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Coronavirus

Wegen Omikron wird sogar die Abschaffung der Quarantäne zum Thema

9. Januar 2022, 12:08 Uhr
Die starke Ausbreitung der Omikron-Variante löst eine Grundsatzdebatte über die Quarantäne aus. Die Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren der Ostschweizer Kantone möchten sie auf fünf Tage verkürzen, Epidemiologe Marcel Salathé bringt eine Abschaffung aufs Tapet.
Der Epidemiologe Marcel Salathé will die Quarantäne ganz abschaffen.
© KEYSTONE/PETER KLAUNZER

Man müsse auf jeden Fall verhindern, dass die Schweiz bald stillstehe, sagte die Zürcher Gesundheitsdirektorin Nathalie Rickli der «NZZ am Sonntag». Wegen der Omikron-Variante könnte es allein im Kanton Zürich schon Ende Januar zu täglich bis zu 40'000 Fällen kommen.

In diesem Zusammenhang steht gemäss Rickli der Vorstoss der Gesundheitsdirektorinnen und - direktoren der Ostschweizer Kantone. Sie hätten den Bundesrat in einem Brief aufgefordert, die Quarantäne- und Isolationsdauer auf fünf Tage zu reduzieren, erklärte Rickli in dem Interview.

Wer 48 Stunden symptomfrei sei, solle dann die Isolation oder Quarantäne beenden dürfen, so die SVP-Politikerin, Denn Omikron habe eine kürzere Inkubationszeit als frühere Varianten. Personen mit Symptomen müssten zu Hause bleiben.

Präsident der Kantonsärzte zeigt sich offen

Auch der Berner Gesundheitheitsdirektor Pierre-Alain Schnegg (SVP) sagte gegenüber dem Westschweizer Radio RTS am Samstagabend, dass die Reduktion auf fünf Tage schnell kommen müsse. Er hoffe sehr, dass das schon nächste Woche der Fall sein könne.

Der Präsident der Kantonsärzte, Rudolf Hauri, zeigte gegenüber der «NZZ am Sonntag» Verständnis für diese Forderung. Auch er würde es begrüssen, wenn der Bundesrat die Dauer von Isolation und Quarantäne verkürzen würde. Denn es gebe Hinweise, dass mit Omikron Infizierte weniger lange infektiös seien.

Einige wollen sogar noch weiter gehen. Nach der Verkürzung auf fünf Tage wäre es gut, über die Abschaffung der Quarantänepflicht zu diskutieren, sagte der Berner Gesundheitsdirektor Schnegg im Gespräch mit RTS.

Täglicher Test statt Quarantäne

Ideen, wie dies umgesetzt werden könnte, werden in Fachkreisen bereits diskutiert. Mit entsprechender Technologie könnte man vielleicht ganz auf die Quarantäne verzichten, sagte der Epidemiologe Marcel Salathé der «Sonntagszeitung».

Man könnte allen, die Kontakt Infizierten hatten, umgehend zehn Schnelltests zukommen lassen, so Salathés Vorschlag. Die Person solle sich dann täglich testen. Solange der Test negativ sei, könne man «mit vorsichtigem Verhalten» auch wieder zur Arbeit gehen.

Bei den Kantonen stösst der Ruf nach einer Abschaffung der Quarantäne auf ein geteiltes Echo. Unterstützung findet er beim Luzerner Gesundheitsdirektor Guido Graf (Mitte). Eine Quarantäne von fünf Tagen sei einfach nicht umsetzbar, sagte Graf der «Sonntagszeitung».

GDK-Präsident gegen Abschaffung

Skeptischer äusserte sich der Präsident der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (GDK), Lukas Engelberger. Eine Reduktion der Quarantäne auf fünf Tage sei prüfenswert, zitierte ihn die «Sonntagszeitung».

Eine Abschaffung der Quarantäne sei hingegen zu riskant, sagte der Basler Gesundheitsdirektor. Selbsttests seien zu wenig zuverlässig. Ein solches Vorgehen sei für ihn frühestens in einer Übergangsphase denkbar, wenn das Schlimmste der Omikron-Welle vorbei sei.

Der Mitte-Politiker sieht bei der Quarantäne nun erst einmal den Bundesrat am Zug. Dieser müsse in der kommenden Woche Klarheit schaffen. Hintergrund ist, dass die bundesrechtlichen Bestimmungen noch immer eine Quarantänedauer von zehn Tagen vorsehen.

Allerdings hatte das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat Ende Dezember den Kantonen empfohlen, die Frist auf sieben Tage zu verkürzen - was die meisten daraufhin taten. Diese Diskrepanz habe zu Unsicherheit geführt, so Engelberger.

Grundversorgung in Spitälern gefährdet

Am Freitag befanden sich nach Angaben des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) rund 89'989 Personen in Isolation und 28'247 Personen in Quarantäne.

Welche Belastung Personalausfälle für die Spitäler bedeuten, machte Dorit Djelid, stellvertretende Direktorin des Spitalverbands H+, am Samstagabend in der SRF-«Tagesschau» klar. Je nach Szenario könnten 10 bis 40 Prozent des Personals ausfallen.

Doch schon Ausfälle von mehr als 15 Prozent seien für die Grundversorgung kritisch, so Djelid. Das bedeute, dass beispielsweise Notfälle «nicht mehr so gut» versorgt werden könnten.

Quelle: sda
veröffentlicht: 9. Januar 2022 12:05
aktualisiert: 9. Januar 2022 12:08