeiger berichtet, sorgen Aussagen vom deutschen Arzt und Corona-Kritiker Bodo Schiffmann für Verunsicherung. «Es ist jetzt innerhalb von kurzer Zeit das zweite Kind gestorben», sagt er in einem aktuellen Video. Auch dieses habe keine Vorerkrankungen gehabt. Weiter sagt er, es sei «mit grosser Wahrscheinlichkeit dadurch gestorben, dass es diese Maske getragen hat». Seine Quelle: ein Kollege. Details nennt er nicht.

Das erste Kind soll eine 13-Jährige sein, die Anfang September in einem Schulbus bewusstlos wurde und später in einem Karlsruher Krankenhaus verstarb. Die für den Fall verantwortliche Staatsanwaltschaft Landau teilte am 1. Oktober mit, dass weitere rechtsmedizinische Untersuchungen in Auftrag gegeben wurden. Gefundenes Fressen für Verschwörungstheoretiker.

Auch in der Schweiz gibt es Kritiker der vom Bundesrat verhängten Massnahmen. Wie hier an einer Demonstration in Uri.

© Keystone/Urs Flueeler

«Kein Schweizer Fall»

«In der Schweiz kenne ich keinen Fall, dass ein Kind durch das Tragen einer Maske gestorben sein sollte», sagt Christoph Berger, Infektiologe am Kinderspital Zürich, gegenüber dem Tages-Anzeiger. Auch Michael Pfeiffer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie, sieht in den Masken keine Gefahr. «Es ist ausgesprochen unwahrscheinlich, dass ein Mensch lebensbedrohliche Symptome entwickelt, weil er eine Maske trägt.» Auf Basis des aktuellen Wissensstands sei das Tragen von Masken unbedenklich.

Im Gegensatz zu Deutschland müssen Schulkinder bei uns erst ab zwölf Jahren eine Maske tragen. Dies auch nicht überall, sondern nur, wo es vorgeschrieben ist und wenn der Abstand nicht eingehalten werden kann. Jugendliche in der Oberstufe seien in einem Alter, wo man ihnen den Sinn der Masken gut erklären könne, sagt Berger. Dass ein Kind wegen einer Maske plötzlich zu wenig Sauerstoff bekommt, habe er hierzulande noch nie gehört.

Obwohl Schutzmasken an sich keine Gefahr darstellen, ist es wichtig, sich über deren Handhabung zu informieren.

© Keystone/Martial Trezzini

Hauptsächlich unproblematische Bakterien auf Masken

Klaus-Dieter Zastrow, Leiter des Hygiene-Instituts Berlin Search Care, hat sich mit der Keimbelastung von Masken auseinandergesetzt. Seine Mitarbeiter sammelten Schutzmasken von Passanten und untersuchten diese. Weder auf der Innen- noch der Aussenseite wurden bedenkliche Erreger gefunden. Vor allem normale Hautkeime und Umweltbakterien, wie man sie beispielsweise auf Gemüse findet, wurden auf den Masken gefunden. Das Fazit von Zastrov: «Der Mund-Nasen-Schutz ist überhaupt kein Gesundheitsrisiko.»

Aus hygienischen Gründen solle man Einwegmasken nicht mehrmals benutzen, sagt Christoph Berger. Denn wird die Maske feucht, könnten sich darauf Bakterien und Pilze ansiedeln. Deshalb sollte man auch Stoffmasken nach Gebrauch auskochen. Eine Schutzmaske ohne waschen mehrere Tage zu tragen, sei keine gute Idee.

(red.)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 6. Oktober 2020 11:16
aktualisiert: 6. Oktober 2020 14:40