Bundesrat

Wie schnell kommt der Booster für alle und drohen weitere Massnahmen?

Angela Müller, 17. November 2021, 11:01 Uhr
Knapp 65 Prozent der Bevölkerung in der Schweiz sind geimpft – ein zu kleiner Anteil, um dem Virus während der Winterzeit ernsthaft etwas entgegenhalten zu können. Weitere Massnahmen sind wohl unumgänglich. Die Frage ist, ab wann die Booster-Impfung für alle kommt oder ob bereits 2-G ernsthaft zum Thema wird.
Noch fehlt die Zulassung von Swissmedic für die Booster-Impfung für unter 65-Jährige.
© Keystone

Die Zahl der Neuimpfungen stagniert, während die Ansteckungszahlen steil nach oben schiessen. In Anbetracht dessen hat Bundespräsident Guy Parmelin bereits in der Sonntagspresse angekündigt, verschiedene Massnahmen voranzutreiben: zum Beispiel die Booster-Impfung.

Er zeigte sich überzeugt, dass die dritte Impfung möglichst schnell auf die Gesamtbevölkerung ausgeweitet werden muss. Denn das Interesse an der Booster-Impfung ist aktuell entschieden höher als an einer Erstimpfung, wie nur schon ein Blick letzte Woche ins Impf-Dorf am Zürcher Hauptbahnhof klarmachte: Eine Warteschlange hatte sich ausschliesslich vor der Booster-Impfung gebildet.

Israel hat mit dem Booster die Coronawelle gebremst

Israel gilt als Vorreiter bei den Booster-Impfungen. Das Land hat gezeigt, dass ein schnelles Boostern der Impfwilligen die Ansteckungskurve sinken lässt. Laut Christoph Berger, Präsident der Eidgenössischen Kommission für Impffragen, ist die Empfehlung diesbezüglich absehbar, wie er am Dienstag sagte: «Die Auffrischimpfung wird ihren Beitrag leisten, zuerst für das Gesundheitspersonal, dann für bestimmte Gruppen wie das Pflegepersonal und dann für jene, die sie möchten.»

Eine offizielle Empfehlung seitens der Behörden soll bereits im Zeitraum Ende November ausgesprochen werden. Der Haken dabei: Swissmedic hat die dritte Corona-Impfung bis anhin erst für Risikogruppen und Personen über 65 Jahren freigegeben. Weiter ist man da im Ausland: Sowohl in Deutschland als auch in Italien wird die dritte Impfung allen erwachsenen Impfwilligen verabreicht.

Da aber zwischen Mai und Juni die grösste Anzahl Personen gegen Corona geimpft wurde, wäre es sinnvoll, spätestens auf Anfang Dezember – besser früher – den Booster für alle freizugeben. Der Impfschutz ist während der ersten sechs Monate am höchsten, danach steigt das Ansteckungsrisiko wieder an. Der Bundesrat muss nun abwarten, ob Swissmedic die Zulassung ausweitet. Die Einführung eines Boosters für alle dürfte politisch auf den geringsten Widerstand stossen.

Nur kein Lockdown

Trotz der rapid ansteigenden Corona-Infektionen ist anzunehmen, dass der Bundesrat auf jeden Fall einen Lockdown verhindern will. Weitere mögliche Massnahmen wären also, die Maskenpflicht wieder auszuweiten, auch bei Veranstaltungen, die mit Zertifikat stattfinden. Auf weniger Akzeptanz dürften die weiteren Möglichkeiten stossen: das Absagen von Grossveranstaltungen, die Wiedereinführung kostenloser Tests, eine 3-G-Regel am Arbeitsplatz oder, wie von Vertretern der SVP gefordert, die Impfpflicht für Pflegeberufe.

Die wissenschaftliche Taskforce hat schon vor einiger Zeit 2-G als Option nicht ausgeschlossen, sollten die Fallzahlen weiter steigen. Gesetzlich wäre aber hierzulande beim aktuellen Covid-Gesetz, anders als in Österreich, eine solche Regelung nicht möglich.

Der Bundesrat lässt sich bezüglich der Entscheide zu einer allfälligen Verschärfung der Massnahmen Zeit. Für Mittwoch ist keine Medienkonferenz angekündigt.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 17. November 2021 10:42
aktualisiert: 17. November 2021 11:01
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